Jahrgang 
1867
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dieſes kleine Gedenkblatt mit den Worten des Tacitus: Admiratione te potius quam temporalibus laudib us et, si natura suppeditet, aemulatione decoremus.

Der andere, Julius Königer, geboren zu Gießen am 21. Mai 1820, ſtarb als Haupt⸗ mann des 3. Großherzoglichen Heſſiſchen Infanterie⸗Regiments bei Laufach am 13. Juli 1866 den Heldentod. Er beſuchte unſere Anſtalt in ihrer zweiten Periode, in welcher ſie aus einer Secondär⸗Schule wieder zu einem ebenbürtigen Gymnaſium organiſiert war, von Oſtern 1831 bis dahin 1836, mit vielfacher Auszeichnung. In Prima zu einem akademiſchen Studium geneigt, widmete er, ein braver Sohn, ſich auf den Wunſch ſeines damals als Oberſt hier garniſonierenden Herrn Vaters dem Militärſtande, was ihn aber nicht hinderte, eifrigſt die begonnene wiſſenſchaftliche Bahn forzuſetzen. Die rühmlichſten Zeugniſſe hievon geben außer zahlreichen Aufſätzen in verſchiedenen Zeitſchriften zwei beſonders mit ſeinem Namen erſchienene Druckſchriften: 1) Die Völkerſchlacht bei Leipzig für Deutſchlands Schule und Haus, Leipzig(Hirſel) 1864; 2) Der Krieg von 1815 und die Verträge von Wien und Paris, ebend. 1865. Dem uns hier auferlegten Gebote der Kürze können wir um ſo eher nachkommen, als der Verewigte bereits an dem ihm durch Verwandtſchaft verbundenen, in der Theologie wie im hiſtoriſchen Fache rühmlichſt bekannten Herrn geheimen Kirchenrath und Profeſſor Dr. Hundeshagen zu Heidelberg einen meiſterhaften Biographen gefunden hat; dies ſchöne Denkmal von wahrhaftiger Freundeshand ſteht in den von H. v. Treitſchke herausg.Preußiſchen Jahrbüchern, Bd. 18, Heft 2, S. 211 ff, in welchen er im Leben bloß mit der Unterſchrift:Ein deutſcher Officier, zahlreiche und die allgemeine Aufmerkſamkeit erregende Aufſätze veröffentlicht hatte. Jeder Leſer dieſer Biographie wird mit demſelben Tacitus ſagen: Posteritati narratus et traditus superstes erit. Unter den übrigen vielen Lebensſkizzen heben wir noch dievon einem Kameraden im Daheim, Nr. 16 d. J., hervor, in welcher hervorgehoben wird, wie dankbar der allzufrühe Verewigte ſich des in ſeiner Jugend genoſſenen Gymnaſial⸗Unte rrichtes erinnerte.Mit Worten des innigſten und wärmſten Dankes, heißt es dort,erwähnte Königer ſpäter der Strenge ſeines Vaters in dieſem Punkte und, um der väterlichen Anſicht ein öffentliches Denkmal zu ſetzen, publicierte er ſpäter eine Arbeit über die Reformen im deutſchen Militärſtande, eine ſeiner gelungenſten Schriften, in der er die vollſtändige Gymnaſial⸗Bildung der Officiere in erſte Linie ſtellte, ſogar ſie als Minimumforderte.

Der drirte, zwar in einem ganz verſchiedenen Berufe aber auch ſchöne Hoffnungen erregend, war Karl Roſenberger, geboren am 8. Febr. 1845 zu Bürſtadt, geſtorben als Alumnus des Mainzer Prieſter⸗Seminars im Schoße ſeiner Familie am 20. Aug. 1865. Er beſuchte unſere Anſtalt von Oſtern 1857 bis Herbſt 1864, indem er ſich die Liebe aller ſeiner Herrn Lehrer und ſeiner Mitſchüler gewann. In der letzteren Zeit ſeines Aufenthaltes zu Mainz zeigte ſich ein Bruſtleiden, deſſen allſeitig betrübendes Ende weder die ſorgfältigſte Kunſt, noch die liebevollſte Pflege der Seinigen aufhalten konnte. Im Namen des Lehrercollegs wohnten der Director, Herr Pfarrer Reuß und Herr Seipp am 23. Aug. ſeinem zahlreich beſuchten Leichenbegängniſſe an, wobei Herr Nuſchel, Pfarrer des Ortes, ſowie langjähriger Freund und Gönner des frühe Vollendeten, der Lobenswürdigkeit desſelben ſowohl

wie dem gerechten Schmerze um ihn beredten und tröſtlichen Ausdruck verlieh. Multis ille bonis flebilis occidit, nulli flebilior quam mihi*).

*) Bei Uebergabe dieſes zum Drucke erhalten wir leider die Trauerbotſchaft von dem Tode von noch drei früheren Schülern unſeres Gymnaſiums, von welchen zwei in den rüſtigſten Mannesjahren, einer auch noch in früher Jugend ſtarben: am 19. Febr. Herr Alumnus Joh. Chriſtoph Stumpf aus Wattenheim zu Mainz; an demſelben Tage der Großh. Pfarrer und Decan, Herr Wilhelm Wundt, zu Dittelsheim, Kreiſes Worms; am 23. Febr. Herr Dr. Karl Gerlach, pract. Arzt zu Staudernheim. Frühe vollendet haben auch ſie viele Jahre erreicht.