Jahrgang 
1867
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ſowie Herr Hoffmann die ebenſo übernommenen 2 Schreibſtunden der III. und IV. wieder an Herrn Schüler ab, welcher dagegen bisher interimiſtiſch die 4 St. franzöſiſch in der 3. Real⸗Klaſſe gehabt hatte. Zugleich übernahm Herr Willenbücher die 3 St. deutſch in der 3. Real⸗Klaſſe, wogegen Herr Seipp die bisher von jenem gegebenen 2 Geſchichts⸗Stunden, in der 1. und 2. Real⸗ Klaſſe eintauſchte.

Uebrigens war der eſunsheiehufand im Lehrer⸗Perſonal beftiedigend, nur daß Herr Zeichnen⸗ und Turnlehrer Hoffmann im December und Januar durch eine ſchwere Krankheit von dem Halten ſeiner Lehrſtunden abgehalten ward.

5) Die vom Herrn Turnlehrer Hoffmann alljaͤhrlich geleitete Turnfahrt mußte der Kriegsereigniſſe wegen bis zum letzten Tage des Sommer⸗Semeſters, 22. September verſchoben werden. Dies Mal war das Ziel Speyer mit ſeinem Kaiſerdome(8 deutſche Kaiſer, 3 Kaiſerinnen und 1 Königs⸗ tochter liegen darin begraben), der neuerdings(ſeit 1853) zugleich ein aus der Nähe wie der weiteſten Ferne von allen denen haäufig beſuchter Kunſttempel iſt, welche in unſerer induſtriellen Zeit den Sinn fuͤr das Ideale, namentlich für das der religiöſen Malerei, nicht verloren haben. Auf dem Wege dahin wurde in Oggersheim das Haus beſichtigt, in welchem Schiller ſeinen Fiesco ſchrieb, auf Friedensau die Zuckerfabrik, welche die Schüͤler, Dank der Gefälligkeit des Herrn Verwalters, in allen ihren Theilen kennen lernten, ꝛc. Die Schüler wußten dem Herrn Turn⸗ und Zeichnenlehrer Hoffmann ihren Dank nicht genug auszudrücken für dieſe Fahrt ſowohl als auch für mannigfache Belehrungen über die Fresco⸗Malereien, die anderen Kunſtwerke und hiſtoriſchen Denkmäler des Doms ſowie über die übrigen mancherlei Sehenswürdigkeiten dieſer Stadt, ſo mächtig und erhebend hatten die in unſerer Gegend ſeltenen Kunſtwerke auf die jugendlichen Gemüther gewirkt. Nach dem ſeltenen geiſtigen Genuſſe wurde auch die leibliche Stärkung nicht verſäumt, um an demſelben Tage wieder die Heimat zu erreichen, wo ſie, theilweiſe von ihren Eltern an der bayeriſchen Grenze eingeholt, nach 10 Uhr alle wohlbehalten ankamen.

6) In den Reihen der gegenwärtigen Schüler haben wir, Gott ſei Dank, in dem verfloſſenen Schuljahre keinen Trauerfall zu berichten, aber aus den drei Hauptperioden unſerer Anſtalt ſind während desſelben drei frühere Schüler geſtorben, jeder nach einer in ſeiner Art rühmlichſt aus⸗ gezeichneten Wirkſam⸗ und Strebſamkeit; die Pietät fordert uns auf, jedem von ihnen, wenn auch ein kurzes Andenken zu widmen.

Der älteſte von ihnen, Marimilian Joſeph Neumayer, geboren am 1. April 1789 in dem benachbarten Neuhauſen, beſuchte unſere Anſtalt, da ſie als franzöſiſche Secondär⸗Schule organiſiert war, und ſtarb als franzöſiſcher Diviſions⸗General und Großoffizier der Ehren⸗Legion zu Nantes am 12. Nov. 1866. Wie es ihm als Deutſchen in dem an militäriſchen Größen beſonders reichen Auslande durch ſeine ungewöhnlichen körperlichen und geiſtigen Eigenſchaften ſeit der Zeit des erſten Kaiſerreiches gelang, in dem häufigen Wechſel der Dynaſtien nicht nur bloß durch perſönliche Empfehlung zu allen militäriſchen Ehren auf den Kampfplätzen Frankreichs zu gelangen, ſondern auch zugleich ein unvergängliches Denkmal unerſchütterlicher Redlichkeit und Rechtlichkeit zu hinterlaſſen, dies näher darzuſtellen iſt hier weder Ort noch Raum; aber wir halten es für Pflicht hier wenigſtens das zu erwähnen, was nicht das geringſte Blatt im Ruhmeskranze des Verewigten iſt, daß er gegen die hieſige Lehranſtalt, welche ihm ſeine erſte Bildung gab, ſowohl bei ſeinen früheren Beſuchen dahier als auch durch ein dankbares Schreiben ſeine Pietät zu erkennen gab. Letzteres, durch die 50 jährige Jubiläums⸗Feier unſerer Lehranſtalt veranlaßt, iſt im Programm 1855 abgedruckt. Wir ſchließen 3