Jahrgang 
1915
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seiner Verdienste wurde ihm von Seiner Majestät der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Leider war der Direktor nicht imstande, ihm diese Auszeichnung bei seinem Ausscheiden aus dem Amte zu überreichen, weéil Professor Schlosser, der für das Sommerhalbjahr beur- laubt war, sich zu Verwandten nach Rußland begeben hatte und dort vom Kriegsaus- bruch überrascht wurde. Wider alles Erwarten wurde er im Januar 1915 doch freige- lassen und konnte über Schweden nach Deutschland zurückkehren.

Die ertedigte Oberlehrerstelle wurde Herrn Oberlehrer Dr. Dürre vom Gymnasium in Ratzeburg übertragen; er konnte sie aber bisher noch nicht antreten, da er als Reserve- offizier zum Heeresdienst eingezogen ist.

Herr Oberlehrer Dr. Hollack war von Ostern bis zum Sommer zu einem Studien aufenthalt nach England beurlaubt, und es gelang ihm noch gerade vor Ausbruch des Krieges in die Heimat zurückzukehren. Auch Herr Oberlehrer Dr. Bösser, der von Sommer bis Herbst einen Studienaufenthalt in Frankreich nehmen wollte und sich schon in der Westschweiz aufhielt, konnte noch rechtzeitig seine Reise abbrechen.

Leider erkrankte Herr Oberlehrer Dr. Stalmann anfaugs Mai so schwer, daß er für den Rest des Schuljahres beurlaubt werden mußte; er hofft jedoch mit Beginn des neuen Schuljahres seinen Dienst wieder aufnehmen zu können.

Mit der Vertretung der erkrankten und beurlaubten Herren Professor Schlosser, Dr. Hollack, Dr. Stalmann waren beauftragt die wissenschaftlichen Hilfslehrer Schwalm und Frese sowie der Probekandidat Lohmann; anstelle des letzteren, der auch bei Kriegsbeginn zum Waffendienst eingerufen wurde, trat zu Anfang des Winterhalbjahres der wissenschaftliche Hilfslehrer Klauer.

Im Juli wurde Herrn Oberlehrer Dr. Meyer der Professortitel und der Rang der Räte 4. Klasse verliehen.

Nachdem Herr Lehrer Ohlenburgerschon im Dezember einige Zeit seinen Unter- richt hatte aussetzen müssen, erkrankte er im Januar ernstlich und mußte für den Rest des Schuljahres beurlaubt werden. Seine Vertretung übernahm der Vorschullehrer Maurer, dessen Vorschulklasse Herr Lehrer Wüst mit der seinigen vereinigte.

Nimmt man zu diesen durch Beurlaubung und Krankheiten verursachten Schwierig- keiten im Unterrichtsbetriebe noch die ungleich größeren hinzu, die durch die plötzliche Einberufung zahlreicher Lehrkräfte veranlaßt wurden, so wird auch der Laie verstehen, daß die Aufrechterhaltung eines halbwegs ordnungs- und planmäßigen Unterrichts durch- aus nicht leicht war und auch von den daheimgebliebenen Mitgliedern des Lehrkörpers ein außergewöhnliches Maß von Arbeitskraft und Pflichttreue forderte, die dankbar anzu- erkennen dem Unterzeichneten eine angenehme Pflicht ist.

4. Das Pädagogische Seminar.

Dem mit der Anstalt verbundenen und unter der Leitung des Direktors stehenden Königlichen Pädagogischen Seminar zur Ausbildung von Kandidaten des höheren Lehramts wurden im Anfang des neuen Schuljahres 7 Herren zugewiesen: Dr. Ernst Bromm, Dr. Gustav Edel, Dr. Walter Kühn, Dr. Sigismund Lenhardt, Otto Mittelstaedt, Dr. Wilhelm Perron, Dr. Fritz Schmidt. Zu Seminarlehrern wurden außer dem Direktor die Professoren Dr. Wickel und Dr. Wallbott ernannt. Beim Kriegsausbruch wurde Herr Dr. Kühn sofort einberufen, die Herren Dr. Edel, Dr. Lenhardt und Dr. Perron meldeten sich freiwillig zu den Fahnen, und Herr Dr. Schmidt wurde als Ersatzreservist anfangs