Jahrgang 
1915
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welche vor dem Eintritt in das Heer die wissenschaftliche Reife zum einjährig-freiwilligen Militärdienst nachweisen wollten. Es waren nicht weniger als 16, von denen 12 die Prüfung bestanden. Diese vielen Nebenprüfungen hatten wenigstens das eine erfreuliche Ergebnis, daß sie an Gebühren für die Reifeprüfung und an freiwilligen Gaben der Ge- prüften die schöne Summe von 180 Mark ergaben, die das Lehrerkollegium unter Ver- zicht auf die ihm zustehenden Gebühren der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen gefallener Krieger überwies.

Daß die gewaltigen kriegerischen Ereignisse auch äußerlich nicht spurlos an unserem Schuldasein vorübergingen, war ja selbstverständlich. Sobald die Kunde von einem neuen großen Erfolg in das Schulhaus drang, versammelte der Direktor die Schüler im Hof, setzte Art und Bedeutung des gemeldeten Erfolges auseinander und brachte den jeweiligen Siegern eine Huldigung dar, in die die Jugend um so begeisterter einstimmte, als sie wußte, daß damit der Unterricht für diesen Tag beendigt war.

Eine Weihnachtsfeier konnten wir leider in diesem Jahre schon deswegen nicht ver- anstalten, weil unser Gesangchor, der sonst den Hauptteil der Mitwirkung bestritt, gleich bei Beginn des Krieges durch den Übertritt der meisten Primaner in das Heer seine Hauptstütze verloren hatte.

Mitte Januar erzählte der Direktor den Schülern von seiner Fahrt mit Weihnachts- gaben an die Westfront, wobei er auch Herrn Professor Abt besuchen konnte, der als Hauptmann einer Landsturmkompanie in Belgien stand. Das Ergebnis der freiwilligen Sammlung bei dieser Gelegenheit in der Höhe von 63,50 Mark wurde der Kriegsfürsorge des Roten Kreuzes überwiesen.

Die Feier von Kaisers Geburtstag beging die Schule in üblicher Weise und echt vaterländischer Stimmung. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Magerüber das Thema: Was verdankt Deutschland den Hohenzollern?

Selbstverständlich wurde auch seitens der Schule keine Gelegenheit versäumt, die Schüler auf die großen Aufgaben, die der Krieg gerade an die in der Heimat Zurück- gebliebenen stellt, hinzuweisen und sie zur Mithilfe in ihrem Kreise anzuhalten. Sammel- büchsen des Roten Kreuzes waren in den meisten Klassen aufgestellt; das Weihnachtsfest gab Anlaß zum Hinweis auf die erhöhte Pflicht zur Mildtätigkeit, und einen ganz be- sonderen Erfolg erzielte das Lehrerkollegium durch die im Februar von dem Direktor angeregte Goldsammlung, bei der sich alle Klassen mit regem Eifer, einzelne mit ge- radezu staunenswerten Ergebnissen beteiligten. Binnen weniger Wochen konnte der Reichs- bank die stattliche Summe von 30215 Mark in Gold zugeführt werden, wovon allein die beiden Obertertien 10330 Mark zusammengebracht hatten. Eine von Herrn Vorschul- lehrer Maurer angeregte Sammlung der Schüler der unteren Klassen für Sanitätshunde ergab 530,56 Mark. Davon wurden 250 Mark zum Ankauf eines Hundes verwandt, den Herr Maurer nach Ostern ins Feld führen wird; der Rest wurde der hiesigen Orts- gruppe des Vereins für Sanitätshunde überwiesen.

2. Revisionen und Prüfungen.

Zur Notreifeprüfung im August meldeten sich von 29 Oberprimanern 26, ferner 3 Schüler der Unterprima, die diese Klasse im zweiten Jahre besuchten. Von diesen 29 Teilnehmern brauchten 5 Oberprimaner, weil sie schon über 2 Jahre in Prima waren, nur eine mündliche Prüfung abzulegen, die sie am 10. August bestanden. Die übrigen 24