Jahrgang 
1871
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Unſere Schule vereinigt ferner alle Confeſſionen in ſchönſtem Frieden; ſie ſehen einander nicht darauf an, ob ſie Katholiken oder Evangeliſche oder Iſraeliten ſind; wer verträglich, gut geartet, wohlerzogen iſt, findet ſeine Freundinnen, ſie lernen ſich alle als Menſchen achten, und gewiß ohne Schaden für ihre Confeſſionen, die ſie in ihren Religionſtunden gründlich kennen lernen. Im Unterricht wird Alles vermieden, was dieſen Frieden ſtören könnte, wie derſelbe denn thatſächlich unter Schülerinnen wie Lehrern und Lehrerinnen unſeres Wiſſens noch nie ge⸗ ſtört worden iſt. Wenn nun unſere naſſauiſche Bevölkerung ſolche Schulen erhalten und hoch⸗ halten will, wohlan, es liegt nur an ihr ſelbſt. Schicken uns alle Confeſſionen ihre Kinder, wie es bisher in ſo erfreulicher Weiſe geſchehen iſt, dann iſt der thatſächliche Beweis am beſten ge⸗ liefert, daß man dieſe Einrichtung erhalten zu ſehen wünſcht; gelingt es im Gegentheil, uns eine Confeſſion ganz oder bis auf ein Minimum zu entziehen, ſo haben die Gegner unſerer gemiſchten Schulen den Beweis für ſich; es wird wohl keines weiteren Wortes bedürfen, um denen, die mit der bisherigen Einrichtung zufrieden waren, den Weg zu zeigen, auf welchem ſie am Er⸗ folgreichſten für ſie einſtehen können.

Schließlich wird im Intereſſe der Schule wie der Eltern dringend gebeten, wenn ſich irgend etwas ergeben ſollte, was Anlaß zu einer Klage ſein könnte, ſich doch immer direkt an den Vorſteher der Anſtalt wenden zu wollen. Entweder iſt die Klage begründet, dann kann ihr Folge gegeben werden; oder ſie beruht auf Mißverſtändniſſen und Unrichtigkeiten, dann läßt ſie ſich in mündlichem Verkehr raſch erledigen in jedem Falle werden die Betheiligten dabei beſſer fahren, als wenn ſich dauernde Mißſtimmungen feſtſetzen, die allemal nachtheilig auf das Verhältniß der Schülerinnen zur Schule wirken müſſen.

II. Lehrercollegium.

Eine Reihe von Veränderungen iſt während des verfloſſenen Schuljahres in der Zu⸗ ſammenſetzung des Lehrercollegiums nothwendig geworden. Zuerſt verließ uns Dr. Heid, der mit Juli 1868 als Lehrer proviſoriſch an der Töchterſchule angeſtellt, mit April 1870 eine An⸗ ſtellung am Seminar zu Friedberg erhielt. An ſeine Stelle trat als ordentlicher Lehrer Herr Lautz, deſſen Biographie nach ſeiner Angabe hier folgt:

Theodor Lautz, Sohn des verſtorbenen Lehrers, Lautz, wurde am 29. Juni 1835 zu Guſternhain, A. Herborn, geboren. Nachdem er bis zu ſeinem 14. Lebens⸗ jahre die daſige Elementarſchule beſucht hatte, bereitete er ſich vor zum Eintritt in das Lehrerſeminar zu Idſtein. Im Frühjahr 1851 wurde er in dieſe Anſtalt auf⸗ genommen und 1854 zu Uſingen, wohin die Anſtalt mittlerweile verlegt worden war, mit dem Zeugniß der Reife entlaſſen. Hierauf erhielt er eine Privatanſtellung an einer Knabenerziehungsanſtalt zu Darmſtadt, woſelbſt er bis 1856 verblieb; dann wurde er von der naſſauiſchen Landesregierung als Elementarlehrer angeſtellt. Im

1 Frühjahr 1861 erwirkte er ſich die Beurlaubung aus dem Schuldienſt, um ſich ſpecieller mit dem Studium der Mathematik und der Naturwiſſenſchaften zu befaſſen. Während 5 Semeſtern machte er ſeine Studien in der chemiſch⸗pharmaceutiſchen An⸗ ſtalt des Geh. Hofraths Freſenius und in dem Muſeum zu Wiesbaden. Durch Privatſtudien erwarb er ſich die nöthigen Kenntniſſe in der Mathematik, und ſo be⸗ ſtand er im Herbſt 1863 vor der wiſſenſchaftlichen Prüfungscommiſſion zu Wies⸗