16 C. Aeſthetiſche Bildung.
Zur Erlernung des äußeren Anſtandes wird namentlich von den Lehrerinnen unausgeſetzt An⸗ leitung gegeben, und das Turnen verfolgt nebenbei denſelben Zweck. Für den Tanzunterricht fand ſich in dieſem Jahre eine ſehr ſchwache Betheiligung.
Der höhere äſthetiſche Sinn wird auch durch Deklamatorien und Schulfeſte geweckt, bei welchen möglichſt viele eigene poetiſche Arbeiten zur Darſtellung kommen. In dem verfloſſenen Jahre namentlich bot das Jubiläum Sr. Hoheit des Herzogs eine willkommene Gelegenheit, die erworbene Kraft anzuwenden und zu prüfen. Die vielen ſelbſtverfertigten, durch Deklamation oder Geſang vor⸗ getragenen, meiſt recht wohl gelungenen lyriſchen und allegoriſchen Gedichte legten für den Geiſt, den Eifer und den Fleiß der Schülerinnen auch in dieſer Beziehung ein rühmliches Zeugniß ab.
D. Disziplin.
Mit Bezugnuahme auf die in dem früheren Programmen ausgeſprochenen Anſichten und Ein⸗ richtungen bitte ich die verehrlichen Eltern, uns in dem Geſchäft der Schulerziehung auch fernerhin durch ihr Wort und ihre Anſehung zu unterſtützen. Gern ſehen wir es, wenn Dieſelben ſich über einzelne Fehler oder Charaktereigenthümlichkeiten mit uns beſprechen.
E. Phyſiſches Wohl.
Der Geſundheitszuſtand des Lehrerkollegs war recht befriedigend; mehrere Mitglieder desſelben haben auch in dieſem Schuljahre keine Lehrſtunde verſäumt.
Ebenſo ſind im Kreiſe der Schülerinnen keine nennenswerthe Krankheiten vorgekommen. Doch war der Schulbeſuch während des allerdings ſtrengen und anhaltenden Winters nicht ganz ſo regel⸗ mäßig wie ſonſt. Es iſt nicht gut, Kinder wegen geringfügiger Unpäßlichkeit oder Schmerzen vom Schulbeſuche zurückzuhalten; ſie verweichlichen dadurch phyſiſch und moraliſch. Niemand vermag den Härten des Lebens anders zu entrinnen, als dadurch, daß er ſich an dieſelben gewöhnt. Man begeht ein Unrecht an ſeinem Kinde, wenn man es z. B wegen der Hitze des Sommers oder der Kälte des Winters zu Hauſe behält. Bei mancher unwillkommenen Erfahrung dieſer Art habe ich mit großer Anerkennung beobachtet, daß viele Familien unſerer Stadt der richtigen Anſicht unerſchütter⸗ lich treu bleiben, und ihre Kinder bei jedem Wetter in die Schule ſchicken.


