Jahrgang 
1910
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347. Otto Niedhammer, Sohn des verſt. Kaufmanns Wilhelm N. in Wiesbaden, geb. 2. März 1890, aufgenommen in III Weihnachten 1905.

Der Sedantag wurde diesmal am Sonntag, 29. Auguſt gefeiert. An der Feier, die zugleich der Erinnnerung an die Hermannsſchlacht im Teutoburger Walde galt, beteiligte ſich die ganze Stadt, ſo daß ſie den Charakter eines Volksfeſtes annahm.

Am 15. September fiel der Unterricht aus, um den Schülern Gelegenheit zum Beſuche des in der Nähe ſtattfindenden Manövers zu geben.

Am 25. September wurde das Sommerhalbjahr in üblicher Weiſe geſchloſſen.

Mit dem Beginn des Winterhalbjahres am 11. Oktober trat der bisherige Hülfslehrer Herr Dr. Heyl als Oberlehrer in das Kollegium ein.

Alfred Heyl, geboren am 6. Februar 1882 zu Bibra in Sachſen⸗Meiningen, abſolvierte im Jahre 1902 das Realgymnaſium zu Meiningen uad ſtudierte dann nach zweijähriger praktiſcher Tätigkeit 8 Semeſter lang Landwirtſchaft, und zwar in Leipzig, München und Jena. Nach erfolater Promotion und Ablegung des Examens für Landwirtſchaftslehrer beſuchte er ein Jahr lang das pädagoaiſche Seminar der Landwirtſchafts⸗ ſchule zu Weilburg und war im Sommer 1909 an der genannten Anſtalt als wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer tätig.

Am 18. Oktober wurde der Schüler der J. Klaſſe Heinrich Perlemann aus Meren⸗ berg in der Nähe ſeines Heimatorts mit einer Kugel im Kopfe aufgefunden. Ob er verun glückt iſt oder durch Mord bezw. Totſchlag geendigt hat, konnte nicht aufgeklärt werden. Er verſtarb am 25. Oktober in Gießen. An ſeiner am 28. Oktober erfolgten Beerdigung betei⸗ ligten ſich außer dem Direktor und dem Ordinarius ſeine Klaſſenkameraden.

Vom 24. Dezember bis 6. Januar dauerten die Weihnachtsferien.

Am 27. Januar 1910 fand in der Aula eine öffentliche Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs ſtatt; die Feſtrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Heyl über die Königin Luiſe)..

Vom 27. Februar bis 5. März 1910 war der Direktor beurlaubt, um an der jähr⸗ lichen Reviſion der landwirtſchaftlichen Winterſchulen des Regbez. Kaſſel teilzunehmen.

Am 1. März verſtarb der Schüler der erſten Klaſſe Willi Engelmann an einer Blutvergiftung infolge der Maſern. Seine Lehrer und Mitſchüler gaben ihm am 4. März das letzte Geleite.

Die ſchriftliche Entlaſſungsprüfung für das Winterhalbjahr 1909/10 fand vom 28. Februar bis 4. März ſtatt. Die Themata waren folgende:

Deutſcher Aufſatz: Emanuel Geibel als lyriſcher Dichter.. Franzöſiſche Arbeit: überſetzung eines franzöſiſchen Stückes ins Deutſche und eines deutſchen ins Franzöſiſche.

Mathematiſche Aufgaben: a) Ein Dreieck zu zeichnen, von welchem gegeben ſind eine Seite e, die Höhe auf eine andere ha und der Radius des umſchriebenen Kreiſes r. b) Eine Anzahl Arbeiter braucht 12 Tage, um einen Graben von beſtimmter Größe auszuwerfen. Wäre es ein Arbeiter weniger, ſo würden nach 12 Tagen noch 36 chm auszuwerfen ſein. Würde aber im letzteren Falle jeder Arbeiter täglich 1 ebm mehr auswerfen, ſo wäre der ganze Graben ſchon in 10 Tagen fertig. Wieviel Arbeiter ſind eingeſtellt, und wieviel cbm wirft jeder aus? c) Aus einer Bleiplatte von 50 cm Länge, 30 cm Breite und 1,4 cm Dicke werden Ku geln von 1,2 ecm Durchmeſſer gegoſſen. Berechne Anzahl und Gewicht der Kugeln, wenn beim Schmelzen und Gießen 4% Blei verloren gingen. Spez. Gewicht= 11,4. d) Eine Wieſe von 536 a ſoll 0,3 em ſtark mit Kompoſt befahren werden, eine Thomasmehlgabe von 2 ½ Z auf 1 Mg. und ſoviel 400%igen Kalidünger erhalten, daß die Stärke einer Düngung von 4,5 Kainit auf das Ar erreicht wird. a. Wieviel Fuhren Kompoſt(je ½ chm) ſinden ötig? b. Was koſtet die Düngung mit dem Handelsdünger?(1 kg Phos.= 29 Pfg., 1 Z Kalidüngeſalz= 3,85 Mk.)

Naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Welche ſtofflichen Veränderungen erleiden die Düngemittel im Ackerboden?

Landwirtſchaftliche Arbeit: Wo und wie kann ein Landwirt Geld für Wirtſchaftszwecke leihen?

Am 11. März folgte die mündliche Prüfung, bei welcher als Kommiſſar der Kgl. Re⸗ gierung Herr Regierungs⸗ und Schulrat Below von Wiesbaden, als Vertreter des Kura⸗ toriums Herr Domänenpächter Knapp von Hof Gnadenthal fungierte. Folgenden Prüflingen wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt:

348. Wilhelm Ries, Sohn des Oekonomierats Franz R. auf der Inſel Mainau im Bodenſee, geb. 23. Jan. 1891, aufg. in III Herbſt 1907, unter Befreiung von der mündl. Prüfung.