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Am 3. Okt. wurde das Sommerhalbjahr mit der Cenſur und Verſetzung geſchloſſen.
Vom 4. bis zum 17. Okt. dauerten die Herbſtferien..
Am 18. Okt. wurde mit der Eröffnung des Winterhalbjahres eine Gedenkfeier des Ge⸗ burtstages Kaiſer Friedrichs III. verbunden, bei welcher der Direktor die Anſprache hielt. Der Geſangunterricht, welcher im Sommer ſeit der Erkrankung des Herrn Ketter hatte ausfallen müſſen, übernahm Herr Militär⸗Kapellmeiſter Döling.
Am 5. Nov. begann der Unterricht der Winterſchule.
Vom 16. bis zum 19. Nov. war Herr Dr. Kienitz⸗Gerloff beurlaubt, weil er in ſeiner Eigenſchaft als Hauptmann der Landwehr militäriſche Kontrollverſammlungen abzuhalten hatte.
Vom 23. Dez. 1894 bis zum 6. Jan. 1895 dauerten die Weihnachtsferien.
Am 26. Jan. 1895 fand zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs ein öffentlicher Schulaktus ſtatt, bei welchem Herr Krausbauer die Feſtrede hielt(über die Geſchichte unſerer Nationalhymne).
Vom 1. bis zum 6. Febr. war Herr Dr. Kienitz⸗Gerloff beurlaubt, weil er wegen eines Trauerfalles nach Hamburg reiſen mußte.
Zur Reifeprüfung für das Winterhalbjahr ſind 6 Schüler der I. Klaſſe zugelaſſen. Die ſchriftliche Prüfung iſt auf den 4.— 8., die mündliche auf den 22. März angeſetzt. Über den Aus⸗ fall derſelben kann erſt im nächſtjährigen Programm berichtet werden.
Das Betragen der Schüler war in dieſem Schuljahre bis auf einen Fall befriedigend.— Die älteren Schüler der Anſtalt waren auch für dieſen Winter zu den Vergnügungen der hieſigen Kaſinogeſellſchaft eingeladen, wofür der verehrlichen Geſellſchaft ergebenſter Dank ausgeſprochen wird
Mit dem Ende dieſes Schuljahres ſcheider Herr Dr. Henkelmann aus dem Lehrer⸗ kollegium, um in den wohlverdienten Ruheſtand überzugehen. Ein Schüler Liebigs, hat er als einer der erſten Bahnbrecher des landwirtſchaftlichen Unterrichts bereits vor 40 Jahren(wo es im ganzen preußiſchen Staate nur 4 Ackerbauſchulen gab) in der Wetterau eine landwirtſchaftliche Lehranſtalt gegründet und dann ſeit Eröffnung unſerer Anſtalt ſeine reiche landwirtſchaftliche Er⸗ fahrung, ſeine wiſſenſchaftliche Tüchtigkeit und ſeine hohe pädagogiſche Begabung in ihren Dienſt geſtellt. 18 ½ Jahre hindurch iſt er hier ſeinen Kollegen ein hochgeſchätzter Mitarbeiter und ein treuer Freund, ſeinen Schülern ein eifriger und wohlwollender Lehrer, den Landwirten der näheren und weiteren Umgegend ein ſtets bereiter, nie verſagender Helfer und Berater geweſen. Sie alle vereinigen ſich mit uns in dem Wunſche, daß die nunmehrige Ruhe ihm volle Geneſung bringen möge, und daß er uns noch lange Jahre erhalten bleiben möge als der ehrwürdige Patriarch der Landwirtſchaft, zu welchem ſeine zahlreichen Schüler in der ganzen Provinz und weit darüber hinaus dankbar aufſchauen.
An ſeine Stelle tritt mit dem 1. April Herr Dr. Adolf Helmkampf, geb. am 24. Juni 1866 zu Celle in Hannover. Er abſolvierte 1885 das Realgymnaſium in Göttingen, erlernte 1885— 1887 auf dem Kloſtergut Bursfelde an der Weſer die praktiſche Landwirtſchaft und begab ſich dann im Herbſt 1887 zu ſeiner theoretiſchen Ausbildung an die Univerſität Göttingen, wo er dem Studium der landwirtſchaftlichen Fach⸗ und Grundwiſſenſchaften oblag. Am 7. Aug. 1890 beſtand er daſelbſt das Examen als Lehrer der Landwirtſchaft an Landwiriſchaftsſchulen, blieb aber zunächſt Aſſiſtent am landwirtſchaftlichen Inſtitut der Univerſität Göttingen, wo er die unter Leitung des Profeſſors Dr. Liebſcher ausgeführten Getreide⸗Anbauverſuche der Deutſchen Landwirtſchafts⸗ Geſellſchaft zu bearbeiten hatte und am 1. April 1891 die Stellung eines etatsmäßigen Aſſiſtenten erhielt. Als ſolcher beſtand er am 15. Dez. 1891 vor der philoſophiſchen Fakultät der Univerſität Göttingen das Doktorexamen und wurde dann, nach Drucklegung ſeiner Diſſertation,„Unterſuchungen über die Feſtſtellung des Düngungsbedürfniſſes der Ackerböden durch die Pflanzenanalyſe“(auch im Journal für Landwirtſchaft, Band XI. erſchienen), zum Dr. phil. promoviert. Am 1. Okt. 1892 gab er ſeine Stellung in Göttingen auf, um in das pädagogiſche Seminar an der hieſigen Landwirtſchaftsſchule einzutreten; nach Abſolvierung desſelben wurde er am 1. Okt. 1893 Direktor der neu errichteten landwirtſchaftlichen Winterſchule zu Hoya in Hannover, von wo er ſodann als Nachfolger des Herrn Dr. Henkelmann an die hieſige Landwirtſchaftsſchule berufen worden iſt.


