Jahrgang 
1895
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gehört; dann fuhren wir mit der Eiſenbahn über Bockenheim und Gießen zurück nach Weilburg. Die ganze Reiſe, von Herrn Dr. Ottmann vorbereitet und von Herrn Dr. Kienitz⸗Gerloff geleitet, verlief ohne jeden Unfall und trotz der bedeutenden Märſche(4045 km) bei ſehr ge⸗ ringen Koſten(Fahrt, Nachtquartier und Verpflegung 5 M.) zu allſeitiger größter Befriedigung.

Zur Reifeprüfung für das Sommerſemeſter hatten ſich folgende 7 Schüler der Anſtalt emeldet: 3 142. Eduard Kienitz, Sohn des Lehrers an der Landwirtſchaftsſchule Dr. Felix Kienitz⸗ Gerloff in Weilburg, geb. 5. Juli 1879, aufgenommen in V 24. April 1889:

143. Max Kienitz, Zwillingsbruder des vorigen, aufgenommen in V 24. April 1889;

144. Auguſt Engels, Sohn des Gutsbeſitzers Karl E. in Weſthoven, Kr. Mülheim, Rbz. Köln, geb. 27. Aug. 1875, aufgenommen in IV 13. April 1890;

145. Emil Möbus, Sohn des Gerichtsſekretärs Karl M. in Königſtein, Kr. Ober⸗ taunus, geb. 7. Juni 1878, aufgenommen in V 24. April 1889;

146. Otto Koch, Sohn des Gutspächters Wilhelm K. auf dem Bruderdiebacher Hof, Kr. Hanau, geb. 9. Sept. 1875, aufgenommen in V 16. April 1887;

147. Konrad Koch, Sohn des Gutsbeſitzers Cyriakus K. in Gudensberg, Kr. Fritzlar, geb. 18. Juni 1876, aufgenommen in IV 12. April 1890;

148. Adolf Blaß, Sohn des verſtorbenen Apothekers Ludwig B. in Friedrichsdorf, Kr. Obertaunus, geb. 12. Sept. 1875, aufgenommen in III 27. Okt. 1891.

Am 4.8. Sept. fand ihre ſchriftliche Prüfung ſtatt, deren Themata folgende waren:

Deutſcher Aufſatz: Die Stellung des Ackerbaues in der Kulturgeſchichte, nach dem eleuſiſchen Feſt von Schiller.

Franzöſiſche Arbeit: Eine Uberſetzung aus Friedrichs des Großen Schrift De la Litterature allemande ins Deutſche und eine Überſetzung aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche.

Naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Wie ernähren ſich und wie atmen die Pflanzen?

Mathematiſche Aufgaben: a) Rechnen: Ein Mitglied des Weilburger Vorſchußvereins, der

Einlagen mit 3% verzinſt, aber von geliehenen 4 ½% erhält, ſowie ¼10% Proviſion von letzteren, erhält folgenden Rechnungsauszug:

Haben: Soll. 1. Januar... M. 285,56 V 30. Januar...... M. 150,00 24. März....... 150,00 1. März....... 50,00 6. Mai....... 110,00. 4. Mai....... 60,00

3. Juni....... 120,00 Wie groß iſt ſein Guthaben am Schluß des erſten Halbjahres? b) Planimetrie: Eine Fläche in Geſtalt eines unregelmäßigen Fünfecks ſoll in ein Parallelogramm verwandelt werden, von dem eine Seite der größten Seite des Fünfecks gleich, und ein Winkel= ½ R iſt. c) Arithmetik: 1SX 3X 6 y 9 4 x 4 ½₰= 31 3 v4.3 5 x. 16 21,= 3 ½1. 2 4) 6 d) Trigonometrie: In einem gleichſchenkligen Dreieck iſt die Summe der Höhe und eines Schenkels= 42,97 m, der Winkel an der Spitze= 570 397 24. Wie groß iſt die Baſis und der Flächeninhalt?

Landwirtſchaftliche Arbeit: Weshalb iſt die Rindviehhaltung heutzutage der loh⸗ nendſte Zweig der Viehzucht?

Am 29. Sept. folgte ihre mündliche Prüfung, bei welcher als Kommiſſar der Koͤnigl. Staatsregierung Herr Regierungs⸗ und Schulrat Dr. Roß von Wiesbaden, als Vertreter des Kuratoriums Herr Bürgermeiſter Schaum in Weilburg fungierte. Alle 7 Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife(mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Mili⸗ tärdienſt) einſtimmig zuerkannt.

Am 2. Okt. wurde die öffentliche Schlußprüfung für das Sommerhalbjahr abgehalten, deren Ordnung folgende war:

Vormittags 9 ¾¼ 12 Uhr: V Rechnen Staub, Franzöſiſch Krausbauer; IV Geſchichte Dr. Gotthardt, Mineralogie Krausbauer; III Botanik Dr. Kienitz⸗Gerloff, Chemie Dr. Nauhaus. Nachmittags 2 ½ 4 Uhr: II Geſchichte Dr. Ottmann, Pflanzenproduktionslehre Heyden; I Deutſch der Direktor, Betriebslehre Heyden.