Jahrgang 
1927
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Die Vortragsabende waren ſehr gut beſucht. An dem am 19. November veran⸗ ſtalteten Balladen⸗ und Melodramen⸗Abend zeigten zum erſten Male Schüler ihr Können in Vortragskunſt und Sprechtechnik. Der Direktor trug mit Beglei⸗ tung von Studien⸗Rat König das Hexenlied vor. Am 21. Januar fand einWilhelmj⸗Abend ſtatt. Lehrer Ernſt Wagner aus Frankfurt am Main, ein Uſinger Kind, las aus ſeiner noch unveröffentlichten, aus gründlichſter Huellenforſchung entſtandenen Biographie Wilhelmjs die packendſten Teile vor. Er ließ in glänzender Weiſe ein Lebensbild dieſes großen, in Uſingen geborenen Königs der Geiger entſtehen. Ganz neu und hochbedeutſam ſind die Reſultate über das Verhältnis Wilhelmjs zu Richard Wagner. Der bedeutendſte Teil des Nachlaſſes iſt ein koſtbarer Schatz des Uſinger Wilhelmj⸗Archivs. Eigene Kompo⸗ ſitionen des Geigerkönigs beſchloſſen den ſchönen Abend.

Am Verfaſſungstage hielt Stud.⸗Rat König die Feſtrede über:Die Bedeu⸗ tung der gegenwärtigen geiſtigen Strömungen im deutſchen Volk vom erzieheri⸗ ſchen Standpunkt. Der 1. Oktober galt der Feier des 80. Geburtstages unſeres verehrten Reichspräſidenten von Hindenburg. Bei der durch Gedichtvorträge, ſchöne Chorlieder und Orgelvorträge verſchönten Feier hielt Studienrat Prenzel die Feſtrede. Zum letzten Male ſang der Schülerchor unter der bewährten Lei⸗ tung des zum Studienrat in Frankfurt ernannten Seminaroberlehrers Veith, der bewegt von der Stätte ſeines langjährigen und für ganz Naſſau ſo ſegens⸗ reichen Wirkens Abſchied nahm. Der 19. Oktober galt einem Deklamations⸗ vortrag des Recitators Gräbe. Er veranſtaltete auch in allen Klaſſen übungen zur Beſſerung der Sprechtechnik. Das Winterfeſt des Turnvereins am 3. De⸗ zember war wieder ein großer Erfolg für die jugendlichen Veranſtalter. Die turneriſchen Darbietungen zeigten ein gutes Können, das LuſtſpielNach Tiſch in Sansſouci wurde flott und auf ſchauſpieleriſch hoher Stufe geſpielt. Stud. Rat Geiſel hatte ſein ganzes Können an die Aufführung geſetzt, und die Schüler machten ihm Ehre. Bei der ſchön gelungenen Weihnachtsfeier am 20. Dezem⸗ ber herrſchte große Freude, als Knecht Rupprecht mit ſeinen Zwergen erſchien und Lehrern und Schülern allerlei kleine Geſchenke mit treffenden Verslein brachte.

Am 22. und 23. März wurde in einer Ausſtellung von Werken Dürers in allen Klaſſen dieſes großen Künſtlers gedacht.

Die Reifeprüflinge legten am 7. und 8. September die leichtathletiſche, am 20. Februar die Prüfung im Geräteturnen ab. Die ſchriftlichen Arbeiten wurden vom 6. bis 9. Februar geſchrieben. Die mündliche Reifeprüfung fand am 2. März ſtatt unter dem Vorſitz von Herrn Oberſchulrat Prof. Dr. Zühlke und in Anweſen⸗ heit von Herrn Miniſterialrat Richert. Sämtliche Prüflinge beſtanden, davon 3 mit gut. Der Herr Miniſter genehmigte durch Erlaß vom 31. März 1928 U 2 Nr. 5708 die Beſchlüſſe des Prüfungsausſchuſſes.

Am 7. März fand die Entlaſſungsfeier der erſten Reifeſchüler ſtatt. Außer deren Eltern nahmen der Elternbeirat und Vertreter von Kreis und Stadt Uſingen teil. Nachdem der Direktor den ſcheidenden Schülern herzliche Worte des Abſchiedes zugerufen hatte, betonten Herr Landrat v. Campe, Herr Bürgermeiſter Lißmann und Herr Pfarrer Schneider die Bedeutung des Tages für die Anſtalt und das Naſſauer Land und beglückwünſchten die erſten Reife⸗ ſchüler der Chriſtian Wirth⸗Schule.

Am Abend desſelben Tages hatten die Reifeſchüler die Lehrer, Eltern und Kameraden der Oberſtufe zu einer Abſchiedsfeier eingeladen. Ein ſchönes Zeug⸗ nis für den Geiſt der Schule war die an dieſem Abend erfolgte Gründung des Vereins Alter Chriſtianer.

Wie alljährlich zog unſere V. D. A.⸗Gruppe unter der bewährten Führung von Stud.⸗Rat Dr. Eckert zur großen Pfingſttagung des V. D. A, in dieſem Jahre nach der alten Kaiſerſtadt Goslar. Begeiſtert und voll Treue zum großen V. D. A.⸗Gedanken kehrten ſie in die Heimat zurück.

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