Jahrgang 
1930
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Der Regen klatſcht gegen die Fenſter. Wir fühlen uns ſicher und geborgen. Jede Stunde bringt uns der Heimat näher.. Es iſt dunkel geworden. Lichter tauchen auf. Der Zug hält. RKinteln.(Hollmann-Borſum.)

Ein beſonderes Gepräge erhielt in dieſem Jahre die Verfaſſungsfeier dadurch, daß ſie gemein- ſam mit den anderen Schulen von Rinteln unter freiem Himmel abgehalten wurde, eingerahmt von den Reichsjugendwettkämpfen der weiblichen und männlichen Jugend. Chorgeſänge der verſchiedenen Schulen und ein Sprechchor der Volksſchule leiteten die Feier ein; dann ſprach der Direktor des Gymnaſiums von der Weimarer Verfaſſung, indem er der Jugend zum Bewußtſein zu bringen ſuchte, wie dieſe Verfaſſung Gabe und Aufgabe zugleich ſei, daß die Verantwortlichkeit eines Volkes für ſein ſtaatliches Leben Rechte und Pflichten in ſich ſchließe. Er nannte die Namen der Schüler und Schülerinnnen, die die von der Re- gierung geſtiftete Büchergabe erhielten, vom Gymnaſium der Unterprimaner Borſum. Das gemeinſam geſungene Deuſchlandlied beſchloß die Feier. In den Keichsjugendwettkämpfen, die nun folgten, errang den Wanderpreis des Lehrerkollegiums für den beſten klaſſendurchſchnitt die Quinta. Die Ehrenurkunden des Reichspräſidenten erſtritten ſich in Gruppe A: Stöveſandt Ol, Nolting Ol, Vockroth Ol; in B: Buſchmeier Ol, Meyer UII, Wowra Oll, de Pauli UII, Röhr Ul, Seiden- ſtücker Ol; in C: Tünnermann OlIII, Günther UlI, Ulrich von Meien UIIl, Bock OlII, Meyer zur Heide UIII, Schuſter UIll, Gerslav von Meien UIII, Kunze Oll; in D: Deppe IV, Mohme UIIl, Meyer zur Heide OlII, Witt IV, de Pauli IV, Winter IV, Lange OlII, Kalkreuter UIII; in E: Kuhlmann V, Beuke VI, Haaſe V, Tſchierſchke VI, Requardt VI, Börner V, Tellermann V. Eine Reihe weiterer Schüler er- hielt einen Kranz als Siegeszeichen. Höchſtleiſtungen erzielten: Lauf 100 m: Buſchmeier Ol, Wowra Oll, de Pauli UII 13 Sekunden; Lauf 75 m: Deppe IV, Kuhlmann V I1 Sekunden; Springen: Meyer UII, Tünnermann OllII z,z5 m; Kugelſtoßen 7 ¼ kg: Nolting Ol 8,60 m; Kugelſtoßen 5 kg: Tünnermann OllI 10,30 m; Schlagballweitwurf: Beuke VI zo m.

Der äußere Rahmen des Sommerfeſtes war der gleiche wie im Vorjahre: der maleriſch über dem Weſertal bei Vlotho gelegene Amthausberg. Da ein Dampfer zu erſchwinglichen Preiſen nicht zu haben war, mußte ſchon die Hinfahrt im Eiſenbahnzuge erfolgen; dennoch waren etwa 600 Feſtteilnehmer er- ſchienen. Auf den Ablauf des Feſtes hatte ſich diesmal die jugend ein ſtärkeres Mitbeſtimmungsrecht ge- ſichert, das ihr gern eingeräumt war. DerWach-Auf-Chor aus denMeiſterfingern, von der Natur- bühne wuchtig vorgetragen, leitete das Feſt ein; dann ſprach der Direktor von dem Feſte, das ſich die Jugend ſelbſt ausgeſtaltet habe, von der Freude, auf die ſie neben der Arbeit ihren vollen Anſpruch habe, und von der Hoffnung auf die Zukunft, die ſich kein Jugendlicher und keiner, der Jugend zu betreuen habe, nehmen laſſen dürfe. Nochmals ſang der Chor, erſt ernſt, dann heiter; und nun entwickelte ſich auf dem alten Amthausberge ein bunt bewegtes Leben. Jede Klaſſe wollte das Beſte bieten, und alle zuſammen füllten den Rahmen mit bunten Bildern, die echt wirkten, weil ſie der natürliche Geſtaltungsdrang der Ju- gend geſchaffen hatte. Da waren Spielbanden und eine fabelhaft bunte Zirkusgeſellſchaft mit merk- würdigen Tieren, PreisIboxer und eine Zauberhexe, ſelbſt der berühmte AſtronomRatſchi Salef war eigens zum Schulfeſt gekommen. WFer einen breis erſchießen oder erloſen wollte, fand Gelegenheit. Viel zu ſchnell vergingen die Stunden. Bei Einbruch der Dunkelheit war Rinteln wieder erreicht, und nun ging's im Fackelzuge durch die von Buntfeuer erhellten Straßen zum Gymnaſium zurück. Eine große Menſchenmenge folgte. In ſeinerFeuerrede ſchlug der Oberprimaner Rinne noch einmal ernſte Töne an, indem er der Gefallenen gedachte und auf die Aufgaben hinwies, die die Schulgemeinſchaft als Wegbereiterin zur Volksgemeinſchaft zu erfüllen habe. Dann war das Feſt zu Ende.

Einen Einblick in die Arbeit der Schule ſollte die Abendunterhaltung im Winter bieten. Durch das geſprochene Wort in griechiſcher Sprache verſuchte die Ul ein Chorlied aus dem Oedipus zu vermitteln; die Oll ſprach mittelhochdeutſch das Deutſchlandlied von Walther von der Vogelweide. Sogar in engliſcher Sprache führte die Ull ein kleines Luſtſpiel auf. Der Chor ſang verſchiedene Lieder, mit Begleitung des Orcheſters Stücke aus WagnersMeiſterſingern. Das Sötreichorcheſter ſpielte Werke von Händel und Kretſchmer, die Kapelle verſchiedene Märſche, und Schülerinnen des Lyzeums tanzten ein Menuett. Namens der Elternſchaft dankte Schulrat Hollmann für das Gebotene, das gewertet ſein wolle als Frucht enger Zuſammenarbeit zwiſchen Lehrern und Schülern.