lang mit einem ganz unbekannten Menſchen gut unterhalten. Dieſe Beobachtung konnten wir über- all machen. Vor allen Dingen fiel uns die größere Freundlichkeit des Süddeutſchen auf.— Bei uns wäre es ganz unmöglich, daß Damen allein ein Gaſthaus aufſuchen, um etwa ein Glas Bier zu trinken. Dort denkt man ſich nichts dabei, wenn Damen irgendwo einkehren, um ein Glas Aeppelwein zu trinken. So war es auch in unſerm Lokal. Als es ſpäter voller wurde, neue Gäſte kamen, ſetzten ſie ſich an den erſten beſten Tiſch, an dem noch Platz war. Da machte man keinen Unterſchied ob etwa an dem Tiſch ein Arbeiter oder Bürger ſaß. Für uns war das etwas Ungewohntes. Zuerſt konn- ten wir uns nicht recht damit abfinden. Später aber fanden wir es durchaus natürlich.
Auf dem Flugplatz.
Der nächſte Morgen brachte uns eine Beſichtigung des Flugplatzes. Unglücklicher Weiſe hatten wir eine ſchlechte Zeit gewählt. Es war kein großer„Betrieb“. Immerhin waren wir aber auch ſo zu- frieden. Bei einer Taſſe Kaffee konnten wir alles in Ruhe betrachten. Ein Heulen auf dem Dache des Büros kündigt uns das Nahen eines Flugzeuges an. Noch ſehen wir nichts. Plötzlich ein fernes Brummen. Aus dem Nebel ſchält ſich langlam ein Etwas, kommt näher. Ein Flieger. Der Appa- rat dreht, fliegt über unſere Köpfe hinweg, ſetzt auf. Drohend kommt er auf uns zu. Der Sporn pflügt den Boden. Der Motor ſetzt aus, das Flugzeug hält. Beamte eilen herbei. Die Tür öffnet ſich. Fahrgäſte ſteigen aus. Ein Betriebsſtoffwagen kommt ſummend herbei. Ein langer Schlauch wird angelegt, die Uebernahme von Benzin geht vonſtatten. Eine Frau naht mit Eimer und Aufnehmer. Geſchickte Hände prüfen Motor, Steuer, Streben nach. Nichts wird überſehen. Die Flugpolizei kommt. Die Fahrgäſte werden namentlich zum Einſteigen aufgerufen. Der Motor ſpringt an, der Poliziſt gibt ein Zeichen. Knatternd brauſt die Maſchine über das Feld. Fünfzig, hundert Meter weit, ſie kommt hoch. Eine elegante Wendung, ſchon iſt ſie unſeren Blicken entzogen.
Beſonders gut gefällt uns der glänzende Start eines zweiten Fliegers. Schon nach kurzem Anlauf zieht er das Höhenſteuer und kommt ausgezeichnet ab....
In der Fabrik.
Der Nachmittag war wiederum frei. Vorgeſehen war: Beſichtigung eines elektriſchen Werkes und ein Ausflug in den Taunus. Die Teilnahme war freigeſtellt. Da ein Frühſtück im Anſchluß an den Rundgang gegeben werden ſollte, waren plötzlich faſt alle techniſch veranlagt, ſodaß nur wenige die Wanderung in den Taunus antraten.
Nachdem wir uns ins Gäſtebuch eingetragen hatten, übernahmen zwei Betriebsleiter die Führung. Das Werk war eine Spezialfirma für Schaltungen. Durch unendlich lange Arbeitsſäle ging es von Stockwerk zu Stockwerk. Leider hatte es die Führung außerordentlich eilig. So bekamen wir nur einen kleinen Einblick in das überaus intereſſante Arbeitsverfahren. Bei dem herrſchenden Lärm ging außerdem manches Wort verloren. Wir waren auf unſere Phantaſie angewieſen und ſuchten uns die
Vorgänge, ſo gut es eben ging, gegenſeitig zu erklären.
Eine Beobachtung der Menſchen drängte ſich uns durch das verſchiedene Verhalten der Arbeiter und Arbeiterinnen in den einzelnen Abteilungen geradezu auf. In den Räumen der Gießerei war durch fortwährendes Herabſauſen ſchwerer Hämmer ein ungeheurer Lärm. Die dort arbeitenden Männer machten einen traurigen Eindruck. Ihr Blick war ſtumpf, intereſſelos. Noch ſchlimmer war es in der Stanzerei. Die Maſchinen wurden zum großen Teil von älteren Frauen bedient. Sie mußten in einem fort kleine Metallſtücke unter die Hebel halten, die zwiſchen ihren Fingern gebogen und ge- locht wurden. Ihr Blick war bitter, oft ſogar gehäſſig. Freudige Geſichter bemerkten wir nur im Prüfraum und in der Modelltiſchlerei. Das Verhalten der jungen Menſchen in der Lehrlingsabteilung war noch unklar. Unſer oberflächliches Durchwandern der Räume wirkte irgendwie ſtörend auf ſie..
Auf den Spuren der Römer.
... Freudig geſtimmt zogen wir auf der alten Römerſtraße dahin. Ganz unwillkürlich ſprachen wir von Zeiten, da römiſche Legionen hier hauſten. Beſonders die Unterprima war ja über jene Zeiten ut unterrichtet. Wir hatten vor nicht allzulanger Zeit uns eingehend mit Tacitus' Annalen be- hräftigt. Befondere Beachtung hatten wir dem Teil geſchenkt, der ſich ausführlich mit Germanien befaßt. So war es für uns eine beſondere Freude, jene Stätten, von denen wir geleſen hatten, aufzu- ſuchen. Die Zeit des langen Weges verging uns ſo wie im Fluge. Als wir eine neue Anbabe wiman- ſchritten, ſahen wir zwiſchen den Bäumen die Mauern der Burg leuchten. Links und rechts von un- ſerem Wege trafen wir auf kleine Steine, die aus dem Boden herausragten. Es waren Römergräber. Um die Burg nachher in aller Friſche beſichtigen zu können, legten wir eine Kuhepauſe im Schatten
der Bäume ein. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter...


