Jahrgang 
1930
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Am 26. Juni hielt uns Herr Pfarrer Oehlert einen Vortrag über Bosnien, Serbien und Jugoflavien insbeſondere. Auf Grund eigener Anſchauung ſprach er vornehmlich über Sitten und Gebräuche der Be- wohner dieſer Länder und die Not der dort wohnenden Deutſchen.

Am 9. September hörten wir einen Vortrag über das Baltenland.

Danach galt die Arbeit der Gruppe der Vorbereitung der Werbewoche, die vom 15. bis 22. Sep- tember 1929 dauerte. Eine Kärtnergruppe, die mit Fackelzug und Muſik durch die Schulgruppe vom Bahn- hof abgeholt wurde, gab am 21. September im KRatskeller einen ſehr gut beſuchtenKärtnerabend. Am Sonntag, dem 22. September fand ein Platzkonzert im Blumenwall ſtatt. Hierbei wirkten der Evang. Kirchenchor, die Vereinigte Liedertafel und die Kapelle des Gymnaſiums, die ſich wie immer in den Dienſt des Vereins ſtellte, mit. Gleichzeitig wurden im Rahmen einer öffentlichen Straßenſammlung V. D. A-- Blumen und Luftballons verkauft. Als Abſchluß hielt dann noch am Montag, dem 23. September 1929 Dr. Jülg aus Innsbruck einen Vortrag über Südtirol.

Die Werbewoche 1929 hatte folgendes Ergebnis: Die Sammlungen der Schulgruppen des Gymna- ſiums, des Lyzeums und der Volksſchulen des Kreiſes brachten 305o KRM. Dieſe verhältnismäßig ſehr hohe Summe beweiſt, daß der V. D. A.-Gedanke auch in unſerer Stadt immer mehr Platz greift. Rinteln ſtelit mit dem Ergebnis der Sammlung an z. Stelle im Landesverband Heſſen-Naſſau-Waldeck..

Vom 10. bis 12. Oktober 1929 nahm der neue Obmann Borſum an der Obleutetagung in Bensheim an der Bergſtraße teil.

Am 23. Januar fand erſtmalig ein Ausſprachea bend gemeinſam mit der Schulgruppe des Lyzeums ſtatt. Ein ergänzender Vortrag des Schriftführers Wachsmuth über die Bensheimer Tagung und die Be- ſprechung der Ausgeſtaltung einesBunten Abends, die ſchon am 10. Januar 1930 von dem Vorſtand vor- beraten war, füllten den Abend aus.

DieſerBunte Abend fand am Freitag, dem 21. Februar im Ratskeller ſtatt. Er hatte den Zweck, derOſtmarkenſpende der deutſchen Jugend Mittel zuzuführen. Wir konnten dieſer Spende zum Beſten des für uns auf wichtigem Vorpoſten ſtehenden deutſchen Oſtens, der ſchwer um ſeine Exiſtenz ringt, 200 RM. zur Verfügung ſtellen.

Am Montag, dem 10. März 1930 hielt Peters Oll einen Lichtbildervortrag über das Deutſchtum in

Polen. Eine im Rahmen des Hilfswerkes für den deut ſchen Oſten veranſtaltete Bücherſammlung hatte den

Erfolg, daß etwa 200 Bücher, Zeitſchriften und Kalender wertvolles Gut zur Erhaltung des deutſchen Geiſteslebens und Volkstums im Ausland geſtiftet wurden.

DerVerein für Einheitskurzſchrift, im Vorjahre gegründet, ſcheint noch nicht recht lebensfähig. Wohl wurden einzelne Uebungsſtunden im Schnellſchreiben abgehalten, aber das Inter- eſſe blieb nicht gleichmäßig wach. Die Mitgliederzahl, etwa z0, ſank gegen Ende des Jahres auf 13. Eine Bezirkstagung, die in Rinteln ſtattfinden ſollte, mußte abgeſagt werden. Es iſt zu hoffen, daß der Anfänger- lehrgang des abgelaufenen Jahres dem Verein neue Mitglieder zuführt. Als Grundſtock zu einer Bücherei des Vereins ſtiftete der Direktor eine Anzahl Bücher.

Mehr Lebenskraft entfaltete die Schachgruppe; meiſt Primaner, die im Winter an jedem Sonn- abend ſpielten. Herr Studienrat Orlopp und Herr Bankdirektor Lenzberg als Gaſt bildeten eine Anzahl tüchtiger Spieler heran. Wir ſind Herrn Lenzberg für ſein reges Intereſſe, das er durch ſeine Teilnahme an den Spielnachmittagen bewieſen hat, aufrichtig dankbar.

Die Turnſpiele fanden am Mittwoch auf dem Steinanger ſtatt; wenn geſpielt wurde, war der

Nachmittag aufgabenfrei. Wanderungen wurden nur im erſten und letzten Vierteljahr unternommen; im zweiten

herrſchte an ſich reger Sportbetrieb: Reichsjugendwettkämpfe, Schwimmen; außerdem erforderte die Vor- bereitung des Sommerfeſtes Zeit und Kraft. Das 3. Vierteljahr wurde uns durch die Verlängerung der Herbſtferien ſtark verkürzt.

Nur die Oberklaſſen benutzten die Herbſttage zu mehrtägigen Wanderfahrten in Großſtädte und ihre Umgebung; der durch die ländliche Umwelt beengte Blick des Kleinſtädters follte ſich an den ganz anders gearteten wirtſchaftlichen, ſozialen und kulturellen Verhältniſſen weiten, die ihm hier entgegentra- ten...