Jahrgang 
1927
Einzelbild herunterladen

10

lebendiges Verhältnis zu diesen zu bringen und ihnen Einblick in die Gestaltungsprobleme aller Art zu verschaffen. In gröbßeren, Lichtbildervorträgen wurden außerdem im An- schluß an den kulturkundlichen Unterricht der oberen Klassen und in Zusammenarbeit mit den Fachlehrern die einzelnen Zeitalter behandelt, wie sie in der Kunst ihren Aus- druck finden.

Im freiwilligen Werkunterricht suchte sich eine Anzahl Schüler weitere Kennt- nisse und Fertigkeiten in der Buchbinderei anzueignen. Dies geschah umso freudiger, da alle notwendigen Materialien zur Verfügung gestellt wurden.

b) Musik: Die Klassen VI und V hatten wöchentlich je 2 Stunden Musikunterricht, die teils zu theoretischer Unterweisung, überwiegend aber zur Pflege des Gesanges genutzt wurden. Für den Musikunterricht der Klassen IV Ol standen 2 Wochenstunden zur Verfügung, die eine für die Prima, die andere für die Sekunda und Obertertia bis Quarta in vierzehntägigem Wechsel. Ein großer Teil der Musikstunden mußte dazu verwandt wer- den, um in die Kenntnis der Noten und der einfachsten musikalischen Beziehungen einzu- führen, da die Zahl der Schüler, die von Hause aus Musik pflegen, verhältnismäßig gering war. In der Prima konnte auch einiges aus der Musikgeschichte und der musikalischen Formenlehre behandelt werden. Schüler der Prima trugen im Einzelgesang Lieder und Bal- laden von Schubert, Schumann und Löwe vor.

Die Betätigung des Chors litt außerordentlich unter dem Mangel an Oberstimmen (Sopran und Alt), eine Folge der IIberalterung in den mittleren Klassen. Gelegentlich wur- den mit Erfolg Quintaner zur Verstärkung herangezogen. Die tiefen Stimmen der Mittel- stufe konnten nur in besonders angesetzten Stunden ausgebildet werden. Der Chor übte Lieder und Gesänge von Joh. Seb. Bach, Mozart, Beethoven, Schubert und Rich. Wagner.

Der Musikkursus vereinigte in einer Wochenstunde 7 Ober- und 1 Unterprimaner. Ein bestimmtes musikgeschichtliches oder-wissenschaftliches Werk wurde nicht durchgearbeitet, statt dessen wurde Wert darauf gelegt, durch häufiges Singen, auch vom Blatt, die unmittelbare Umsetzung der Notenschrift in Musik zu fördern und das allgemeine musikalische Verständ- nis zu entwickeln. Ein kleiner ausgewählter Chor wurde gebildet, in dem Damen des Kirchen- chors und Schülerinnen des Lyzeums die Oberstimmen sangen; ihnen sei auch an dieser Stelle der Dank der Schule ausgesprochen. Es ist geplant, diesen Chor auch in Zukunft beizubehalten und weiterzupflegen, falls die hinreichende Stimmenzahl zusammenkommt.

Das Orchesterspiel, das unter Leitung des Herrn Kammervirtuos von Fossard steht, ist mit einer wöchentlich zweimaligen UIbungsstunde nunmehr fest in den Unterrichts- plan eingebaut. Bei mannigfachen Gelegenheiten hat das Streichorchester bereits Proben seines Könnens gezeigt, so bei einer Veranstaltung des Gymnasialturnvereins, bei der Weih- nachtsfeier der Schule, bei der Pestalozzifeier und in einem besonderen Kirchenkonzert in der Reformierten Kirche. Der Ubungsstoff war dem technischen Können der Schüler angepabt. Außzer schlichten Stücken getragenen Charakters wurden unter Hinzuziehung von Bläsern zwei Sätze der G-dur-Symphonie von Haydn gespielt. Das Streichorchester zählte 6 erste, 7 zweite Geigen, 2 Bratschen, 2 Celli und 1 Kontrabaß.

Der weiteren Ausbildung der Schülerkapelle, sowie der Trommler und Pfeifer war eine wöchentliche UÜbungsstunde gewidmet. Die unermüdliche Arbeit des Herrn Studien- assessor Küster namentlich vor dem Sommerfeste erreichte es, daß das Gymnasium mit seiner eigenen Musik auftreten konnte.