Verfügung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiumsvom 25. 1. 1908 S. 595. Das Kgl. Provinzial-Schulkollegium wird durch Ministerial-Erlass vom 13. 12. 1907 U II Nr. 13580 ermäcatigt, den in den Lehrplänen von 1901 vorgesehenen Tausch des franzö- sischen und englischen Unterrichts an den Gymnasien selbständig zu gestatten.
III. Schulgeschichte.
Das Schuljahr wurde Dienstag, 9. April in üblicher Weise eröffnet, indem der Direktor nach der gemeinsamen Morgenandacht vor den versammelten Schülern die Schul- ordnung verlass und erläuterte und die am Tage vorher geprüften 20 Schüler durch Hand- schlag auf ihre Befolgung verpflichtete und in den Verband der Schule aufnahm. Hierbei stellte er den Schülern den neueintretenden Probekandidaten Dr. Reitz“*) vor, der vom Königl. Provinzial-Schulkollegium der Anstalt zur Ableistung seines Probejahrs und zur Aushülfe im Unterricht überwiesen worden war, und den zweiten lutherischen Stadt- pfarrer Trusheim*), der die Erteilung von 8 Stunden lateinischen Unterrichts in Quinta freundlichst übernommen hatte. Diese Aussilfe war nötig geworden durch den plötzlichen Abgang des Hülfslehrers Dr. Wagner, der während der Osterferien eine Oberlehrerstelle an dem Realgymnasium in Goldap in Ostpr. angenommen und sofort angetreten hatte.
Die auch schon Ostern 1906 gebotene völlige unterrichtliche Trennung der Unter- und Oberprima machte es bei dem Mangel an Räumlichkeiten in dem Gym- nasialgebäude wieder notwendig, eine Klasse, die Sexta, in dem nahegelegenen Kreishause unterzubringen, in dem der Herr Landrat von Ditfurth das bisherige grosse Zimmer uns auch für das neue Schuljahr mit dankenswerter Freundlichkeit überliess.
Die steigende Zahl der Schüler, sowie der gänzliche Mangel mancher notwendiger Räumlichkeiten(Zeichensaal, Zimmer für Naturaliensammlung) oder das völlig Unzu-
*) Hans Reitz, geb 4. 8. 1882 zu Frankfurt a. M., evangel., besuchte die Klinger-Oberrealschule seiner Vaterstadt und studierte zu Giessen von 1901— 1903 Chemie, Mineralogie und Mathematik. Nach abge- legter Verbandsprüfung für Chemiker promovierte er zu Erlangen am 16. 12. 1904 auf Grund einer Dissertation: Uber das Verhalten von Mono- und Polyhalogenorganomagnesiumverbindungen zu den Alkaloidderivaten Cotarnin und Hydrastinin. Von Ostern 1905— 1906 war er Unterrichtsassistent am Pharm. chemischen Universitäts- institut zu Königsberg in Ostpr. Am 16. 12. 1906 bestand er die Staatsprüfung für das höhere Lehramt. Von Ostern 1906— 1907 Mitglied des Paedag. Seminars zu Insterburg in Pr., versah er gleichzeitig im Sommer eine Oberlehrerstelle an der Oberrealschule zu Allenstein und im Winter am Königl. Gymnasium zu Rastenburg (Ostpr.). Ostern 1907 wurde er dem Königl. Gymnasium zu Rinteln zur Ableistung seines Probejahrs und zur Aushülfe im Unterrichte zugewiesen.
**) Heinrich Trusheim, geb. am 16. 8. 1874 zu Wennenkamp, ev. lutherisch, besuchte das Königl. Gymnasium zu Rinteln und studierte von 1894— 1890 mit Unterbrechung eines Jahres(infolge schwerer Krankheit) zu Marburg Theologie. Im Sommer 189090 bestand er die erste theolog. Prüfung zu Marburg und das sog. Tentamen zu Kassel. Vom 1. 10. 18900 bis 1900 genügte er seiner Militärpflicht im 7. Jägerbataillon zu Bückeburg. Im Jahre 1901 Hauslehrer in Uelzen, bestand er Ostern 1902 die 2. theol. Prüfung pro mini- sterio zu Kassel. Darauf verbrachte er 1 ½ Jahre im Prediger-Seminar zu Hofgeismar. Am 30. 8. 1903 or- diniert, versah er eine Hülfspfarrei an St. Paul zu Frankfurt a. M. Am 1. 12. 1904 wurde ihm die Hälfs- pfarrei der luth. Gemeinde zu Rinteln übertragen.


