Wegen zu großer Hitze mußte der Nachmittagsunterricht am 31. Mai, 10. Juni, 22. und 23. Auguſt ausfallen.
Die ſchriftliche Reifeprüfung für den Michaelistermin wurde vom 12. bis 16. Auguſt, die mündliche unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schulrats Dr. Pähler aus Kaſſel am 24. September abgehalten. Die 3 Oberprimaner, welche ſich der Prüfung unterzogen, beſtanden, einer davon mit gänzlicher Befreiung von der mündlichen Prüfung.
Am 23. September, dem Tage vor der mündlichen Reifeprüfung, beehrte der Herr Provinzial⸗Schulrat Dr. Pähler den Unterricht der gerade anweſenden Lehrer mit ſeinem Beſuch und gab manche fördernde Winke für die Unterrichtsmethode.
Zur Vorfeier der 25. Wiederkehr des Sedantages veranſtaltete die Schule am 31. Auguſt im großen Rathausſaale eine von den Eltern und Angehörigen der Schüler ſowie von ſonſtigen Einwohnern der Stadt und Umgegend ganz außerordentlich zahlreich beſuchte und ſehr beifällig aufge⸗ nommene Aufführung“*) von Thouret⸗Cebrians Feſtſpiel„Am Kyffhäuſer“ verbunden mit dem Vortrag von Gedichten über die Schlachten bei Wörth, Metz und beſonders Sedan(aus H. Borcks „Deutſchlands große Jahre“). Sonntag den 1. September begann die Schule die öffentliche Feier des vaterländiſchen Feſtes damit, daß die Schülerkapelle früh morgens zum Weckruf die Straßen der Stadt durchzog und dann vom Turm der lutheriſchen Kirche den Choral„Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ ſowie„Die Wacht am Rhein“ und„Heil dir im Siegerkranz“ blies. Darauf beteiligten ſich die Lehrer und Schüler der Anſtalt an dem Feſtgottesdienſt in der lutheriſchen Kirche und im Anſchluß daran an dem großen Feſtzug, der zur Feier des großen Sieges durch die Straßen der Stadt zum Kriegerdenkmal zog, an dem der Bürgermeiſter der Stadt Herr Oberſtlieutenant a. D. Gärtner die Feſtrede hielt. Den 2. September ſelbſt feierte die Schule wie ſonſt durch einen Schulakt mit Schriftlektion, Geſang und Deklamationen. Hierbei verglich der Ober⸗Primaner und primus omnium Friedrich Hohmeier in einem Redeverſuch das alte Deutſche Reich mit dem neuen Deutſchen Reich. Nachmittags machten die Klaſſen unter Führung ihrer Lehrer Spaziergänge nach den ſchönſten Punkten der Umgegend.
Die Herbſtferien dauerten vom 30. September bis zum 14. Oktober.
Am 31. Oktober beging die Schule in herkömmlicher Weiſe den Reformations⸗ und Stiftungstag der Anſtalt.
Die gemeinſame Abendmahlsfeier von Lehrern und Schülern der Anſtalt fand Sonn⸗ tag den 3. November in der reformierten Kirche ſtatt.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember 1895 bis zum 7. Januar 1896. Am 18. Januar, dem Tage der 25jährigen Gedenkfeier der Wiederaufrichtung des Deutſchen Reichs, veranſtaltete morgens die Schülerkapelle wieder durch die Straßen der Stadt einen Weckruf und blies dann vom Turm der lutheriſchen Kirche Choräle und potriotiſche Lieder. Um 10 Uhr legten die Herren Ordinarien in ihren Klaſſen in geeigneten Anſprachen ihren Schülern
*) Der Reinertrag der Aufführung, 137,35 ℳ, ſoll ſpäter zur Ausſchmückung der Aula verwandt werden.


