Jahrgang 
1896
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die Bedeutung des Tages dar; hierauf fand die gemeinſame Feier in der Aula ſtatt mit Schrift⸗ lektion, dem Vortrag von Geſängen durch den Schülerchor und von Gedichten*) durch einzelne Schüler. Insbeſondere hielten drei Unterprimaner nach Gieſebrechts Kaiſergeſchichte und Lindners Krieg gegen Frankreich Vorträge über die Errichtung des römiſchen Reichs deutſcher Nation durch Karl den Großen, die Errichtung des alten Deutſchen Reichs durch Otto den Großen und die Wiederaufrichtung des Deutſchen Reichs durch Wilhelm I. den Großen.

Am 27. Januar vormittags fand in der Aula ein ſehr zahlreich beſuchter Schulakt zur Feier des Allerhöchſten Geburtstags Sr. Maj. des Kaiſers und Königs ſtatt mit Schriftlektion, Deklamationen und Geſangsvorträgen der Schüler. Die Feſtrede hielt der Profeſſor Berlit über das Leben der Landgräfin von Heſſen, Amalie Eliſabeth. Die Schülerkapelle hatte abends vorher die Straßen der Stadt zum Zapfenſtreich durchzogen und am 27. Januar morgens mehrere Choräle vom Turm der lutheriſchen Kirche geblaſen.

Am 10. Februar entſchlief nach kurzem Leiden der Prorektor und Oberlehrer a. D. Dr. Hugo Suchier, welcher einſt ſelbſt als Schüler das Königliche Gymnaſium beſucht und dann in den Jahren 1850 und 1851 als beauftragter Lehrer und ſpäter von Oſtern 1859 bis Michaelis 1889 als Lehrer und Oberlehrer an unſerer Schule mit hingebender Treue gewirkt hatte. Am 14. Februar geleiteten die Lehrer und Schüler den Entſchlafenen zu ſeiner letzten Ruheſtätte.

Die ſchriftliche Reifeprüfung für den Oſtertermin wurde vom 3. bis 7. Februar mit 9 Ober⸗Primanern und 3 zu dieſem Zwecke vom Königlichen Provinzial⸗Schulkollegium zu Kaſſel zugewieſenen Aſpiranten abgehalten, welche ſich durch Privatunterricht zu Marburg, Wiesbaden und Hannover(Gildemeiſters Inſtitut) dazu vorbereitet hatten. Die mündliche Reifeprüfung der

*) Ein Sekundaner trug hierbei Fr. Rückerts Straßburger Tanne mit einem Epilog vor, den der Dichter Wilhelm Fiſcher zu Bückeburg auf Veranlaſſung des Direktors für dieſen Tag verfaßt hatte. Da beide Gedichte für ſolche Feſtfeiern beſonders geeignet ſcheinen, ſo möge der Epilog an dieſer Stelle ver⸗ öffentlicht werden:

Es hat gekracht! Erfahren Ein deutſcher Kaiſer ſchaltet Ein fürſtlich Heim bereitet Hat ſtaunend alle Welt Und waltet wieder hier, Ward deutſcher Wiſſenſchaft; In ſturmgewalt'gen Jahren, Sein ſtarker Arm entfaltet Durch tauſend Adern gleitet Wie Gott uns Treue hält, Des Friedens licht Panier; Lebendig deutſche Kraft;

Der mit des Blitzes Flamme Zu Straßburg ragt am Staden Von Turm und Mauer rauſchen Zerſprengt das wälſche Band. Die neue Kaiſerpfalz, Die Banner ſchwarzweißrot; Vom Rhein zum Wasgaukamme Und Niedecks Wälder laden Die Allemannen lauſchen Iſt wieder Deutſch das Land! Den Herrn zur Zeit der Balz. Nicht mehr auf wälſch Gebot. Und ob mit Trotzgebärden Drum nickt und rauſcht, ihr Tannen

Noch abſeits viele ſtehn Im Bergforſt hoch und frei!

Auch das iſt deutſch! Sie werden Drum jubelt, deutſche Mannen,

In uns ſchon Brüder ſehn. Und fromm gelobt dabei:

Den Lack nur abgerieben So lang die Berge ragen,

Vom edlen Eichenholz! So lang noch fließt der Rhein,

Der Kern iſt deutſch geblieben, Soll, wie in Rotbarts Tagen,

Und das wird noch ihr Stolz. Dies Elſaß unſer ſein!

Wilhelm Fiſcher.