— 11—
III. Chronik der Schule.
Montag den 10. April 1893 fand die Prüfung der neu eintretenden Schüler ſtatt und am folgenden Tage vormittags 7 ½ Uhr wurde das Schuljahr in üblicher Weiſe eröffnet.
Der Oberlehrer Miedzychodzki, welcher ſchon zu Anfang März neuerdings ſchwer erkrankt war(ſ. Progr. v. 1892 S. 14), konnte ſeine Thätigkeit nicht wieder aufnehmen; am 17. April erlag er ſeinen Leiden. Mit der Übernahme ſeiner Lehrſtunden wurde der Hülfslehrer Gutheil beauftragt.
Am 15. Mai unternahmen alle Klaſſen unter Führung ihrer Lehrer Turnfahrten mit dem Hauptziel Bückeburg, wo ſie gelegentlich der Beiſetzung des Fürſten von Schaumburg⸗Lippe unſeren geliebten Kaiſer ſehen konnten.
Die Pfingſtferien dauerten vom 21. bis 24. Mai.
Gleich nach denſelben verlor die Anſtalt einen Lehrer, welcher ſeit 5 Jahren mit uner⸗ müdlicher Treue und reichem Erfolg an derſelben gewirkt hatte, indem dem Profeſſor Dr. Steiger, nachdem derſelbe von Sr. Majeſtät zum Königlichen Gymnaſialdirektor ernannt worden war, von dem Herrn Miniſter das Direktorat des Königl. Gymnaſiums zu Stade vom 1. Juni ab über⸗ tragen wurde. So ungern wir ihn ſcheiden ſahen, ſo freuten wir uns doch herzlich über die An⸗ erkennung, die ſeinem Wirken durch dieſe Beförderung zuteil wurde.
Mit Verſehung der dadurch erledigten Lehrerſtelle wurde der Hülfslehrer Dr. Otto vom Königl. Realgymnaſium zu Wiesbaden beauftragt.
Die Sommerferien dauerten vom 2. bis zum 31. Juli.
Die Sedanfeier wurde am 2. September durch einen Feſtaktus begangen, bei dem der primus omnium Ernſt Meyer aus Rinteln die Feſtrede hielt. Am folgenden Tage beteiligte ſich auf Einladung des betr. Komites die Anſtalt an dem Feſtzug zur Einweihung des auf dem ſog. Blumenwall neu errichteten Kriegerdenkmals.
Am 8. September ſtarb nach längerem Leiden im elterlichen Hauſe ein braver Schüler der Anſtalt, der Oberprimaner Wilhelm Aßmann aus Hattendorf. Der Direktor und einige ſeiner Lehrer ſowie die Schüler der Prima gaben ihm am 11. September das letzte Geleite.
Mit dem Ende des Sommerhalbjahres erloſch die Beauftragung der Hülfslehrer Dr. Otto und Gutheil; jener ging nach Wiesbaden zurück, dieſer blieb weiter zu unentgeltlicher Beſchäf⸗ tigung an der Anſtalt.
Die Michaelisferien dauerten vom 25. September bis zum 7. Oktober.
Mit Beginn des Winterhalbjahres traten zwei neue Lehrer an der Anſtalt ein, Ober⸗ lehrer Dr. Wolſchti) bisher am Königl. Realprogymnaſium zu Biedenkopf und Oberlehrer Zobel“), bisher am Königl. Realgymnaſium zu Wiesbaden.
²) Emil Wolſcht, geboren am 9 Mai 1857 zu Magdeburg, beſuchte das dortige Gymnaſium zum Kloſter U. L. Frauen und ſtudirte in Heidelberg, Leipzig und Marburg klaſſiſche Philologie. Nachdem er im Herbſt 1881


