wies hin auf die Steigerung des Bildungsbe- dürfnisses, die sich nach dem Kriege in Deutsch- land zeige, und auf die Notwendigkeit, den Bil- dungsstand unseres Volkes zu bewahren: Be- sonders um der minderbemittelten Sfände wil- len müßten die höheren Schulen erhalten blei- ben. So schloß er mit der Hoffnung und dem Wunsche, daß auch Oberlahnstein sich durch die Not der Zeit nicht die Kraft und den Mut rau- ben lasse, seine höhere Schule, die einsichtiger Bürgersinn einstmals geschaffen habe, aufrecht zu erhalten und als ein ungeschmälerfes Erbe an die kommenden GCeschlechter weiter zu ge- ben.
Ein von den Studienassessoren Ruppel und Temborlus vorgetragenes Klavierstiiück, der Ge- sang des niederländischen Dankgebetes durch den Schülerchor und ein Marsch des Orchesters beendigten die Feier.
Am Nachmiffag bot ein von Zeichenlehrer Klein vorbereitetes und geleitetes Schauturnen auf dem Schulhofe den zahlreichen Zuschauern ein Bild des turnerischen Könnens der Schiller. Auf zwei Schwedenstaffeln, die in den anlie- genden Straßen gelaufen wurden, folgten Frei- übungen und danach Vorführungen an Reck, Barren, Pferd, im Weit- und Hochsprung und im Kugelstoßen. Die Staffel der Oberstufe lief 1000 Meter in zwei Minuten 22 Sekunden, im Weitsprung wurden 5,25 Meter, im Hochsprung 1,65 Meter erreicht.
Von den Leistungen der Schüler im Zeichnen gaben Proben ihre Arbeiten, die von Herrn Klein in übersichtlicher Anordnung während der drei Festfage im Zeichensaal ausgestellt wa- ren.
Das Ende des 28. Mai bildete der Festabend im schön geschmückten Turnerheim. Unter der gewandten Leitung des Studienrats Dr. Kirch- gäßner wickelte sich in flottem Gange eine reiche Folge von Ansprachen, gemeinsamen Liedern, Musikstücken und Einzelgesangsvor- trägen der Herren I. Poft und Jos. Becker ab, durch die die zahlreichen Gäste bis zu später Stunde in bester Stimmung gehalten wurden. Das Kernstücdk war die von Dr. Kirchgäßner vorbereifete Aufführung des Peter Squenz, der derben Komödie des Andreas GCryphius. Die Darsteller, Primaner und Obersekundaner,
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wurden allesamt ihren Rollen völlig gerecht. Zur Verschönerung des Abends trugen wieder besonders die hochwertigen Darbietungen des aus früheren Schülern bestehenden Orchesters bei.
Am Morgen des 290. Mai wurde in der katho- lischen Pfarrkirche ein feierliches Seelenamt für die verstorbenen Lehrer und Schiiler gehal- ten..
Im engeren Kreise der Schule fanden Feiern statt: am 12. Mai 1925, dem Tag der Amtsüber- nahme durch den Reichspräsidenten Feldmar- schall v. Hindenburg, am 20. Juni wegen der 1000 jährigen Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutfschen Reiche, am 17. Juli, dem leßten Schul- tage vor den Sommerferien, die Feier des Ver- ſassungstages, am 27. Februar 1926, dem Vor- tage des Volksftrauertfages für die gefallenen Helden, und am 25. März zur Entlassung der Abiturienten. Bei der Reichspräsidentenfeier hielt Studienrat Dr. Kirchgäßner, der Rheinland- feier Studienrat Nicolavy, der Verfassungsfeier Gymnasiallehrer Braß, der Volkstrauerfeier Sfu- dienrat Jung die Ansprache, bei der Entlassung
der Reifeprüflinge sprachen Abiturient Eduard
Lehmler und der Direktor.
Am 4. September 1925 verschied im Alter von 75 Jahren der Geheime Studienrat Wilhelm Schlaadt, nach langem Leiden, das ihn auch von unserer Fünfzigjahrfeier ferngehalten hatffe. Von April 1800 bis Herbst 1920 hafte er unsere Schule geleitet. Sein Werk war ihr Ausbau vom Realprogvymnasium zur Voll- und Doppel- anstalt. Ein Mann von lauterem Charakter, rei- chem Wissen, vcorbildlicher Pflichttreue und trefflicher Erzichungsgabe, hat er sich unver- gängliche Verdienste um unsere Schule erwor- ben und seinen Namen für immer mit ihr ver- kniüpft. Die Beerdigung, an der die ganze Schule teilnahm, fand am 7. September statt. Studienrat Schlitt, der Senior des Kollegiums, der 18 jahre mit dem Verewigten zusammen gearbeifet hatte, widmete ihm am Grabe einen herzlichen Nachruf.


