feierfage feslgeseßten Sechshundertjahrfeier Oberlahnsteins, zu der die Bürger bereits SIra- Ben und Fläuser frohgestimmten Herzens schmücklen. Zugleich bildete unser Schulfest eine Einleitung zu dem ersten Studienerinne- rungsfeste des jungen Vereins ehemaliger Schu- ler unseres Gymnasiums, der in denselben Pfingsttagen seine Mitglieder von nah und tern zu frohem Wiedersehen an der einsligen Stu- dienstätte vereinigte.
Am Vorabend unseres Fesies, dem 27. Mai, irafen sich die Teilnehmer zu zwangloser Ge- selligkeit im Gasthof Eltgen, wo unter Musik- vorfrägen und gemeinsamen Liedern einige Stunden angenehm vergingen.
Der eigentliche Festtag, der 23. Mai, wurde mit feierlichen Goltesdiensten in der katholi- schen und evangelischen Pfarrkirche eröffnel. In ihren Festpredigten würdigien Studienrat und kathol. Religionslehrer Jjung und evange- lischer Pfarrer Mencke die Bedeutmg des Ta- ges.
Um 10 Uhr empfing das unter der Leitung des Zeichenlehrers Klein reichgeschrnückte Gymna- siumsgebäude die geladenen Gäste, darunter eine große Zahl früherer Schüler, Ellern und Angehõrige der Schüler und Freunde der Anstalt, zur Schulfeier. Unsere schöne Aula war dicht gefüllt mit Gästen, Schülern und Lehrern. Die Festouverture von C. M. v. Webcer, gespielf von dem trefflichen Streichorchester, zu dem sich frühere Schiiler der Anstalt vereinigt hatften, da- nach ein von Studienassessor Temborius ge- dichteter und von dem Unterprimaner Meffert vorgefragener Vorspruch und das Lied„Ich bete an die Macht der Liebe“, das der von der si- cheren Hand des Herrn Braß geleitete Schiler- chor ausdrucksvoll sang, leiteten die Feier würdig ein. Dann entboten der Schule Gruße und Wünsche Herr Bürgermeister Dr. Weber im Namen der Stadtverwaltung, Herr Oberregie- rungsrat Liese für die Regierung in Wiesbaden, Herr Oberstudiendirektor Dr. jöris aus Lim- burg für die benachbarten höheren Lehranstal- ien, Hetr Reklor Ruckes für die Oberlahnsteiner Volksschulen, und Herr Dr. Schnell für den Ver- ein ehemaliger Schiiler des Gymnasiums, der bei dieser Gelegenheit der Schule als Grund-
stock zur Beschaffung eines Klaviers 250 M. schenkte.
In seiner Festrede ging der Direktor von dem Widerspruche aus, der zwischen der trüben Zeit- lage und den Feiern der Schule, der Stadt, des Rheinlandes zu besiehen schiene. Aber diese seien doch berechiigt; bekundetfen sie doch die Hoffnung und den Willen unseres Volkes, in stolzer Erinnerung an das, was die Väter ge- schaffen hätten, dem Schicksal zu froßen und in treuer Gemeinschaft sich wieder aufzurich- ten. Er dankte dann der Behörde, deren Vor- stand, Oberpräsident Dr. Schwander schriftlich dem Magistrat und der Lehrerschaft gute Wün- sche für die Zukunft der Schule ausgesprochen hatte, ferner den Vorrednern, endlich allen An- wesenden und den vielen, die aus der Ferne Grüße und Glückwünsche gesandt hatften, dar- unter der verdiente ehemalige Direktor der Schule, Dr. Simon Widmann. Darauf gab er einen Ueberblick über die Geschichte der Schule. Hervorgegangen ist sie aus einer von Kaplan Anton Abt im jahre 1870 gegründeiten privaten Rektoratschule. Drei Jahre später wurde diese unter dem Bürgermeister Reusch, dem die Schule überhaupf viel verdankt, von der Stadt als höhere Bürgerschule übernommen und ge- dieh weiter unter ihrem ersten Leiter und seinen nächsten Nachfolgern, den Direktoren Dr. Ru- dolf Wirsel und Dr. Simon Widmann, durch- schnifflich von 120 Schillern besucht und seit 1882 Realprogymmasium benannt. Marksteine in ihrer weileren Eniwicklung waren die jahrelang von Direktor Widmann betriebene Errichtung des neuen schönen Schulgebäudes, das im Ok- ſober 1807 bezogen wurde, und der Ausbau zu einer Voll- und Doppelanstalt, der von Wid- mann begonnen und von seinem Nachfolger, Direktor Schlaadt, im Frühjahr 1005 vollendet wurde. Mit Trauer und Stolz gedenkt die Schule der zwei Lehrer und 22 Schüler, die im Welt- kriege gefallen sind, ihre Namen bewahrt die Ehrentafel im Treppenaufgange. Herbst 1920 üibergab Geheimrat Schlaadt die Leitung Pro- fessor Bodewig, der sie bis Mai 1922 behielt.
Nachdem der Redner auch der einzelnen Lehrer, die an der Schule wirkten, und der Mit- glieder des Kuratoriums gedacht hatfte, wandte er sich der Zukunft des Gymnasiums zu. Er


