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Besonders heben wir das Verdienst unseres Physiklehrers, des Herrn Oberlehrers Dr. Kübel hervor, der auch in diesem Jahre eine sehr grosse Anzahl von Apparaten aus allen Gebieten der Physik selbst angefertigt und sie als Geschenk unserer physikalischen Sammlung einverleibt hat. Auf der Dreh- und Hobelbank hergestellt, halten diese oft umfangreichen Apparate den Vergleich mit den käuflichen Erzeugnissen erster Firmen unbedingt aus. Schon viele Hunderte von Mark hat Herr Dr. Kübel auf diese Weise in den letzten Jahren unserer Kasse erspart.
Abgesehen von der Gediegenheit des Stoffes ist von ihm bewusster Wert auf gefälliges Aussere und peinliche Genauigkeit gelegt, zwei Punkte, die sonst bei eigener Herstellung erfahrungs- gemäss nicht selten zu kurz kommen. Bei allem Wert, den Freihandversuche in der Hand des Schülers haben, will dieser doch nicht jahraus jahrein nur Apparate aus Glas, Siegellack und Kork vorgeführt sehen. Sein Interesse würde dadurch ebenso leicht abgestumpft werden, wie durch die leider immer noch nicht völlig überwundene sog.„Kreide- und Schwammphysik.“
„Nicht im Frieden, wohl aber in ernster, grosser Zeit, mitten im gewaltigen Ringen, mitten in siegesfrohem Kampfe wird das deutsche Volk des grossen Mannes gedenken, der ihm vor hundert Jahren geschenkt wurde.
„Wohl verbietet sich laute Feier, aber mit Stolz dürfen wir gerade in diesen Tagen, wo es gilt, das Werk Bismarcks gegen eine Welt voll Neid, Unkenntnis und Unwahrheit Eriolareich zu verteidigen, uns des Reiches freuen und semem Schöpfer dankbar huldigen.
„Auch die heranwachsende Jugend soll in der Gemeinschaft der Schule in ernster Feier auf die Bedeutung des Tages hingewiesen werden“(Verfüg. Grossh. Min. d. I. I. vom 12. 2. 1915). Der letzte Schultag vor den Osterferien wird dem Andenken des Altreichs- kanzlers gewidmet werden. Herr Professor Dr. Reeb wird zu der versammelten Schulgemeinde sprechen.
Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Seiner Königlich en Hoheit des Grossherzogs wurden durch Ansprachen, Chorgesänge, Schülervorträge und musikalische Darbietungen gefeiert.
Am 25. November hielt der Direktor folgende Ansprache:
Liebe Schüler! Der Wiederbeginn des Unterrichts Mitte August fand unter dem Eindruck ungeahnter und unerhörter Ereignisse statt. Ein Weltkrieg war ausgebrochen, in dessen Mittel- punkt unser Vaterland steht. Ein hasserfüllter Gegner nach dem andern trat gegen uns in den Kriegszustand ein; man hatte das Gefühl, als ob alle Teufel der Hölle sich verschworen hätten, Deutschland für immer zu vernichten.
Mit einem Schlage waren allen denen, die noch ein Vertrauen zu dem Volke jenseits des Kanals hatten, die Augen aufgegangen. Zum erstenmal zeigte es sein ungeschminktes, neid- fahles, höhnisches Gesicht in seiner ganzen Abscheulichkeit.
„Viel Feind', viel Ehr'“ sagte der König von Bayern und so ist es. Rasch mussten wir uns fassen. Unbeirrt stimmte Deutschland in den Ruf Seiner Majestät des Kaiser ein, der da lautete: Auf, durch Not und Tod zum Sieg! Alle Schichten des vielgegliederten Volkes waren einmütig: die erste Enttäuschung für unsere Feinde.
Mit Demut erkannte das deutsche Volk seinen Beruf, ein Werkzeug zu sein in der Hand des Allmächtigen, und aus dieser Erkenntnis erwuchs und erwächst noch fort und fort eine un- begrenzte Kraft. Die Ruhe und Sicherheit, die Begeisterung und Zuversicht, mit der die Söhne der deutschen Gaue zu den Waffen eilten, war erhebend in des Wortes edelster Bedeutung. Ihr dürfet euch glücklich preisen, liebe Schüler, noch jung zu sein und die Erinnerung an dieses grossartige Schauspiel noch lange geniessen zu können. Möge der unvergleichlich eigenartige Ton der herrlichen Lieder unserer sangesfrohen Mannschaften nie aus eueren Ohren und Herzen verhallen und möge er allein schon euch die Kraft geben, im späteren Ernstfall euch euerer Väter würdig zu erweisen.


