— 12 die sich als besonders tüchtige Krankenträger erwiesen haben, aus dem Unterricht auf einige Stunden entlassen, so oft die Ankunft von Verwundeten auf dem Hauptbahnhof angekündigt ist.
Der hohe Wert der Bestrebungen des Hessischen Landesverbandes„Jungdeutsch- land“ fand bei unserer Jugend ebenfalls viel Anklang. Zahlreiche Schüler, die das 16. Lebensjahr zurückgelegt, traten in die Jugendwehr ein, wo sie schon jetzt für den späteren Dienst im Heere bis zu einem gewissen Grade vorgebildet werden.
Wir stehen diesem Unternehmen nur mit Fördersinn gegenüber und wünschen lebhaft, dass alle dazu befähigten Schüler der Jugendwehr beitreten. Wir tun dies zum allgemeinen vaterlän- dischen Nutzen, dann aber auch nicht weniger aus erzieherischen Gründen. Es ist eine wahre Befriedigung für die Lehrer, zu wissen, dass ein grosser Teil der Schüler seine freie Zeit nicht einer übertriebenen Strassenbummelei opfert, sondern einer geregelten körperlichen Ubung zu- wendet, mit der die Erzeugung auch innerer, sittlicher Werte in unleugbarer wechselseitiger Be- ziehung steht.
Es handelt sich durchaus nicht um ein kleinliches Treiben, um ein geringwertiges harm- loses Spielen, wie manche Eltern zu glauben geneigt sind, nein, unsere jungen Leute, zu kriegerischen Abteilungen zusammengefasst, gleiten bei dem angewandten erprobten Verfahren spielend hinüber in den strengen Ernst entschlossener Selbstbehauptung, die dem gereinigten Geist unserer eisernen Zeit vollauf entspricht. Wie wohltuend ist das Schauspiel, wenn das alberne Getue, das ein gewisser gesellschaftlicher Dünkel dem Benehmen mancher jungen Leute angequält hat, in der frischen Lebensluft körperlicher Ubungen erstickt.
Man wende nicht ein, dass es den Schülern an Zeit gebricht, und dass andere wichtige Dinge zu kurz kommen. Eine billige Rücksichtsnahme der Schule bei Bemessung der häuslichen Aufgaben an bestimmten Tagen der Woche hält damit gleichen Schritt, ist aber nicht einmal unbedingt erforderlich. Die Schüler haben für alles Zeit, wenn sie nur wollen. Sie müssen lernen, ihre Zeit richtig einteilen, und die Eltern mögen sie in dieser Beziehung sorgsam unterweisen und nachgehend prüfen; dann geht alles.
Das ist gerade das Hohe und Erstrebenswerte, dass der Wille, hier die Selbstbeherrschung und die freiwillige Entsagung ausgebildet werden, ohne die gar mancher junge Mensch mit sonst hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Anlagen der Gefahr verfällt, ein sittlicher Schwächling zu werden, dessen geheimes Trachten sich nur darauf richtet, wirklicher Arbeit, die Anstrengung und Uberwindung verlangt, mit allen nur erdenklichen Finten aus dem Wege zu gehen.
Es ist kein Grund zu befürchten, dass durch die Teilnahme an der Jungwehr Verpflichtungen auf anderen wichtigen Gebieten, z. B. Besuch des Gottesdienstes, Pflege des Familiensinnes, ihrer Erfüllung verlustig gingen. Man kann das eine tun und braucht das andere nicht zu lassen. Auch hier ist der gute Wille alles. Deswegen richten wir an die Eltern die dringende Bitte, sich in diesen Stücken ihrer Söhne anzunehmen und ihnen in zweckmässiger Zeiteinteilung Führer und Berater zu sein, bis die richtige Gewöhnung zur zweiten Natur geworden ist.
Vorgreifend erwähnen wir noch in diesem Zusammenhang, dass sich unsere Schüler her- vorragende Verdienste durch Einsammeln und Umtauschen von Goldgeld für die Reichsbank erworben haben. Der Vorschlag dazu wurde dem Lehrerrat unterbreitet, bei dem er einmütige und freudige Aufnahme fand. Unter Leitung der Klassenführer wurden die Schüler durch Vorträge sachkundiger Mitschüler über Zweck und Bedeutung des Unternehmens aufgeklärt, und schon vom nächsten Tage an liefen die Goldfüchse in täglich stärker werdenden Rudeln ein. Bis zum 14. März waren bereits rund 70 000 Mark in Gold an die Reichsbankstelle in Mainz abgeliefert. Die höchsten Beträge haben die Klassen IIB und IIIB mit je über 14000 und die Klasse IV mit nahezu 13 000 Mk. gesammelt.


