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Ahnungslos und voll Sehnsucht nach Erholung waren Lehrer und Schüler am 16. Juli in die Sommerferien gegangen, als mitten in der freien Zeit die Kriegsposaune efrscholl, die alle zur Heimkehr in die Heimat zwang. Infolge der angeordneten Mobilmachung sah sich auch die Schule, wie so viele andere Gemeinschaften, genötigt, ihre Verhältnisse alsbald auf die heilige Pflicht der Landesverteidigung einzustellen. Mannigfache und zum Teil tief einschneidende Ver- änderungen im Schulleben und Schulbetrieb mussten in der nächsten und ferneren Zukunft ge- troffen werden.
Aus Anlass der Mobilmachung war es den Schülern der lIa gestattet, sich einer Notreife- prüfung zu unterziehen, die am 10. August unter dem Votsitz des Direktors stattfand. Ministerieller Anordnung zufolge durfte von der schriftlichen Prüfung Abstand genommen werden; auch der mündliche Teil erstreckte sich nur auf die Fremdsprachen, Mathematik und Geschichte.
Im ganzen haben 18 Primaner die Notreifeprüfung angetreten und bestanden. Es gereichte allen Lehrern zur grossen Befriedigung, während der kurzen Zeit vom Ausbruch des Krieges bis zur Entlassung der Abiturienten die überschäumende Begeisterung der Jugend für die Sache des bedrohten Vaterlandes kennen zu lernen.
Von den 18 Abiturienten traten teils sofort, teils später 15 als Kriegsfreiwillige in die Armee ein.(Vgl. ihre Namen im Abschnitt IIIb„Zusammenstellung der Prüfungen“ mit dem Vermerk „trat in die Armee ein“).
Es war ein feierlich ernster, denkwürdiger Augenblick, als der Direktor der Schule inmitten der Mitglieder der Prüfungskommission die eben geprüften jungen Männer, die im Geiste eines Theodor Körner von der Schulbank aus unter die Fahne zu eilen entschlossen waren, mit einer kurzen Ansprache entliess. Er pries ihren hohen Sinn, wünschte ihnen Glück und schloss mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser und Reich.
Die drei Oberprimaner. die nicht in die Armee übergingen, suchten Stellen auszufüllen, deren seitherige Inhaber bereits ins Feld gezogen waren. Sie arbeiteten von nun an im Ver- waltungsdienst auf städtischen Büros, bezw. auf dem hiesigen Bezirkskommando. Weil sie hier mit anerkanntem grossem Geschick Lücken ausfüllten, die dringend Ersatz erheischten, weil sie dauernd und zwar vor- und nachmittags beschäftigt waren, dazu alles unentgeltlich leisteten, wurden sie mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern I. vom weiteren Besuch des Unterrichts entbunden.
Ferner konnte dreien Unterprimanern, die in die Armee eintraten, Karl Hämmerle aus Raunheim, Otto Jung und Karl Kinsberger, beide aus Mainz, die Reife für Oberprima zuerkannt werden; desgleichen verliessen sogar zwei Obersekundaner, Heinrich Roth und Ludwig Schmicdt, beide aus Mainz, mit dem Zeugnis der Reife für Unterprima unsere Schule, um als Fahnenjunker sich dem Waffendienst zu widmen.
In einem Falle wurde auch der Schüler einer auswärtigen Schule, Albert Schuster aus Mainz, der sich als Kriegsfreiwilliger gestellt hatte, zur Ablegung der Reifeprüfung für Ila zu- gelassen. Er hat die Prüfung bestanden und erhielt den Berechtigungsschein für den einjährig- freiwilligen Militärdienst.
Zahlreiche Schüler der mittleren und oberen Klassen wurden auf bestimmte Zeit vom Unter- richt befreit, um bei der Einbringung der Ernte auf dem Lande Hilfe zu leisten.
Eine andere Gruppe von Schülern der oberen Klassen stellte sich der hiesigen Kaiserlichen Postverwaltung zur Verfügung, um auf kürzere Zeit in der Not der damaligen Lage beim Aus- tragen der Postsendungen behilflich zu sein.
Nicht minder eifrig setzten unsere Schüler ihre Kräfte ein in den mannigfaltigen Zweigen
der Hilfstätigkeit des Roten Kreuzes. Noch immer werden die Schüler der lla, Johannes Colombara, Hans Weiland, Siegfried Ladenburg und Ernst Bausch,


