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IV. Zur Geschichte der Aunstalt.
In den Osterferien, am 10. April 1914, wurde uns zu unserem grossen Leidwesen der Ober- tertianer Horst Rosenblatt durch den Tod entrissen. Der in so jungen Jahren plötzlich Dahingeraffte war ein bei uns allen sehr beliebter, tüchtiger und hoffnungsvoller Schüler. Die Schule suchte den Schmerz des schwer heimgesuchten Vaters durch Teilnahme nach Kräften zu lindern. Das Bild des liebenswürdigen Schülers wird nicht aus unserem Gedächtnis schwinden.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 21. April 1914 wurde der Oberlehrer Professor Dr. Friedr. Meyer an das Realgymnasium in Mainz versetzt. Unsere besten Wünsche begleiteten den Herrn Kollegen in den neuen, grösseren Wirkungskreis, der ihm dort beschieden ist. Zu seinem Nach- folger bei uns wurde der seitherige Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium in Alzey, Herr Professor Heinrich Kinkel, ernannt.
Zur Fortsetzung seines Vorbereitungsdienstes wurde uns zu Beginn des Schuljahres Herr Lehramtsreferendar Deister überwiesen.
Das Schuljahr 1914 begann am 20. April.
Unsere einzige Parallelklasse von den vielen, die wir früher gehabt, die la. im letzten Jahr, ging ein. Es wurde uns dafür gestattet, die IIb in zwei Parallelklassen zu teilen.
Schon in den Osterferien wurde Herr Professor Kraemer auf acht Wochen zu einer militärischen UÜbung nach Königsbrück bei Dresden einberufen.
Auf unsere Verwendung hin wurde die Zeit später auf sechs Wochen verkürzt. Denn Herr Oberlehrer Metzner wurde inzwischen ebenfalls zu einer achtwöchigen Ubung einberufen und zwar vom 1. Mai an.
Zum Ersatz wurde uns am 8. Mai Herr Lehramtsassessor Jockel überwiesen.
Am 23. Mai wurde Herr Professor Dr. Schwarz, dessen Augenleiden noch nicht gehoben war, für das ganze Sommerhalbjahr beurlaubt; in zwei späteren Terminen musste die Beurlaubung, was wir lebhaft bedauern, bis zum Schlusse des Schuljahres ausgedehnt werden. Möge es dem hochgeschätzten Herrn Kollegen vergönnt sein, mit voller Kraft recht bald wieder seine Berufs- tätigkeit anzutreten! Das wünschen wir alle von Herzen.
Aushelfend trat zuerst Herr Lehramtsreferendar Egger in diese Lücke ein. Dieser wurde aber selbst später zur Vertretung an die höhere Mädchenschule in Bingen beordert. Infolge- dessen wurde uns Lehramtsreferendar Wilhelm Krauss, der gleichzeitig einige Stunden in der hiesigen Oberrealschule erteilt, zur Verfügung gestellt.
Herr Lehramtsassessor Baas wurde am 28. April zur Verwaltung einer Lehrerstelle an der Liebigsoberrealschule in Darmstadt abberufen.
Vertreter des um zwölf Stunden entlasteten, leider immer noch nicht wiederhergestellten Herrn Professor Vogt blieb auch in diesem Schuljahr Herr Lehramtsassessor Neukummeter.
Der übliche Schulausflug zur Erinnerung an den Frankfurter Frieden konnte wegen des schlechten Wetters am 10. Mai nicht unternommen werden. Er fand am 20. Mai, also am Mitt- woch vor Himmeffahrtstag, statt.
Am 8. Juni schied Herr Lehramtsreferendar Dr. Ruppel aus unserem Lehrkörper aus, um die Leitung des evangelischen Alumnates in Laubach zu übernehmen. Er wird seinen Vorbe- reitungsdienst am dortigen Gymnasium fortsetzen.
Herr Oberlehrer Metzner kehrte von seiner militärischen Dienstleistung am 26. Juni zu- rück und übernahm am folgenden Tag wieder seinen Dienst. Infolgedessen ging sein Vertreter, Herr Lehramtsassessor Jockel, an das Neue Gymnasium nach Darmstadt zurück.


