Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

13..

Wenn wir auch überzeugt sind, dass die beitragenden Schüler ohne Aussicht auf Entgelt, sondern aus reinem Opfersinn sich diesem vaterländischen Dienst widmeten, so scheint es doch ganz dem jugendlichen Empfinden entsprochen zu haben, dass der Eingang des 50. Tausends mit einem freien Schultag belohnt wurde, wenigstens wurde nirgends eine Spur von Widerspruch bekannt. Aber auch der freie Tag selbst fand zu nur noch eifrigerer Fortsetzung der Sammlung, besonders durch das Auswerfen der Netze auf die Landbezirke, seine meiste Verwendung.

In das Verständnis der verschiedenen Massregeln für das pflegliche Umgehen mit Nahrungsmitteln und Kriegskost, die durch die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhält- nisse geboten sind, wurden die Schüler durch entsprechende Darlegungen des Herrn Professor Kinkel in den unteren und mittleren Klassen und des Herrn Oberlehrers Dr. Kübel in den oberen Klassen eingeführt.

Von den Lehrern der Anstalt wurden beim Ausbruch des Krieges sofort einberufen die Herren Professor Kraemer(Hauptmann d. R. im Kgl. Sächs. Landw. Inf.-Regt. 101), Ober- lehrer Metzner(Leutnant d R. im Res. Inf.-Regt. 80), Lehramtsassessor Baas(Leutnant d. R. im Res. Inf.-Regt. 224); etwas später erfolgte die Einberufung der Herren Professor Dr. Wißmann (Oberleutnant im Landsturm-Inf.-Bat. 50 Mainz), Professor Dr Schrohe(Hauptmann d. L. der Festungs-Komp. 50 Mainz), Professor Bitsch(Oberleutnant d. L. im Landsturm-Inf.-Bat. Erbach i. O.), Reallehrer Grünschlag(Landsturm-Bat. 50, beschäftigt im Kgl. Proviantamt Mainz, Hauptver- waltung), Schulverwalter Le Claire(Ersatzreservist bei der Festungs-Komp. in Wackernheim, jetzt Kanonier im Fuss-Art.-Regt. 3).

Herr Schulverwalter Harth wurde dem Schuldienst zwar nicht entzogen, arbeitet aber seit Anfang der Mobilmachung täglich den ganzen Nachmittag ohne Entgelt zur grossen Zufriedenheit der dortigen Behörde auf der Garnisonsverwaltung Mainz, wo er mit den Dienstverrichtungen eines Garnisonsverwaltungs-Inspektors betraut ist.

Diese grossen Ausfälle im Schulbetrieb wurden dadurch wettgemacht, dass zwei Parallelklassen vereinigt wurden, dass durch den Abgang sämtlicher Oberprimaner drei Lehrer in zusammen 31 Stunden frei wurden, und dass uns ferner Herr Lehramtsassessor Heinrich Schuster überwiesen wurde. Willkommene opferwillige Aushilfe, für die wir auch hier unseren tiefen Dank bekunden, fanden wir für kürzere Zeit in Herrn Pfarrer Friedrich Schuster, Herrn Professor Heyder von der hiesigen Oberrealschule und Herrn Kandidaten der Philologie Bensel von hier. Desgleichen haben sich uns in der Not der ersten Zeit für die beiden untersten Vorschulklassen Fräulein Lene Herrmann und Fräulein Anna Bohnhoff von hier zur Verfügung gestellt und bis zum Beginn der Herbstferien den Unterricht mit Eifer und Erfolg erteilt. Auch ihnen sind wir für diese wertvolle Aushilfe zu grossem Dank verpflichtet. Vom 15. Oktober bezw. 1. November an wurden uns Fräulein Franziska Mink und Fräulein Anna Bohnhoff durch Verfügung Grossh. Ministeriums als Schulverwalterinnen überwiesen.

So war es uns trotz vielerlei Störungen und zahlreicher Anderungen und Verschiebungen erfreulicherweise doch möxglich, den planmässigen Schulbetrieb mit Ausnahme einiger Turnstunden (Schuld ist die für die Dauer des Krieges notwendig gewordene gemeinsame Benutzung desselben Turnsaales mit einer anderen Schule) aufrecht zu erhalten.

Mit der Fürsorge für die Kriegsbereitschaft hing es auch zusammen, dass wir unser Schul- gebäude am Forsterplatz verlassen mussten. Es wurde zum Hilfslazarett eingerichtet. Als solches ist es zwar bis jetzt noch nicht in Gebrauch genommen, bleibt aber vorsorglich zu- nächst noch weiterhin für diesen Zweck bestimmt. So kam es, dass wir seit dem 4. September in den Reserveräumen des Realgymnasiums untergebracht sind bis auf eine Vorschul- klasse, die in der Oberrealschule eine Zufluchtstätte fand. Für diese gastfreundliche Aufnahme drücken wir den beiden Schulleitungen auch hier unseren wärmsten Dank aus. Der Reserveraum