Jahrgang 
1911
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In Arbeit ist er groß geworden. Erfüllt von ernstem Streben hat er in strenger pflicht- erfüllung sich emporgearbeitet zu Tüchtigkeit und Ansehen. Sein Wort drang tief in die flerzen der Jugend und sein Rat wurde hochgeschätzt im Kreise der Amtsgenossen. Er nahm es ernst mit allem, was er begann. Kein schwächliches Nachgeben, ein Durchringen Wars, wie er den Aufgaben des Lebens gegenübertrat. Bescheiden war er und gottesfürchtig. Wie tief und fest sein Gottvertrauen gewesen, das habe ich in den Tagen seiner furchtbarsten Qualen, vor wenigen Wochen erst mit inniger Rührung empfunden. So war er ein Vorbild für die Jugend in Arbeitsfreudigkeit und kindlichem Gottvertrauen.

Arbeit und Gottvertrauen führten ihn zur Menschenliebe und Duldsamkeit. Menschlich mitzuempfinden, auch bei den strengen Forderungen seines Berufes, war ein schöner Zug seines Wesens. So ward er duldsam gegen Andersmeinende. Und aus Menschenliebe und Duldsamkeit erwuchs als edelste Blüte seiner Wesensart jene herzliche, offene, frohsinnige Kollegialität, die ihm die Herzen gewann und uns Allen unvergeßlich ist. Wir danken es ihm heute noch über das Grab hinaus.

Denn Treue hat er uns bewiesen und Treue um Treue wollen wir ihm halten. Treu hing er an allem, was ihm lieb, wert und teuer war. Und teuer, über alles teuer, war ihm sein Heimatland sein Hessenland und teuer unser herrliches deutsches Vaterland. Wie hat er die Liebe zur Heimat eingepflanzt in die Herzen der Jugend und wie hat er sein Hessenland besungen in heiteren und ernsten Liedern.

So ward er der Sänger seiner Heimat, der Sänger des Hessenlands. Fürstenhaus und

Nolk, Wälder und Höhen, Fluren und Felder, Bäche und Ströme, Dörfer und Städte, Ver- gangenheit und Gegenwart alles hat er vergoldet und verklärt mit dem Sonnenscheine seiner Poesie. Schier unerschöpflich ist der Quell seiner Lieder, und manches jugendliche Herz hat sich begeistert, wenn an den vaterländischen Festen der Schule das Wort des Sängers erklang.

. Und nun, du treuer, edler, wackerer Mann, nimm unser letztes Lebewohl. Dein Ange- denken bleibt gesegnet. Schlaf in Frieden!

Am Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs hielt Herr Oberlehrer Bernhard die Festrede über Richard Wagners Beziehungen zu Mainz und Biebrich. Bei der Kaiserfeier am 27. Januar sprach lerr Oberlehrer Kobelt über die deutsche Hansa. Gedichte, Gesänge und Instrumentalvorträge der Schüler trugen an beiden Festtagen zur Verschönerung der Feier bei.

Schulspaziergänge fanden statt: am 26. April, am 13. Mai, am 21. Juni(Tages- ausflug), am 12. Juli, am 2. August, am 29. September, am 26. Oktober, am 10. November, am 19. Dezember, am 7. März, am 28. März..

Wegen großer flitze wurde der Unterricht am 6., 7., 8., 9., 10. Juni, am 16., 22. Juli von 11 Uhr an ausgesetzt. Zum Eislauf im Winter konnte den Schülern am 0., 10. Januar und am 2. Februar von 10 Uhr ab freigegeben werden.

Am 10. Februar hielt Herr Medizinalrat Dr. Balser im Physiksaal der Oberrealschule einen Vortrag für die Abiturienten der beiden Gymnasien und der beiden Realanstalten über die den zur Hochschule übergehenden Jünglingen drohenden sittlichen Gefahren. Wir sprechen dem lerrn Vortragenden für die eindrucksvollen und sittlichernsten Ratschläge, die er den ins Leben hinaustretenden jungen Männern gegeben hat, unseren besten Dank aus.

Anfang März begann ein Krankenträgerkurs für die Unterprimaner beider Realanstalten, der sich auch über das kommende Sommerhalbjahr erstrecken wird. Herr Oberstabsarzt Dr. Klipstein hat die Leitung des Unterrichts wieder übernommen, und wir sprechen ihm jetzt schon für die große Bereitwilligkeit und Fürsorge unseren herzlichsten Dank aus.

Die mündliche Reifeprüfung unserer Abiturienten fand am 16. Februar unter Vorsitz des flerrn Geheimen Oberschulrats Nodnagel statt. Herr Turninspektor Schulrat Schmuck hatte wiederholt die Freundlichkeit im Lauf des Schuljahrs unsere Anstalt zu besuchen und eine Reihe von Klassen in Musterlektionen vorzuführen. Wir verdanken ihm die wertvollsten Anregungen und Winke für unseren Turnunterricht und sagen ihm unseren besten Dank dafür.

Für mannigfache Geschenke sagen wir den gütigen Gebern herzlichen Dank. Besonderer Dank gebührt dem Untersekundaner Hans Kohl, der der Anstalt einen selbstgefertigten Theodoliten zum Geschenk gemacht hat.