Jahrgang 
1911
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D. Zur Geschichte der Anstalt.

Zu Ostern 1910 wurden die beiden Oberprimen vorübergehend wieder vereinigt. Eine Lehrerstelle blieb unbesetzt und Herr Assessor Deibel kam an die Realschule nach Oppen- heim, wohin ihn unsere besten Wünsche begleiteten.

Zu Professoren wurden ernannt am 1. April die Herren Oberlehrer Sohn und Aschenbrenner, zu Oberlehrern am 1. April die Herren Assessoren Dr. Mannheimer und Pröscher, zum Assessor am 1. Oktober Herr Referendar UIlmann, der als Volontär an unserer Anstalt verblieb.

Zu Studienreisen nach Frankreich waren beurlaubt: vom 1. August bis 1. Oktober Herr Oberlehrer Rohr, vom 1. August bis 1. November Herr Oberlehrer Kleck, vom 28. Juli bis 31. Oktober Herr Assessor Küßner; zu militärischer Dienstleistung: Herr Assessor Faller vom 27. April bis 23. Juni, Herr Oberlehrer Bernhard vom 9. Mai bis 4. Juli, Herr Assessor Ullm ann vom 29. August bis 24. September. Herr Assessor Faller wurde durch Herrn Assessor Lambinet vom Ostergymnasium und Herr Oberlehrer Bern- nard durch Herrn Assessor Wittig vertreten.

Leider mußte Herr Professor Staudinger nach den Herbstferien wegen Krankheit beurlaubt werden. Seine Vertretung übernahm Herr Referendar Müller aus Worms, seither am pädagogischen Seminar zu Oppenheim.

Einen schweren Verlust hat unsere Anstalt zu beklagen am 5. Dezember 1910 ist unser allverehrter, treuer Kollege, Herr Reallehrer Philipp See, zur letzten Ruhe heim- gegangen. Ein qualvolles, furchtbares Leiden hat er mit unendlicher Geduld und wie ein Held fast zwei Jahre lang ertragen bis ihn der Tod von seinem Leidensgang erlöste. Den Kollegen ein Freund, treu wie Gold, seinen Schülern ein Vater an Liebe und Fürsorge, ein tüchtiger Erzieher, ein aufrechter, mannhafter Charakter, erfüllt von Heimatsinn und Vater- landsliebe, fromm und duldsam, hilfreich und gut so steht er in unserer Erinnerung und wird immerdar darin bleiben. Und ruht er auch stumm nun unter dem Rasen, sein Dichter- mund wird oft noch reden zu uns und den künftigen Geschlechtern.

An den waldreichen Hängen des Taunus, am Fuße der Saalburg, der altehrwürdigen Römerfeste, stand seine Wiege im lieblichen Köppern bei Homburg vor der Höhe wurde er am 5. Mai 1849 geboren. In Westhofen leitete er längere Zeit eine angesehene Privat- schule. Dort fand er die treugeliebte Gattin, dort die stille Heimat, nach der er sich oft gesehnt, und die ihn zur letzten Ruhe aufnehmen sollte. Dem Rheine blieb er treu. Er ward Reallehrer in Oppenheim und später in Mainz, wo er fast 25 Jahre eine segensreiche Tätigkeit entfalten durfte.

Wer ihn kannte, mußte ihn lieben. Man spürte den reinen Hauch eines edlen Gemütes. So war die Trauer groß, als uns die Nachricht von seinem Hinscheiden ereilte. Alle Klassen der Oberrealschule mit der umflorten Fahne, die Lehrerkollegien der beiden solange ver- schwisterten Realanstalten und zahlreiche Freunde und alte Schüler gaben der Bahre das Ehrengeleite bis vor die Tore der Stadt. In Westhofen ward er beigesetzt. Die goldene Wintersonne leuchtete über den hochgelegenen Friedhof und die gesegneten Fluren der rheinischen Heimat, die der Entschlafene so tief und innig geliebt es war ein ergfeifender Augenblick. Im Namen der Oberrealschule sprach Geh. Schulrat Dr. Walter:Nun hat er ausgelitten, der edle Dulder! Lange genug rauschten die dunklen Fittige des Todes über ihm und schwer ist ihm der Gang in die Ewigkeit geworden. Zwei Jahre voll Qual waren ihm beschieden, zwei Jahre haben wir in Trauer und Sorge mit den Seinen um dieses teure Leben gebangt. Nun ist er heimgegangen der aufrechte Mann, unser treuer Mitarbeiter, der Freund der Jugend, der Sänger des Hessenlands. Nur wenige Monate noch am 1. Mai künftigen Jahres und unser entschlafener Freund hätte auf eine 25-jährige Wirksamkeit an den Realanstalten zurückblicken können. Welch' eine Zeit ernster Arbeit, aber auch welch eine Zeit beglückenden Segens! Alle die vielen Schüler, die zu seinen Füßen ge- sessen, trauern heute mit uns und rühmen dankbar die köstliche Saat, die der edle Mann in ihre jugendlichen Herzen gesenkt hat. Und aus der Saat ist reiche Ernte entsprossen. In seinen Schülern werden sie fortleben die Bürgertugenden, die er selbst besessen: Arbeit- samkeit und Gottesfurcht, Menschenliebe und Duldsamkeit, Treue und Heimatsinn.