Jahrgang 
1908
Einzelbild herunterladen

57

gattung sie ihre Kinder zuführen sollen, wird demnach zuerst beim Beginn des 4. und zuletzt beim Beginn des 7. Schuljahres gefordert.

Um die beabsichtigte Aenderung etwas deutlicher zu veranschaulichen, stellen wir hier die Punkte zusammen, in denen sich die zukünftigen C-Klassen(7c 3c) von den ihnen parallel laufenden A- und B-Klassen wesentlich unterscheiden werden:

a. Im 7. und 8. Schuljahre fällt, wie schon angedeutet wurde, das Englische weg. Demnach wird in 4c und in 3c künftighin nur eine fremde Sprache(daher der Name einsprachige Parallelklassen) gelehrt werden, das Französische.

b. Dem Deutschen sind im ganzen jährlich 160 Stunden mehr zugewiesen, die sich auf das 4. 8. Schuljahr verteilen..

c. Dié Mathematik ist jährlich mit 120 Stunden mehr bedacht. Daher ist jetzt im 8. Schuljahre ein Abschluss in der Raumlehre möglich, den eine Schülerin der A- oder B-Klassen erst im 9. Schuljahre gewinnt; der Rechenunterricht in 4c und 3 hat besonders die Anforderungen des praktischen Lebens im Auge, wobei er höhere Ziele verfolgt als die entsprechenden Altersstufen der Volksschule.

d. Für den naturwissenschaftlichen Unterricht sind in 4c und 3c je 40, zu- sammen also 80 Stunden jährlich mehr vorgesehen. Diese Erhöhung der Stundenzahl ist dadurch notwendig geworden, dass hier nicht nur ein Abschluss im naturge- schichtlichen Unterricht herbeigeführt, sondern auch Naturlehre in den Lehrplan beider Klassen aufgenommen werden musste, was die Rücksicht auf das praktische Leben zu fordern schien.

Stärkere Betonung des Deutschen, Französischen, der Mathematik und der Naturwissen- schaft ist also nächst dem Wegfall des Englischen das wesentlichste Merkmal, wodurch die C-Klassen sich von den A- und B-Klassen in Zukunft unterscheiden werden. Doch machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, dass nur bei einer genügenden Anzahl sich beteiligender Schülerinnen(etwa 25 30) die geplante Neuerung mit Beginn des kommenden Schuljahres ins Leben treten wird, und zwar in der Weise, dass zunächst bloss die eine der drei 7ten Klassen(7c) nach dem modifizierten Lehrplan unterrichtet wird; der weitere Ausbau der C-Klassen muss den folgenden Jahren überlassen bleiben.

2. Die Ortsgruppe Mainz des Deutschen Vereins für Volkshygiene hat in Verbindung mit dem Mainzer Damen-Turn- und Spielklub im Laufe des Sommers ein Flugblatt an die Mütter unsrer Schülerinnen herausgegeben, das wir in den einzelnen Klassen verteilen liessen. Darin wird das Tragen des sog. Leipziger Schul- und Turnkleids, das in ganz Deutsch- land ausserordentlich rasch Verbreitung gefunden hat, empfohlen und im Anschluss daran auch mit seinen einzelnen Teilen eingehend beschrieben. Im Interesse des leiblichen Wohles unsrer Schülerinnen bringen wir nachstehend einige Stellen des genannten Flugblatts zum Abdruck, mit der Bitte um Beherzigung ihres Inhalts:

Immer mehr verbreitet sich die Erkenntnis, dass die heute getragene weibliche Kleidung in vieler Beziehung nicht nur unpraktisch, sondern in hohem Grade auch gesundheitsschädlich ist. Ganz besonders gilt dies von der übermässigen Belastung der Taille durch die gesamte Unterkleidung.

Zwar pflegen die Frauen infolge der allmächtigen Gewöhnung diesen Druck nicht als unangenehm zu empfinden, aber es besteht jetzt kein Zweifel mehr darüber, dass auch diejenigen Frauen benachteiligt und in ihrer Gesundheit schwer geschädigt werden können, welche sich locker tragen und nicht schnüren oder zu schnüren glauben.

Es war bisher Gewohnheit, die Mädchen ungefähr vom zwölften Jahre an mehrere Unterröcke tragen zu lassen, die entweder durch enganliegende Rockbunde oder durch Bänder befestigt werden und zwar über oder unter einem Korsett, das nach früherer