Jahrgang 
1908
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Vorhallen aus erfolgen, und dass besonders für die Schule mindestens 2 Haupttreppen bequem und zentral angelegt werden mussten.

Trotz dieser grossen Erschwerniss konnte es ermöglicht werden, eine Uebersichtlichkeit der Anlage zu erreichen, welche den durch die Umstände gegebenen Zwang in keiner Weise erkennen lässt.

Breite helle Korridore und geräumige Flure gestatten der grossen Zahl von Kindern, die sich hier zusammentrifft, freieste Bewegung, und auch die Unterrichtssäle entsprechen durchaus allen schultechnischen Anforderungen.

Der architektonische Aufbau musste sich aus dem Inneren entwickeln und gliedert sich in die Baumasse an der Petersstrasse, welche die Eigenart der hier liegenden Räume, der offenen Halle und der Turnhallen, sowie des im Dach liegenden Singsaales, zum Ausdruck bringt und ihre Bestimmung sofort erkennen lässt. Die breite Einfahrt neben dem Eingang, welche mit einem kunstgeschmiedeten Gittertor verschlossen werden kann, lässt einen Einblick in den Schulhof mit dem ehemaligen Kirchengebäude im Hintergrunde offen. Der Bauteil an der Mitternacht bringt in 4 Geschossen die Anordnung der Schulräume an dieser Seite zur Er scheinung, die architektonische Ausschmückung beschränkt sich hier auf einfache Umrahmung der Fenstergewände. An der vorspringenden Ecke des nach der Mitternacht vortretenden drei- geschossigen Flügels wurde zur Vermittelung der Baumassen und als belebendes Moment, gleichzeitig als Träger der Schuluhr, ein hochragender Turm eingegliedert, dem eine Vorhalle für den dort befindlichen Haupteingang vorgelegt ist, mit den Reliefs von ährenpflückenden und lorbeererntenden Mädchen. Die nach dem Mitternachtsplatz vorspringende Baumasse ist von 2 Doppelgiebeln überragt. Durch das besondere Portal an der Ecke ist der Ein- gang in das Museum, ebenso durch die mit kunstgeschmiedeten Gittern versehenen Fenster des Erdgeschosses der Museumscharakter deutlich erkennbar gemacht. Weiter schliesst sich dann nach der Reich-Klarastrasse zu das zweistöckige Wohngebäâude für den Direktor an, in dessen Architektur die Reste eines zierlichen Erkers vom ehemaligen Bickenbau am Flachs- markt wieder zur Erscheinung gebracht sind; an der Vorderseite mit den Wappen der Bicken und Brendel von Homburg mit der Jahreszahl 1574 und der Inschrift:Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut. In der Reich-Klarastrasse selbst wird von dem an das Direktorwohnhaus an- grenzenden Garten mit geschlossener Einfriedigungsmauer der Blick nach dem Chor der Kirche offen gelassen.

Durch diese nach der ehemaligen Kirche in der Höhe abgestufte Gliederung der Bau- massen hat es sich ermöxlichen lassen, dass der Forderung des Denkmalschutzgesetzes ent- sprochen worden ist. Die Hofseiten, welche in ihrer Fensteranordnung die hier befindlichen Räâume zum Ausdruck bringen, haben durch den Treppenturm und die beschieferten Wnde des an die Kirche anschliessenden Bauteils eine interessante Gliederung erhalten, die sonst in den einfachsten Formen durchgeführt wurde.

Die gewölbte Halle im Hof mit ihren weitgespannten Bogen und den grossen mit Steingewänden geteilten Fenstern der darüber liegenden Turnhallen und mit dem hohen Schie- ferdach bilden den strassenseitigen Abschluss, an dessen einer Ecke ein Treppenturm für eine Nebentreppe zu den Turnhallen angeordnet ist, welcher die Verbindung mit einem gedeckten Gang und mit dem Abortgebäude herstellt.

In der gesamten Aussenarchitektur sind die Formen der deutschen Renaissance beibe- halten, wie es bei der vorliegenden Aufgabe nicht anders zu ermöglichen war. Die Hausteine sind dabei nur auf die konstruktiven Glieder ausgedehnt, während die Zwischenflächen mit Kalkputz belassen sind.