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Reichtums zu Gunsten der Universität aufnob, die Güter einzog und das Klostergebäude zu einem Hospital mit Räumen für medizinische und anatomische Vorlesungen bestimmte. Ein seltsames Missgeschick schwebte indes über diesem Unternehmen, denn obwohl bereits grosse Summen für den Umbau verausgabt waren, wurde diese Absicht plötzlich fallen gelassen, und in einem halbfertigen Zustande finden wir es bald nachher allen möglichen Zwecken, vorwiegend zur Lagerung von Gegenständen aller Art und zur Unterbringung von Obdachlosen dienen.
Im Jahre 1793, als die Franzosen zum zweitenmal nach Mainz kamen, haben sie in den Klostergebäuden eine Militärbäckerei eingerichtet und die übrigen Räume zur Lagerung von Beitreibungen und als Proviantmagazin benutzt.
Was nach dem Umbau zum Hospital von der klösterlichen Eigenart noch übrig blieb, wurde nun ganz zerstört. Auch die Kirche hatte ein ähnliches Schicksal. Wenn auch in ihr bis zum Jahre 1789 GCottesdienst abgehalten worden ist, so waren doch vorher schon alle Gegenstände von irgend welchem Kunstwert entfernt, die Chorstühle waren verbrannt, die Altäre geplündert, sodass die Kirche einen traurigen Anblick darbot. Dann wurde auch sie als Lagerhaus verwendet. Doch erst dem Jahre 1831, als das Bundesheer die Räume in Verwaltung hatte, blieb es vorbehalten, die Greuel der Verwüstung zu vollenden. Um ein fünfgeschossiges Lagerhaus in die Kirche einzubauen, hat man die hohen Schiffgewölbe herausgeschlagen, die Masswerkfenster zertrümmert und die Oeffnungen mit den Trümmern ausgemauert; das Seiten- schiff, ebenso ein Teil der Unterkirche, wurde abgebrochen. In diesem Zustand der Verwüstung, den noch die dauernde Verwahrlosung verschlechtert hat, befand sich das Kloster, als es im Jahre 1902 in den Besitz der Stadt überging. Die Gebäude befanden sich in halb verfallenem Zustand, und die Mauern der Kirche waren zum Teil geborsten und boten durch ihren Zustand einen traurigen Anblick des Verfalls dar, den die Unbilden der Zeit und die Gewalttätigkeit der Menschen verursacht hatten. Nur noch aus der Gesamtanlage konnte man sich ein Bild der klösterlichen Zeit machen. Umfriedigt von hohen Mauern, die das bewegte Treiben der Strasse fernhielten, hat der Zauber der Vergangenheit in den stillen abgeschlossenen Höfen, in denen hie und da ein vereinzelter Grabstein stand— ein Cruzifixuskopf in der Mauer hervorschaute, und eine üppige Vegetation, welche die sonst kahlen Wände mit Grün überzogen hatte, ein Bild geschaffen von hohem malerischen Reiz, das wie ein Stück Mittelalter eine abgeschlossene Welt für sich war. Wenn so der klösterliche Bezirk schon Jahrhunderte lang in einer wechsel- vollen Geschichte allmählich, aber sicher dem Untergang entgegenging, sodass nichts mehr der Erhaltung wert erschien, so ist es umsomehr der städtischen Verwaltung und der Stadtverord- neten-Versammlung zu danken, welche den Absichten des Denkmalschutzgesetzes entsprochen und sich damit einverstanden erklärt hatten, die Kirche in ihrem Aeusseren zu erhalten und sie trotz der grossen Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellten, wieder herzustellen. Einer Reihe der wichtigsten Interessen sollte das erworbene Klostergebiet gerecht werden. Vor allem musste ein erheblicher Teil zur Strassenverbreiterung an der Flachsmarktstrasse und der Petersstrasse dienen; aus wirtschaftlichem Interesse, um die hohen Kosten des Geländeerwerbs einigermassen zu er- setzen, musste der an der verkehrsreichen Strasse gelegene Teil zu Bauplätzen für Ge- schäftshäuser verkauft werden, sodass nur ein Teil von 4043 qm gegen die Mitternacht für den Neubau der Höheren Mädchenschule, welche somit dem Strassenlärm entrückt war, vorbe- halten blieb..
Allerdings war dabei zu berücksichtigen, dass für die Erhaltung der ehem. Reich-Klara- Kirche diese selbst zu einem naturhistorischen Museum umgebaut werden sollte, und dass, nachdem die in der Kirche zu gewinnenden Râume für die Aufnahme der vorhandenen natur- wissenschaftlichen Sammlungen nicht vollständig ausreichend waren, für einen grossen Teil der-
selben Unterkunft in dem Neubau der Schule oder im Anschluss an denselben gesucht werden musste.


