Jahrgang 
1897
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vielfache Anregungen zur Fortbildung in den allwöchentlich abgehaltenen pädagogischen Aben- den. Nach einem 5jährigen Aufenthalt in dem mittleren Rheinthale, dessen Sie Sich auch noch in späteren Jahren mit vielem Vergnügen er- innerten, kehrten Sie nach Karlshafen zurück, um die Leitung einer Privatschule zu über- nehmen. Nur auf kurze Zeit unterbrachen Sie den Aufenthalt und lIhre Wirksamkeit in dieser Stadt, indem Sie Sich einige Jahre in Barmen und in England aufhielten, um an ersterem Orte zu lehren und am zweiten zu lernen, näm- lich die englische Aussprache und Konversation, wozu ein Aufenthalt in diesem Lande wohl not- wendig ist. Wenn nun auch Ihr nochmaliger Aufenthalt in Karlshafen an der unter der Auf- sicht der Regierung stehenden Privatschule nur von kurzer Dauer war, so war er doch höchst bedeutungsvoll für Ihr ferneres Lebensglück. Waren Sie doch in ein Alter eingetreten, von dem man mit Fug und Recht sagen kann: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Und in Karlshafen fanden Sie nach der Rückkehr nach Hessen Ihre Lebensgefährtin, mit der Sie nunmehr schon lange Jahre in treuer gegen- seitiger Liebe gewandelt sind und Freud und Leid, wie es der Himmel sandte, getragen haben.

Am 8. Juli 1867 traten Sie als vom Kurato- rium gewählter und von der vorgesetzten Be- hörde bestätigter erster ordentlicher Lehrer an der Anstalt von mir als solcher eingeführt, ein.

Marburg, das Ihnen schon in Ihrer Studien-

zeit lieb und wert geworden war, sollte nun Ihre zweite Heimat werden, und es wurde diese um so mehr als Sie sich ein eigenes Heim nach Ihren Ansichten und Wünschen zwischen den Bergen an dem Ufer der Lahn gründeten.

So wären wir in dem kurzen Rückblick auf

Ihren Lebensweg am Eintritt in Ihr hiesiges Lehramt angelangt, als Sie, verehrter Herr Kollege, im besten Mannesalter standen. Die Anstalt gewann also in Ihnen eine schon be- währte Kraft. An ihr war Ihnen denn auch Gelegenheit gegeben, in vielen Unterrichtsgegen- ständen, wozu Sie durch Uebung und nach be- standener Rektorprüfung befähigt waren, mit gutem Erfolg zu unterrichten. So hatten Sie denn auch in den ersten Entwickelungsjahren der Schule Deutsch, Geographie, Geschichte und Englisch zu lebren, während Sie in späteren Jahren in den beiden letzten Gegenständen in drei bezw. vier oberen Klassen unterrichteten.

Nun hat sich gerade im englischen Unterricht in der Zeit Ihrer amtlichen Thätigkeit eine voll- ständige Umänderung in der Methode vollzogen, von der man im allgemeinen sagen kann, dass sie im Interesse der Schüler notwendig und in der Art und Weise zweckmässig ist. Waren doch bei Einführung der neueren Sprachen in den Lehrplan der höheren Schulen diese meistens den Altphilologen übertragen worden, welche dann auch die Methode der alten Sprachen auf die neueren anwandten. Erst als besondere Lehrer für die neueren Sprachen sich ausbil- deten, entwickelte sich durch die Praxis eine selbständige Methode in diesem Gegenstande. Wie bei allen solchen Bewegungen gehen dann einige Neuerer über das richtige Ziel hinaus, weshalb es in solchen Lagen immer ein schätz- bares Verdienst ist, die Mittelstrasse einzu- schlagen, die nicht umsonst die goldene genannt wird. Es ist mir sehr angenehm, wie früher, so auch hier hervorheben zu können, wie Sie, verehrter Herr Kollege, durch den Erfolg be wiesen haben, dass Sie die neue Unterrichts- methode in den lebenden Sprachen geprüft, das Beste behalten und angewandt haben. Ihr junger Nachfolger wird daher nicht nötig haben, die Methode im engl. Unterricht zu ändern, sondern wird auf dem gebahnten Wege fort- fahren.

Gedenke ich noch des zweiten wichtigen Unter- richtsgegenstandes, der Geschichte, so ist es ja bekannt, wie dem Lehrer die Auswahl des Not- wendigen und Interessanten für die verschie- denen Klassen der Schüler aus dem übergrossen Geschichtsstoffe erschwert ist, da ja die Lehr- pläne dem Lehrer mit Recht einen grossen Spielraum lassen. Dabei kommt denn der Wahlspruch des Altmeisters Göthe zur Anwen- dung:In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister. Auch hier entsprach ein guter Er- folg einer guten Methode. In gleich günstiger Weise könnte ich mich über beides in den an- deren von Ihnen unterrichteten Gegenständen äussern. So haben Sie denn wesentſichen An- teil an dem günstigen Urteil, welches vor meh- reren Jahren(1890), als eine Petition von hier bezügl. unserer Anstalt im Abgeordnetenhause zur Verhandlung kam, der Geh. Ober-Regie- rungsrat Höpfner im Namen des Herrn Ministers abgab, welches lautete:Sowohl die Gesamt- frequenz als auch die Zahl der Abiturienten und derjenigen Schüler, die aus der Unter-Sekunda abgegangen, sprechen dafür, dass die Anstalt