Jahrgang 
1927
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Am 14. Juli erfolgte in der feſtlich geſchmückten Aula die Einführung des zu ſeinem Nachfolger in der Leitung der Doppelanſtalt gewählten bisherigen Oberſtudienrats an der Anſtalt, Dr. Walther Brand, durch den Vizepräſidenten des Provinzial⸗Schulkollegiums in Kaſſel Geh. Rat Dr. Borbein in ſein neues Amt. Zu der Feier hatten ſich außer den Lehrern und Schülern der Anſtalt die Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden, der Univerſität, der Geiſtlichkeit und der Marburger Schulen eingefunden.

Eingeleitet wurde die Feier durch eine Ouvertüre des Schulorcheſters: Romanze aus dem D-moll Klavierkonzert von Mozart. Vizepräſident Dr. Borbein nahm dann das Wort zu ſeiner Einführungsanſprache. Er gedachte zunächſt der beiden Vorgänger des neuen Direktors und würdigte ihre Verdienſte um die Schule. Er beglückwünſchte den Direktor im Namen der ſtaatlicheu Behörde und entwickelte in längerer Rede die ſchweren Aufgaben, die dem Leiter einer höheren Schule in der Jetztzeit geſtellt ſind, indem er die Stellung der Marburger Doppelanſtalt in der deutſchen Bildungsorganiſation der Gegenwart umriß. Er wies hin auf die Probleme der Schulreform, würdigte die Bedeutung des berufsfreudigen Lehrers für ſie, wandte ſich an die Jugend mit der Aufforderung zu verantwortlicher Mit⸗ arbeit und bat vor allem die Stadt, deren Obhut die Oberrealſchule nebſt Realgymnaſium als nunmehr einzigen ſtädtiſchen höheren Schule überantwortet ſei, dem neuen Direktor die Wege zu ebnen für ſeine Zukunftsaufgabe zum Beſten der Schule. Bürgermeiſter Mueller über brachte die Glückwünſche der Stadt und gab den Hoffnungen Ausdruck, welche Marburg für ſeine Oberrealſchule für die Zukunft hegt. Er ging auf die Bedeutung der möglichſt beſten Jugenderziehung für das deutſche Volk und den deutſchen Staat ein und zeigte, wie ſie den einzelnen zur Arbeit in und an der Gemeinſchaft befähigen müſſe. Er verſprach das weit⸗ gehendſte Entgegenkommen der Stadt bei der Erfüllung der berechtigten Wünſche der Schule, die weit über den ihr bei der Gründung abgeſteckten Rahmen hinausgewachſen ſei.

Oberſtudiendirektor Dr. Brand gab zunächſt den Gefühlen des Dankes Ausdruck für das allſeitige Vertrauen, das ihn in die Stellung des Leiters berufen habe. Er verſprach, alle ſeine Kräfte einzuſetzen für die Erfüllung ſeiner verantwortungsſchweren Aufgabe zum Beſten der Schule und der ihr anvertrauten Jugend. Erziehung zur ſittlichen Perſönlichkeit ſei das Ziel der Erziehungsarbeit. Sie ſei von einem einzelnen nicht zu leiſten und könne nur Erfolg haben, wenn die miterziehenden Mächte ſich dem Schulmann zu vertrauensvoller Mitarbeit zur Verfügung ſtellten. Er erbat auch für die Zukunft die Unterſtützung der ſtaat lichen und ſtädtiſchen Behörden, der Elternſchaſt und ſeiner Kollegen. In eindringlichen Worten wandte er ſich vor allem an die Jugend. Er zeigte, wie nur der Wille, der Jugend das Beſte zu ſchaffen, in ihr Freude in und an der Schule zu wecken, den Schulmann beſeele, wie er danach trachte, ihr Stunden der Feier und Erhebung, der Hingebung an das Gute, Wahre und Schöne zu beſcheren, wie der Weg zu ſolchen Feierſtunden aber nur durch ſtrenge Arbeit und Pflichterfüllung gebahnt werden könne. Seine Aufforderung zu vertrauensvoller Mitarbeit fand zuſtimmenden Widerhall in den Reden des Univ. Prof. Dr. Ed. Müller als Vertreters des Elternbeirats, des Oberprimaners Hentze, der für die Schüler, und des Studienrats Dr. Eymer, der für das(Lehrerkollegium ſprach. Unter freundlicher Mit⸗ wirkung von Herrn und Frau Möller und Herrn Klonk brachte der Chor:Die Himmel erzählen die Ehre Gottes aus der Schöpfung von Haydn zum Gehör. In mühevoller Ar⸗ beit hatte Muſiklehrer Müller dieſen Chor mit Soli und Orcheſter eingeübt. Sein muſter gültiger Vortrag bildete den weihevollen Abſchluß der Feier.