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Die Kritiik berichtete über dieſe Aufführung:
Es gehört nicht wenig Mut dazu, mit einem Chor und Orcheſter, die von Schülern faſt aller Klaſſen, die beiden unterſten vielleicht ausgenommen, und deshalb von ganz ver⸗ ſchiedenartiger Leiſtungsfähigkeit gebildet werden, an die Einſtudierung eines Werkes heran⸗ zugehen, das an jeden Ansführenden hohe Anforderungen ſtellt, was Treffſicherheit und Rhyth—
mus, Ausdauer und Aufmerkſamkeit angeht. Man darf mit Achtung vor dieſer Leiſtung die Tatſache feſtſtellen, daß Herr Muſiklehrer Müller nicht mehr als ein Schulſahr, worin alſo beträchtliche Unterbrechungen eingeſchaltet ſind, gebraucht hat, um mit dieſer Aufführung vor die Oeffentlichkeit zu treten. Ueberhaupt kann man der Tatkraft und Energie des Dirigenten, die ſich auch während des Konzertes bis zum Schluſſe bewährte, nur eine ungeteilte Aner⸗ kennung ausſprechen. Chor und Orcheſter lagen bei ihm in guten Händen, und ſelbſt die Soliſten konnten ſich bei den ſchwierigſten Einſätzen getroſt auf ſeine Führung verlaſſen. Seine Auswahl aus dem umfangreichen Werk wie auch ſeine Interpretation bewieſen aufs neue den fein und tief empfindenden muſikaliſchen Menſchen.
Eine Freude war es, den prächtigen Chor zu hören. Rein zahlenmäßig ſehr ſtark, war er in den einzelnen Stimmen vortrefflich abgetönt, die Unterſtimmen befanden ſich wohl in der Minderheit, wußten ſich aber im allgemeinen gut durchzuſetzen. Sehr diskret klang be⸗ ſonders der Tenor, dem ſelbſt in den für die Schüler ſchwierigen Lagen die grelle Schärfe fehlte. Die Einſätze wurden mit verſchwindenden Ausnahmen überall ſicher und feſt gegeben, was an die Aufmerkſamkeit große Anforderungen ſtellte. Merkte man gegen den Schluß hin auch wohl ein wenig Ermüdung, ſo zeigte ſich in den beiden Schlußchören„Alle Gewalt und Ehr und Macht“ und dem mächtigen„Amen“ noch einmal die ganze imponierende Klang—
fülle, die dem Chore eignet.— Das Orcheſter verdient ebenfalls volles Lob. Es hatte keine leichte Aufgabe, die zudem durch die Wärme, die die Stimmung ſehr ſchnell be— einträchtigte, noch erſchwert wurde. Nichtsdeſtoweniger ſaß Disziplin in
den Spielern, die ſich allen Andeutungen des Dirigenten raſch und ſicher unter⸗ zuordnen verſtanden, wie ja überhaupt dieſe gemeinſchaftliche, verantwortungsvolle Pflege der Muſik von höchſtem erzieheriſchem Werte für die Schüler iſt. Außerdem zeigte der Abend, zu welch hohen und wertvollen Leiſtungen dieſes Orcheſter fähig iſt, das faſt ganz von
Schülern gebildet wird(Cello, Bläſer, Pauke!).— Die Solopartien wurden von Frl. Franke⸗Sopran, Frau Ledeganck⸗Alt, Herrn Möllcr⸗Tenor und Herrn Klonk⸗Baß geſungen, die ihr Beſtes gaben.— Beſondere Anerkennung verdient ſchließlich noch die Klavierbe—
gleitung, die ſich in erſter Linie bei den Rezitationen und einzelnen Arien Achtung erwarb.
Der Beſuch bewies das ſtarke Intereſſe der Eltern und Freunde der Schüler an der Aufführung, ſo daß ſich gewiß ein noch größerer Kreis von dankbaren Zuhörern gefunden hätte, wenn der Raum der Aula nicht ſo ſehr beſchränkt wäre.
Oberſtudiendirektor Prof. Dr. Otto ſchied zum 1. April aus dem höheren Schuldienſt aus, um die Profeſſur für Pädagogik an der Deutſchen Univerſität in Prag endgültig zu übernehmen. Am 17. Mai fand im Beiſein von Vertretern der Stadt, der Univerſität und der übrigen Schulen in der Aula eine Abſchiedsfeier für ihn ſtatt. Der ſtellvertretende Direktor Oberſtudienrat Dr. Brand, Oberbürgermeiſter Dr. Voigt als Vertreter der Stadt, Univ. Profeſſor Dr. Ed. Müller als Vorſitzender des Elternbeirats hielten dabei Anſprachen, die von Prof. Otto erwidert wurden. Die Feier wurde eingeleitet und geſchloſſen durch Dar⸗ bietungen des Schülerorcheſters und des Schülerchors.


