durch die Stadt aus. Um 9 Uhr vormittags versammelten sich sodann Lehrer und Schüler, da eine Aula nicht zur Verfügung stand, im kleinen Saale der Museumsgesellschaft zu einer Schul- feier mit Bibellektion, Gebet und Gesängen der Schüler. Die Festrede über die Bedeutung der Sedanfeier für unser Volk hielt der Oberprimaner Wilhelmi. Am Nachmittage beteiligte sich das Gymnasium unter Vortritt seines Trommler- und Pfeiffer-Corps und mit wehenden Fahnen— alle Schüler mit Eichenlaub geschmückt— an dem von der Stadt veranstalteten und von den Staats- und städtischen Behörden, den Bürgern der Stadt und sämtlichen Schulen ausgeführten Festzug über die neue Lahnbrücke nach dem sog. Cappeler Berg, wo unter patriotischen Gesängen vor einem hochauflodernden IIolzstoss eine volkstümliche Feier stattfand, bei welcher der Ober- lehrer Dr. Euler die Festrede hielt. Hierauf erfolgte nach Anzündung der mitgebrachten Lampions der Rückmarsch des Zuges durch die Vorstadt Weidenhausen in die Stadt.— Nach dem Festgottes- dienst des 1. September waren den besten Schwimmschülern des Jahres, zu welchen auch sechs Gymnasiasten gehörten(s. oben S. 16) von dem Herrn Oberbürgermeister Schüler auf dem Rathaus in Gegenwart einiger Stadtratsmitglieder und des unterz. Direktors die von einem Freunde der Jugend gestifteten Preise feierlich überreicht worden.
Zu der Reifeprüfung des Michaelistermins hatten sich drei Oberprimaner gemeldet, von denen einer noch vor der schriftlichen Prüfung zurücktrat. Die beiden andern schrieben in den Tagen vom 7. bis zum 12. September ihre Prüfungsarbeiten. Mit ihnen zugleich fertigte ein Untersekundaner, welcher von dem Herrn Minister zugelassen worden war, die schriftlichen Arbeiten der Abschlussprüfung an.
Dienstag den 17. September fand unter dem Vorsitz des unterz. Direktors die münd- liche Entlassungsprüfung der beiden Abiturienten statt, von welchen einer während der Prüfung von deren Fortsetzung zurücktrat, während der andere unter Befreiung von der münd- lichen Prüfung das Zeugnis der Reife erhielt.— Am 20. September bestand hierauf der Unter- sekundaner Völker die mündliche Abschlussprüfung und erwarb hierdurch neben der Versetzung nach Obersekunda die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst.
Sonntag den 22. September begingen die evangelischen Lehrer gemeinsam mit den kon- firmierten Schülern dem Herkommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten oder lutherischen Kirche die Feier des heiligen Abendmahles.
An den Tagen vom 25. bis 28. September wohnten der Direktor und drei Lehrer des Gymnasiums den Verhandlungen der in Cöln tagenden 43. Versammlung deutscher Philo- logen und Schulmännen bei.
Wegen allzugrosser Hitze wurden während des Sommerhalbjahres an 15 Tagen und zwar je zwei Mal im Juni und Juli, sechs Mal im August und fünf Mal im September teils der Vor- mittagsunterricht von 11— 12 Uhr, teils die Nachmittagsstunden ausgesetzt.
Die Herbstferien dauerten vom 28. September bis zum 12. Oktober. Am Nontag den 14. Oktober fand die Aufnahmeprüfung statt, Dienstag den 15. die Eröffnung des Winterhalb- jahres durch eine gemeinsame Andacht, die Verlesung und Erläuterung der Schulordnung, sowie durch die Aufnahme und Verpflichtung von acht neu eintretenden Schülern.
Donnerstag den 31. Oktober wurde der Unterricht aller Klassen um 10 Uhr vormittags geschlossen. Hierauf versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Turnhalle, um in herkömmlicher Weise durch Bibellektion, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Refor- mation zu begehen. Die festliche Ansprache hielt der Prof. Pfarrer Vogt über die Bedeutung Luthers für das gesamte deutsche Volk.


