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Donnerstag den 16. Mai unternahmen die Schüler der drei oberen Klassen unter Leitung der Herren Oberlehrer Dr. Lange, Dr. Schaefer I, Schenkheld und Ewoldt, sowie des Hilfslehrers Stange eine eintägige Turnfahrt nach dem Römerkastell Saalburg bei Homburg v. d. H., von welcher die Teilnehmer trotz des ungünstigen regnerischen Wetters sehr befriedigt zurückkehrten. Alle übrigen Klassen machten mit ihren Ordinarien Spaziergänge in die nähere und weitere Um- gebung Marburgs.
Der am 22. Mai zu Fulda abgehaltenen 20. Hauptversammlung von Lehrern höherer Schulen der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck wohnten vier Lehrer unseres Gymnasiums an.
Die diesjährigen Pfingstferien dauerten vom 2. bis zum 5. Juni.
Vom 5. Juni an war der wissensch. Hilfslehrer Stange zu einer achtwöchentlichen militärischen Übung eingezogen. Da dem Kgl. Prov.-Schulkollegium zu Cassel ein Lehrer des Englischen augenblicklich nicht zur Verfügung stand, so wurde mit der Vertretung im Turn- unterricht der wissenschaftl. Hilfslehrer Friedrich Engelhardt*) aus Ziegenhain beauftragt, welcher seine Thätigkeit am 6. Juni begann und mit dem Anfang der Sommerferien beendigte. Der englische Unterricht musste in dieser Zeit ausfallen.
Am 7. Juni gelangte endlich nach umständlichen, jahrelangen Verhandlungen, welche zeitweilig sogar zu einem Prozess zwischen dem Fiskus und dem Färbermeister Estor als dem Besitzer des Nachbarhauses geführt hatten, der Zweifel über den Besitz des an der Ostseite des Anstaltsgebäudes hinlaufenden Gässchens zum gütlichen Austrag, indem der Nachbar gegen eine Geldentschädigung alle bisher von ihm in Anspruch genommenen Rechte an dem Gässchen unter Ubernahme gewisser weiterer Verpflichtungen an den Gymnasialfiskus übertrug.
Freitag den 14. Juni fiel wegen der an diesem Tag stattfindenden Berufs- und Gewerbe- zihlung im deutschen Reich der Unterricht in allen Klassen aus.
Mittwoch den 3. Juli erschien der Geh. Reg.-Rat Dr. Lahmeyer in Begleitung des Kgl. Regierungsbaurats Waldhausen aus Cassel, um unter Führung der Lokalbaubeamten eine Be- sichtigung des Erweiterungsbaues vorzunehmen und einige von dem Direktor angeregte Anderungen an dem Bauplan zu besprechen.
Die vierwöchentlichen Sommerferien dauerten vom 6. Juli bis zum 3. August.
An der 25 jährigen Gedenkfeier des Tages von Sedan, welche von der Bevölkerung unserer Stadt in grossartiger Weise begangen wurde, beteiligte sich auch unsere Anstalt in hervorragender Weise. Zunächst wohnte das Lehrerkollegium am 1. September dem von den städtischen Be- hörden veranlassten Festgottesdienst in der lutherischen Pfarrkirche und dem sich anschliessenden feierlichen Zuge nach dem Friedhof zu den Gräbern der Kämpfer von 1870 bei. Frühmorgens am 2. September führte sodann das Trommler- und Pfeifer-Corps der Schüler, begleitet von Primanern mit den Schulfahnen, unter der Leitung des Pedellen Pohle, in gewohnter Weise einen Weckruf
*) Friedrich Engelhardt, geb. zu Cassel am 16. August 1863, besuchte daselbst von 1870— 1873 die höhere Bürgerschule, war dann Schüler eines Privatinstituts in Ziegenhain und trat Ostern 1878 in die Obertertia des Kgl. Gymnasiums zu Hanau ein, welches er Ostern 1883 mit dem Zeugnis der Reife verliess, um in Marburg Philologie und Geschichte zu studieren. Am 4. Mai 1888 bestand er die Prüfung pro fac. docendi und absolvierte das Probejahr am Kgl. Gymnasium zu Weilburg. Danach genügte er in München seiner Militär- pflicht und war in den Jahren 1890— 1894— abgesehen von zwei militärischen Übungen von je acht Wochen— als Privat- und Hauslehrer thätig. Vom 1. Mai bis zum 15. August 1894 vertrat er einen erkrankten Lehrer in Oberlahnstein, besuchte sodann von Oktober 1894 bis März 1895 die Kgl. Turnlehrer-Bildungsanstalt in Berlin und wurde hierauf durch Verf. des Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 10. Mai 1895 mit der Vertretung des Hilfslehrers Stange vom 4. Juni bis zum Beginn der Sommerferien beauftragt.


