Jahrgang 
1895
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Am 29. und 30. März wurde mit 32 Untersekundanern die mündliche Abschluss- prüfung unter dem Vorsitz des unterz. Direktors abgehalten. Ein grösserer Teil der Prüflinge konnte völlig oder in einzelnen Fächern von der mündlichen Prüfung befreit werden. 30 der- selben erhielten das Zeugnis über die Versetzung nach Obersekunda und damit zugleich das Zeugnis über die Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. 6 der Versetzten traten aus, um sich einem praktischen Berufe zu widmen.

Montag den 1. April fiel wie in allen preussischen Schulen mit Allerhöchster Ermächtigung aus Anlass des achtzigsten Geburtstages des Fürsten von Bismarck der Unterricht aus, nachdem Sonnabend den 30. März in der letzten Vormittagsstunde die Schüler sich in der Turnhalle versammelt und durch eine patriotische Ansprache des Professors Loeber auf die Bedeutung des Tages hingewiesen waren.

Donnerstag den 4. April fand in der Turnhalle von Nachm. 3 Uhr an eine öffent- liche Prüfung, bestehend in einem schulmässigen Turnen mehrerer Klassen, sowie ein Schauturnen des am Gymnasium bestehenden Schülerturnvereins statt. Der Turnlehrer Witt führte den ausserordentlich zahlreich erschienenen Angehörigen der Schüler und Schulfreunden den systematischen Aufbau einer Ubungsgruppe der Klassen Quinta und Sexta vor, welche Hantelübungen und sodann Übungen am Reck zur Ausführung brachten. Ihnen schlossen sich unter Leitung des Dr. Spindler die Klassen Unter- und Obertertia mit einer ebenfalls systematisch ausgewählten Reihe von Übungen am Pferd an. Die dann folgenden Vorführungen des Schülerturnvereins, geleitet von dem Unterprimaner Gramer, legten sowohl in den Frei- und Ordnungsübungen, wie in den UÜbungen an den verschiedensten Geräten und endlich im Kürturnen ein höchst erfreuliches Zeugnis dafür ab, mit welchem Eifer und mit welch schönem Erfolg die körperliche Ausbildung der Schüler an unserm Gymnasium gepflegt wird. Zu seiner besonderen Freude konnte daher der Direktor am Schluss der Vorstellung an 14 von den beiden Turnlehrern ausgewählte Schüler aller Klassen, welche sich durch ihre Leistungen besonders ausgezeichnet hatten, Bücher patriotischen Inhalts als Prämien austeilen, deren Mehr- zahl ihm, wie in früheren Jahren, von einigen»Freunden des Turnens und des Gymnasiums«, welche nicht genannt sein wollen, zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt waren, während der Betrag zu einem grösseren Preis für den Leiter des Schüler-Turnvereins von einem früheren Mitgliede dieses Vereins gestiftet worden war. Der Direklor liess die betr. Schüler vortreten und übergab ihnen die für sie bestimmten Bücher mit einer Ansprache, welche mit einem dreifachen Gutheil! auf Se. Majestät den Kaiser als den hohen Förderer jeder Art von körperlicher Aus- bildung der Jugend schloss.

Die gesundheitlichen Verhältnisse unserer Schüler während des verflossenen Schuljahres können als im ganzen befriedigende bezeichnet werden. Ein Gleiches kann leider nicht von den Lehrern gesagt werden. Nachdem nämlich schon im Sommer 1894 mehrere derselben für kürzere Zeit wegen Unwohlseins ihre Thätigkeit hatten unterbrechen müssen, und nachdem der Oberlehrer Dr. Schäfer, wie oben erwähnt, auf ärztliche Anordnung sich sogar für das ganze 3. Quartal hatte beurlauben lassen müssen, wurde, ungefähr um dieselbe Zeit wie in den drei vorher- gehenden Jahren, Ende Januar 1895 abermals von der Influenza und von rheumatischen Leiden eine grosse Anzahl Lehrer ergriffen und zwar die Herren Euler, Schäfer, Wilhelmi, Loeber, Witt und Vogt zum Teil so heftig und anhaltend, dass an einem Tage zugleich 7, an mehreren 6, während vieler Wochen aber 4 und 5 Lehrer teilweise unter schweren Rückfällen erkrankten und der ganze Unterrichtsbetrieb bis zum Schluss des Schuljahrs und namentlich die Abhaltung der umfangreichen Prüfungen aufs empfindlichste gestört wurde. Da die Kräfte