Jahrgang 
1895
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der Direktor in der letzten Vormittagsstunde die evangelischen Lehrer und Schüler in der Turn- halle, um nach einer kurzen Ansprache 10 von ihm gestiftete Exemplare der Festschrift von Rogge zu verteilen und zwar an je einen Schüler der 10 Klassen.

Montag den 17. Dezember gab der unter den Schülern bestehende und von Herrn Musikmeister Noack geleitete Musikverein in der Aula der höheren Töchterschule eine musi- kalische Abendunterhaltung, welche sich einer sehr wohlwollenden Aufnahme und Anerkennung von Seiten der zahlreich erschienenen Zuhörer erfreute.

Die vierzehntägigen Weihnachtsferien begannen am 22. Dezember mit einer in der Turnhalle abgehaltenen Schlussandacht und dauerten bis zum 7. Januar 1895.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs, welcher in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel. wurde am Tage zuvor Mangels einer Aula mit Genehmigung des Königl. Prov.-Schulkollegiums in dem mit Laubgewinden und der Büste Sr. Majestät geschmückten Saale des Akademischen Museums durch einen Schulakt gefeiert, bei welchem der Vortrag vater- ländischer Gedichte durch Schüler aus allen Klassen mit dem Gesang von Hymnen und Liedern durch den Sängerchor wechselte; hierbei gelangten u. a. zur Aufführung der»Sang an Aegir«, Dichtung und Komposition Sr. Maj. des Kaisers und»Sechs altniederländische Volkslieder« mit verbindendem Text. Die Bibellektion und das Gebet für Se. Majestät sprach der Direktor, die Festrede über die Vaterlandsliebe hielt der Oberlehrer Hohenthal.

In den Tagen vom 18. bis zum 22. Februar fertigten die diesjährigen Abiturienten die schriftlichen Arbeiten der Reifeprüfung an. Ebenso schrieben in den Tagen vom 4. bis zum 8. März die in die Prüfung eintretenden Schüler der Untersekunda die Arbeiten für die sog. Abschlussprüfung

Sonnabend den 9. März wurde des Todestages und Freitag den 22. März des Ge- burtstages des Hochseligen Kaisers Wilhelms I. durch eine Ansprache seitens der Ordinarien in ihren Klassen gedacht.

Am 22. März gab der Sängerchor des Gymnasiums unter Leitung des Gesanglehrers Funk und unter Mitwirkung der Jägerkapelle zum Besten des am Gymnasium neugegründeten Stipendiums»Stiftung früherer Schüler« in der Aula der höheren Mädchenschule ein äusserst zahlreich besuchtes Konzert, bei welchem unter anderm der»Sang an Aegir« und Schillers Lied von der Glocke, komponiert von A. Romberg, zur Aufführung gelangten. Der Vortrag sowohl der Chöre als der Einzelsänge zeugte von dem grossen Fleisse und der Hingebung der Sänger an ihre Aufgabe und fand ebenso wie die Leitung der ganzen Aufführung den wohlverdienten Beifall der Zuhörer. Der schönste Lohn für die Aufführenden aber war es doch, dass sie als Reinertrag die beträchtliche Summne von 75 Mk. 35 Pfg. dem Stipendium zuweisen konnten. Hierfür sei allen Mitwirkenden auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen.

Am 26. und 27. März wurde unter dem Vorsitz des unterz. Direktors, welcher durch Verf. des Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 18. März mit Wahrnehmung der Geschäfte des König- lichen Kommissarius beauftragt worden war, die mündliche Entlassungsprüfung abge- halten, an deren Schluss 27 Oberprimanern das Zeugnis der Reife zuerkannt wurde. Fünf der- selben konnten auf Grund ihrer Schulleistungen und der schriftlichen Prüfungsarbeiten, sowie ihrer sittlichen Führung während ihrer Lehrzeit in der Prima von der mündlichen Prüfung be- freit werden. Am folgenden Tage wurden diese 27 Abiturienten, nachdem deren Primus Ludwig Deubner der Schule und allen ihren Angehörigen in warmgefühlten Worten seinen und seiner Mitschüler Dank ausgesprochen und ein herzliches Lebewohl zugerufen hatte, von dem l)irektor mit einem freundlichen Abschiedsworte entlassen.