Jahrgang 
1895
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Während des Sommers begannen die Vormittagsstunden der 8 oberen Klassen um 7, die der Quinta und Sexta um 8 Uhr.

Der am 2. Mai zu Frankfurt a. M. abgehaltenen 19. Hauptversammlung von Lehrern höherer Schulen der Provinz Hessen-Nassau und der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont wohnten 4 Lehrer unseres Gymnasiums an.

Die diesjährigen Pfingstferien dauerten vom 13. bis zum 16. Mai. Nach dem Ende der- selben nahm der Oberlehrer Reinhard am 17. Mai seinen Unterricht wieder auf.

Mit dem 17. Mai begann für unsere Anstalt die langersehnte Zeit der Vergrösserung und bezw. des Umbaues des Schulgebäudes, damit aber zugleich eine Zeit vielfacher, freilich un- vermeidlicher Störungen, namentlich durch die notwendige Einschränkung in der Benutzung der während der Ubergangszeit verfügbar gebliebenen Räume. Nachdem die Vorlage der Staats- regierung, betr. den Erweiterungs- und Umbau unseres Gymnasiums von den beiden Häusern des Landtages angenommen und eine erste Baurate von 75000 Mk. für das Jahr 1894 bewilligt worden war, begannen am 17. Mai die Vorarbeiten für den Bau provisorischer Schüleraborte auf dem Turnplatz, welcher hierdurch, sowie durch die hieran sich anschliessende Errichtung eines Bau- zaunes trotz seines schon an und für sich für eine grosse Anstalt wie die unsere durchaus nicht mehr genügenden Umfangs noch um ein Drittel verkleinert wurde. Die nächste unan- genehme Folge hiervon war, dass die bis dahin so eifrig gepflegten Turnspiele von da an nicht mehr in der bisherigen Ausdehnung getrieben werden konnten. Die Leitung des Erweiterungs- und Umbaues liegt in den bewährten Händen des Kgl. Baumeisters Neuhaus.

Am 18. Mai starb an einer infolge einer Diphtheritisoperation eingetretenen Herzschwäche der Quintaner Karl Stern von hier, ein fleissiger, braver Schüler, welchen Lehrer und Schüler seiner Klasse am folgenden Sonntag zu seiner letzten Ruhestätte begleiteten.

Da in der ersten Hälfte des Juni mit dem Abbruch des am 1. Oktober 1887 vom Gymnasium für 18 000 Mk. angekauften alten städtischen Schulhauses begonnen werden sollte, so musste schon am Schluss der letzten Tage des Mai mit der Verlegung der beiden bisher in dem alten Gebäude untergebrachten Klassen Quinta und Sexta, für welche die Baubehörde trotz aller angewandten Mühe keine geeigneten Lokalitäten in der Stadt hatte finden können, in das Hauptschulgebäude vorgegangen werden. Bei der geringen Zahl der in diesem zu Gebote stehenden Räume liess es sich hierbei nicht vermeiden, dass eine Klasse, so gut es ging, in der Aula untergebracht wurde.

Am 14. Juni wurde mit dem Abbruch des früheren städtischen Schulhauses begonnen. Die nun folgenden Fundamentierungsarbeiten waren mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, da die alten Festungsmauern, auf welchen das Schulhaus gestanden hatte, zum teil weggesprengt und die Grundmauern für den neuen Flügelbau, welcher zum grössten teil in den früheren Festungsgraben zu stehen kam, bis zu der ungewöhnlichen Tiefe von 81½ Metern in den Boden gelegt werden mussten.

Am 15. Juni beging die Schule in der letzten Morgenstunde die Gedächtnisfeier für Se. Majestät den Hochseligen Kaiser Friedrich III. durch eine liturgische Andacht; die Gedächtnis- rede hielt Oberlehrer Dr. Lange.

Sofort am ersten Tage der vierwöchentlichen Sommerferien, welche mit dem 1. Juli ihren Anfang nahmen, begannen die Zimmerleute eine Decke durch den Aulasaal zu legen, welcher nach dem neuen Bauplan zu mehreren für die Zwecke des naturwissenschaftlichen und physikalischen Unterrichts bestimmten Räumen umgebaut werden wird.

Zu der Reifeprüfung des Michaelistermins hatten sich 4 Oberprimaner gemeldet. Das Königl. Prov.-Schulkollegium zu Cassel wies ausserdem noch 10 Extraneer, und zwar 6 Real- Abiturienten und 4 Nichtschüler,(von welchen letzteren aber einer sich gar nicht einstellte), dem