Noch während der Osterferien gelanete die erfreuliche Nachricht hierher. dass der Herr Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten den bisherigen Oberlehrern Pfr. Vogt, Loeber und Dr. Wilhelmi das Prädikat Professor verliehen habe.
Am 7. Mai langte ein Diplom des Herrn Ministers an, des Inhalts, dass Se. Maj. der Kaiser durch Ordre vom 10. April dem Professor Dr. Weidenmüller den Rang der Räte vierter Klasse verliehen habe.
Der am 10. Mai in Homburg v. d. Höhe abgehaltenen Hauptversammlung des Vereins von Lehrern höherer Schulen der Provinz Hessen-Nassau und der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont wohnte 1 Lehrer unseres Gymnasiums an.
Die diesjährigen Pfingstferien dauerten vom 21. bis 24. Mai. Mit dem Ende der- selben nahm der Oberlehrer Dr. Euler am 25. Mai seinen Unterricht wieder auf.
In der Frühe des 30. Mai entschlief sanft in dem hohen Alter von 88 Jahren der lang- jährige Direktor unseres Gymnasiums, der ehrwürdige Nestor der hessischen Gymnasiallehrer, Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Friedrich Münscher. Nach einem reichgesegneten Leben als Lehrer und Direktor trat derselbe am 1. Oktober 1884 auf sein Nachsuchen in den wohlverdienten Ruhe- stand und verlebte seitdem den Rest seines Lebens in unserem Marburg, der von ihm so sehr geliebten Vaterstadt, eifrig beschäftigt mit einer Geschichte von Hessen, deren Vollendung er sich als seine letzte Lebensaufgabe gesetzt hatte. Kurz vor Erreichung dieses Zieles entsank der müden Hand die Feder; doch konnte das von Freundeshand zum Abschluss gebrachte Werk bald nach dem Heimgang des Verfassers im Druck erscheinen. Am Nachmittag des 2. Juni geleiteten die Lehrer des Gymnasiums und die Schüler der oberen Klassen den Mann, welcher 35 Jahre lang an der Spitze der Anstalt gestanden hatte, zu seiner letzten Ruhestätte. Sein Andenken wird an unserer Schule stets in hohen Ehren bleiben.
Vom 1. Juni an musste der Oberlehrer Dr. Schäfer auf ärztliche Anordnung wegen Ausbruchs einer ansteckenden Krankheit in seiner Familie den Unterricht für mehrere Wochen unterbrechen. Zum Glück konnte seine Lehrstunden der durch den Wiedereintritt des Dr. Euler frei gewordene Hilfslehrer Zülch vertreten.
Donnerstag den 16. Juni beging das Gymnasium in der letzten Unterrichtsstunde des Vormittags die Gedächtnisfeier des Todes Weiland Sr. Maj. des Kaisers Friedrichs III.
Die diesjährigen Sommerferien dauerten vom 2. bis zum 31. Juli. Mit dem Anfang derselben beschloss der Hilfslehrer Zülch seine Lehrthätigkeit am hiesigen Gymnasium, um nach den Sommerferien eine Vertretung am Fürstlichen Gymnasium in Corbach zu übernehmen.
Am 14. Juli reichte der Oberlehrer Hohenthal, welcher die Wiederherstellung von seinen Leiden in der Heilanstalt Brunnthal bei München gesucht hatte, ein von dem An- staltsarzte begründetes und unterstütztes Gesuch um Verlängerung seines Urlaubs bis zu Ende September d. Js ein. Am 27. Juli genehmigte die vorgesetzte Behörde dies erneute Gesuch und beauftragte den Hilfslehrer Bosse mit der ferneren Vertretung des erkrankten Kollegen.
Dienstag den 15. August wurde das herkömmliche Waldfest in den herrlichen Anlagen des Dammelsbergs in Anwesenheit zahlreicher Eltern und Angehörigen der Schüler beim herr- lichsten Wetter gefeiert. Lehrer und Schüler, das Trommler- und Pfeiferkorps voran, begaben sich kurz nach 2 Uhr nachmittags in festlichem, fahnengeschmückten Zuge vom Turnplat⸗ aus durch die Strassen der Stadt nach dem Festplatz, wo sich alsbald unter Jugendspielen, Turnvorführungen einzelner Klassen und des Schüler-Turnvereins und Vorträgen des Sänger- chors das fröhlichste Treiben entfaltete. Erst bei beginnender Dunkelheit ordnete sich der Fest-


