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III. Chronik des Gymnasiums.
Nachdem Montag den 10. April die Prüfung der neu angemeldeten Schüler stattgefunden hatte, wurde am Dienstag den 11. April vormittags 7 ½ Uhr das neue Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet, an welche sich die Verlesung und Erläuterung der Schulgesetze und sodann die feierliche Aufnahme und Verpflichtung von 58 neu eintretenden Schülern anschloss.
Auf Anordnung des K. Prov. Schulkollegiums vom 20. März wurden infolge der Ein- führung der mitteleuropäischen Zeit die Unterrichtstunden des Morgens von 7 ½— 11 ½, die des Nachmittags von 2 ½— 4 ½ Uhr gehalten.
Da der Oberlehrer Dr. Euler vom 10. April an zu einer sechswöchentlichen militärischen Dienstleistung einberufen war, so wurde von K. Prov. Schulkollegium der Kandidat Wilhelm Bosse*) aus Rinteln vom 1. April an dem Gymnasium zur Versehung einer Oberlehrerstelle bis auf weiteres überwiesen und trat gleich nach dem Schulanfang am 13. April seinen Dienst an.
Leider waren aber auch zwei andere Lehrer, nämlich die Oberlehrer Hohenthal und Dr. Weingärtner, und zwar durch Krankheit an der Unterrichtserteilung verhindert. Ersterem wurde auf sein Nachsuchen zunächst ein Urlaub bis zu den Sommerſerien, letzterem, welcher schon während des vorhergehenden Winterhalbjahres wegen ernstlicher Erkrankung hatte vertreten werden müssen, durch den Hrn. Minister ein Urlaub für die Dauer des ganzen Sommerbalbjahres bewilligt. Zur Vertretung des letzteren Lehrers blieb der Hilfslehrer Dr. Uckermann, welcher bisher schon(s. das Programm von 1893 S. 25!) mathematischen Hilfsunterricht am Gymnasiam erteilt hatte, auch noch für das Sommerhalbjahr in seiner bisherigen Thätigkeit. Zu weiterer Aushilfe beauftragte das K. Prov. Schulkollegium den Wiss. Hilfslehrer Hermann Zülch**) von Orb, welcher am 20. April seine Lehrthätigkeit begann.
Mit dem Beginn des neuen Schuljahres trat der Kandidat des höheren Schulamts, Dr. Rich. Pappritze**) aus Berlin, zur Ableistung des pädagogischen Probejahres beim Gymnasium ein.
*) Wilhelm Bosse, geb. am 19. März 1861 zu Burg bei Bremen, evangelischer Konfession, besuchte vom Sommer 1870 an das Progymnasium zu Eschwege, von Ostern 1875 an das K. Gymnasium zu Rinteln von welchem er Ostern 1880 mit dem Zeugnis der Reife entlassen wurde. Zum Studium der alten Sprachen, des Deutschen, der Geschichte und Geographie besuchte er die Universitäten München, Leipzig, Bonn, Halle und Marburg. Nachdem er dann zu Marburg im Juli 1886 die Prüfung pro fac. docendi bestanden und sein pädagogisches Probejahr am K. Gymnasium zu Rinteln abgeleistet hatte, war er in den Jahren 1887— 1892 als Hilfslehrer an dem Gymnasium zu Rinteln, an dem Realgymnasium zu Wiesbaden und an den beiden Gymnasien zu Kassel thätig und wurde durch Verf. vom 8. April 1893 dem hiesigen Gymnasium zur Aushilfe überwiesen.
**) Hermann Zülch, geb. am 26. August 1862 zu Cassel, evangelischer Konfession, besuchte das Gymnasium zu Marburg und studierte seit Ostern 1882 zu Marburg und Strassburg Geschichte und klassische Philologie. Im Juli 1886 bestand er die Prüfung pro fac. docendi. genügte bis zum Herbst 1887 seiner Militär- pflicht und leistete im darauf folgenden Jahr an der Musterschule zu Frankfurt a./M. das pädagogische Probejahr ab. Nach einer längeren Thätigkeit als Hauslehrer und an einer Privatschule im Ausland wurde er durch Verf. des K. Prov. Schulkollegiums zu Cassel vom 14. April 1893 dem hiesigen Gymnasium als Hilfslehrer zuge wiesen.
rr) Richard Pappritz, geb. am 17. August 1867 zu Radach in der Prov. Brandenburg. evangelischer
Konfession, wurde 1887 von dem Priedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Berlin mit dem Zeugnis der Reife entlassen und studierte zu Freiburg und Berlin Geschichte und klassische Philologie. Nachdem er an der Universität zu Leipzig zum Doktor der Philosophie promoviert war, bestand er am 9. Februar 1892 zu Berlin die Prüfung pro facultate docendi, gehörte sodann von O. 1892 bis O. 1893 dem pädagog. Seminar am K. Gymnasium zu Wies- baden an und wurde durch Verf. des K. Prov. Schulkollegiums zu Cassel vom 6. April 1893 dem hiesigen Gym- nasium zur Ableistung des pädagogischen Probejahres überwiesen.


