Jahrgang 
1887
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Am Nachmittag des 10. August fand die wegen der Ungunst der Witterung so weit hinausgeschobene Feier des sog. Frühlingsfestes statt. In herkömmlicher Weise zogen die Lehrer und Schüler mit Musik und Fahnen zu dem herrlichen Eichwald des Dammelsberges hinauf, wo sich alsbald in Anwesenheit der zahlreich erschienenen Eltern und Angehörigen der Schüler ein fröhliches Treiben entwickelte, zu welchem die Musikkapelle der Gymna- siasten durch den Vortrag einiger Musikstücke, der Sängerchor durch vortrefflich einge- übte Chorgesänge und endlich der unter den Schülern bestehende Turnverein durch ein sehr gut ausgeführtes Schauturnen nicht zum wenigsten beitrugen. Zu allgemeinem Be- dauern nötigte ein gegen Abend hereinbrechendes Gewitter, dessen Nahen man in dem dichten Eichwald nicht zeitig hatte bemerken können, das schöne Fest vor der bestimmten Zeit abzubrechen und möglichst rasch zur Stadt zurückzukehren. Auf dem Marktplatz nah- men die Schüler noch einmal Aufstellung, mussten aber nach dem durch den Direktor aus- gebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser vor dem nunmehr in aller Furchtbarkeit losbrechenden Unwetter alsbald auseinanderflüchten und in allen nahegelegenen Häusern den nötigen Schutz suchen.

Die schriftliche Entlassungsprüfung dauerte vom 16. bis zum 21. August. Derselben unterzogen sich 9 Oberprimaner.

Am Dienstag den 17. August wurde im Anschluss an die Morgenandacht eine Ge- denkfeier an den hundertjährigen Todestag Friedrichs des Grossen abgehalten; eine An- sprache des Direktors legte den Schülern die hohe Bedeutung des Tages ans Herz.

Am 19. August unternahmen die Schüler der beiden Primen und Sekunden in Be- gleitung von 7 Lehrern eine Turnfahrt nach Bad Wildungen und Fritzlar, von welcher die Teilnehmer am Abend sehr befriedigt zurückkehrten.

Donnerstag den 2. September feierte das Gymnasium durch Bibellektion, Gesänge und Deklamationen das Sedanfest. Zum ersten Male musste es sich die Anstalt ver- sagen, an die Angehörigen der Schüler eine Einladung zu dieser Feier ergehen zu lassen: bei der so sehr gewachsenen Schülerzahl ist der beschränkte Raum unserer Aula kaum noch im Stande, Lehrern und Schülern den erforderlichen Platz zu gewähren. Erst der in Aussicht stehende Um-, bezw. Erweiterungsbau der Anstaltsgebäude wird hierin die nötige Abhilfe schaffen. In diesem Jahre hielt der Oberlehrer Dr. Weidenmüller die Festrede über »Die Bestrebungen Kaiser Heinrichs VI. um Einführung der erblichen Kaiserwürde. Am Nachmiftage des Festtages machten sämtliche Klassen unter Führung der Ordinarien Spaziergänge in die Umgebung der Stadt und vergnügten sich an Turnspielen und Gesängen.

Sonntag den 5. September begingen die evangelischen Lehrer und konfirmierten Schüler dem Herkommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten oder luthe- rischen Kirche die Feier des heiligen Abendmahles.

In der zweiten Hälfte des August, sowie im Anfang des September musste der grossen Hitze wegen der Nachmittagsunterricht an mehreren Tagen ausgesetzt werden.

Donnerstag den 16. September wurde unter dem Vorsitz des Herrn Prov.-Schul- rats Dr. Lahmeyer aus Kassel die mäündliche Entlassungsprüfung abgehalten,