Jahrgang 
1885
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Gymnasiallehrer Franz Schenkheld*). Nachdem sodann der dem Gymnasium zur Ab- leistung des pädagogischen Probejahres zugewiesene Kandidat des Höhern Schulamts Wil- helm Wolters aus Emmerich den Lehrern und Schülern vorgestellt war, verlas der Direktor die Schulordnung des Gymnasiums und verpflichtete 13 neu eintretende Schüler auf dieselbe durch Handschlag.

Freitag, den 31. Oktober, wurden die Lektionen um 10 Uhr morgens geschlossen. Darauf versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula, um durch Bibellektion. Gebet. Gesang und eine Ansprache des Direktors die Feier des Refor- mationsfestes zu begehen.

In den Tagen vom 29. November bis zum 5. December fertigten die Primaner zum zweiten Mal in diesem Jahre sog. Tentamen-Arbeiten unter Aufsicht ihrer Lehrer an.

Durch Verfügung Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 15. November war der Kandidat des Höhern Lehramts Dr. Max Kleinschmit von hier dem Gymnasium von Ostern 1885 an zur Ableistung des pädagogischen Probejahres zugewiesen worden. Nachdem Kgl. Prov.-Schulkollegium auf die Bitte des Kandidaten qurch Beschluss vom 25. November demselben das Hospitieren beim Unterricht schon für das laufende Semester gestattet hatte, wurde derselbe in der Wochenandacht vom 6. December den Lehrern und Schülern vor- gestellt und hat von dieser Zeit an dem Sprach- und Geschichtsunterricht in verschiedeuen Klassen angewohnt.

Montag, den 22. December abends 6 Uhr wurde im hiesigen Gymnasium zum ersten Mal in der mit mehreren, zum teil von einem Schüler angefertigten Weihnachts-Trans- parenten und mit zwei brennenden Christbäumen geschmückten Aula durch den Direktor eine liturgische Weihnachts andacht abgehalten. Die vierzehntägen Weihnachts- ferien dauerten vom 23. December 1884 bis zum 7. Januar 1885.

Am 13. Januar wurden die Lektionen schon um 11 Uhr vormittags geschlossen, um den Lehrern und den Schülern der oberen Klassen die Teilnahme an der an diesem Tage stattfindenden akademischen Grimm-Feier zu ermöglichen, bei welcher der ord. Pro- fessor Dr. Lucae die Festrede über Jakob Grimm hielt.

Dem Probekandidaten Wolters, welcher wegen eines Halsleidens schon vor Christ- tag wiederholt seine Beschäftigung hatte aussetzen müssen, wurde auf sein desfallsiges Gesuch von Kgl. Prov.-Schulkollegium durch Beschluss vom 17. Januar gestattet, die Ab- leistung des pädagogischen Probejahrs bis zu Ostern d. J. zu unterbrechen.

*) Franz Schenkheld, geb. am 24. Januar 1852 zu Rodenberg(Kreis Rinteln), besuchte das Gymnasium zu Kassel und studierte von Ostern 1870 an zu Marburg und Leipzig klassische Philologie. Er bestand im Sommer 1874 an ersterer Universität die Prüfung pro facultate docendi, absolvierte das pädagogische Probejahr am Gymnasium zu Wiesbaden(Mich. 1874 bis Mich. 1875) und wurde dann mit Versehung einer Lehrerstelle an der Höhern Bürgerschule zu Biedenkopf beauftragt. Von Michaelis 1876 an war er in Hamburg Lehrer an der Talmud-Tora, später an einer Privatschule. Zu Ostern 1876 wurde er dem Kgl. Gymnasium zu Hersfeld als beauftragter Lehrer zugewiesen, am 12. Mai 1882 zum ordentlichen Lehrer ernannt und durch Verfügung Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 6. September 1884 in gleicher Eigenschaft an das hiesige Gymnasium versetzt.