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In der Woche vom 2. bis zum 7. Februar wurden von 6 Oberprimanern die schrift- lichen Prüfungsarbeiten angefertigt.
Die Aufgabe für den deutschen Aufsatz lautete: Wodurch machen Homers Gedichte einen so tiefen Eindruck auf das menschliche Herz?— Die für den lateinischen Aufsatz: C. Marius reipublicae Romanae et servator et perditor.— Für die Übersetzung aus dem Griechischen ins Deutsche war aus- gewählt: Xenoph. Hellen. II, 2, 6— 9 med., für die hebräische Arbeit: I. Samuel, XVI, V. 1— 4.— Die mathematischen Aufgaben waren folgende: 1) Die Arbeiter in einer Fabrik bekamen insgesamt 48 Mark Tagelohn. Nachdem 10 Arbeiter entlassen und der Tagelohn der übrigen um je 20 Pf. ver- mindert war, betrug der gesamte Tagelohn noch 30 M. Wie viel Arbeiter waren anfangs vorhanden, und wie viel betrug der Tagelohn eines jeden?— 2) Einem gegebenen Kreise ein rechtwinkliges Dreieck von gegebenem Flächeninhalt zu umschreiben.— 3) Von einem Dreieck kennt man die Halbierungs- linie eines Winkels(wa= 4) und die von ihr auf der Gegenseite gebildeten Abschnitte(u= 3; v= 2). Wie gross ist der Winkel?— 4) Um einen Würfel von 144 dqm Oberfläche ist eine Kugel beschrieben. Wie gross ist deren Oberfläche und Volumen?
Sonnabend den 7. März wurde unter dem Vorsitz des Herrn Prov.-Schulrats Dr. Lah- meyer aus Kassel die mündliche Entlassungsprüfung abgehalten, in welcher die fünf zu derselben zugelassenen Aspiranten das Zeugnis der Reife erhielten.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde, da der eigentliche Festtag selbst auf einen Sonntag fiel, am vorhergehenden Sonnabend den 21. März in der mit Fahnen und Kränzen geschmückten Aula durch einen Redeakt, sowie durch Gesänge und Deklamationen der Schüler in solenner Weise gefeiert. Die Festrede über»die Pflege patriotischen Sinnes durch die Schule« hielt Dr. Weingärtner. Un- mittelbar an diese Feier schloss sich die Entlassung unserer 5 Abiturienten, deren Primus Buchrucker in einer lateinischen Rede über Demosthenes' Vaterlandsliebe von der Schule Abschied nahm. Darauf richtete der Direktor an die Scheidenden die Mahnung, dass sie des schönen Kampf- und Friedenswortes unseres Volkes»Mit Gott für König und Vater- land!« stets eingedenk bleiben und in seiner Bethätigung zugleich ihre Dankbarkeit gegen Gott, gegen den König und das Vaterland, gegen Eltern und Schule beweisen möchten. Diese Schulfeierlichkeit erfreute sich eines zahlreichen Besuches von Angehörigen der Schüler und Freunden der Anstalt,
Mit dem Schluss dieses Schuljahres steht der Anstalt ein Verlust bevor, dessen Grösse Lehrer und Schüler gleichmässig schon jetzt empfinden. Durch Allerhöchste Ent- schliessung Sr. Majestät des Kaisers und Königs ist nämlich der Oberlehrer Dr. August Wiskemann, welcher seine ganze bisherige Lehrthätigkeit von Ostern 1868 bis zum heutigen Tage ununterbrochen der hiesigen Anstalt gewidmet hat, zum Direktor des Fürstl. Waldeck'schen Gymnasiums in Corbach ernannt worden. Indem wir uns mit dem Dr. Wiskemann der für ihn in dieser Berufung liegenden hohen Anerkennung von Herzen freuen, sehen wir doch mit Wehmut einen Kollegen aus unserer Mitte scheiden, welcher nicht allein durch Treue und Gewissenhaftigkeit im Amte, sondern ebenso durch die Biederkeit und Zuverlässigkeit seines Charakters, wie durch die Liebenswürdigkeit seines Wesens die aufrichtige Freundschaft seiner Kollegen und die Anhänglichkeit seiner Schüler sich erworben hat. Daher begleiten ihn, da es geschieden sein muss, unser Aller herzlichste Wünsche in seinen neuen Wirkungskreis.


