Jahrgang 
1925
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Der Unterricht ſtrebte allmähliche Angleichung an die neuen Lehrpläne und Lehrmethoden an. Doch mußten dieſe Beſtrebungen in den Anfängen ſtecken bleiben bei dem ſtarken Wechſel in der Lehrerſchaft, der um ſo ſtörender wirkte, als der Erſatz jedesmal eine oder mehrere Wochen zu ſpät eintraf. Weitere Störungen wurden verurſacht durch Krankheiten, die die Lehrer⸗ ſchaft mehr als in ſonſtigen Jahren heimſuchten. In der ſchriftlichen Reifeprüfung gab es zum letzten Male eine Ueberſetzung ins Lateiniſche.

Der Schulreform diente auch die Einführung neuer Lehrbücher, zunächſt des deutſchen LeſebuchsLebensgut in der von Jakob Kneip bearbeiteten Rheinlandausgabe. Die aus⸗ wendig zu lernenden Gedichte ſeien hier mitgeteilt: In Serta: Schwäbiſche Kunde(Uhland), Die Heinzelmännchen(Kopiſch), Die Lorelei(Heine), Siegfrieds Schwert(Uhland). In Quinta: Des Deutſchen Vaterland(Arndt), Schäfers Sonntagslied(Uhland), Heinrich der Vogler(Vogl), Der Lotſe(Gieſebrecht). In Quarta: Der getreue Eckart(Goethe), Das Grab im Buſento (Platen), Der blinde König(Uhland), Die Bürgſchaft(Schiller), Belſazar(Heine). In Unter⸗ tertia: Frühlingsglaube(Uhland), Der Graf von Habsburg(Schiller), Das Glück von Eden⸗ hall(Uhland), Der Sänger(Goethe), Des Sängers Fluch(Uhland). In Obertertia: Prinz Eugen(Freiligrath), Der Erlkönig(Goethe), Der Taucher(Schiller), Die Kraniche des Ibykus (Schiller), Der Poſtillon(Lenau). In der Unterſekunda: Das Lied von der Glocke(Schiller), Der Fiſcher(Goethe). Für andere, meiſt lyriſche Gedichte wird freie Wahl gelaſſen. Für den Lateinunterricht wird von Oſtern 1926 an das BuchLudus latinus(Verlag Teubner) ein⸗ geführt, zunächſt für Sexta, für den Geſangunterricht DahlkeDas deutſche Lied, Teil 1, 2 u. 4.

IV. Chronik der Anſtalt.

Das Schuljahr begann Dienstag, den 21. April und endete Samstag, den 27. März. Der Beginn des täglichen Unterrichts richtete ſich nach den Fahrſchülern und war im Sommer um 72²⁰, im Winter erſt um 8, dann 8³⁰

Das Schuljahr war reich an Abwechſlung und bedeutungsvollen Ereigniſſen. Am 7. Juni gab Lautenſänger Hunyady ein Schulkonzert: Volkslieder zur Laute; auch Schülerinnen der hie⸗ ſigen Katharinenſchule und Schüler der Volksſchule nahmen an dieſem wie an anderen Konzerten des Gymnaſiums teil. Am 12. Mai wurde die Einführung des neuen Reichspräſidenten Hinden⸗ burg durch eine Schulfeier unter Ausfall des Unterrichts gefeiert; die Anſprache hielt Studienrat Dr. Walters. Sonntag, den 14. Juni fuhren die Oberklaſſen nach Ems(pgl. Abſchnitt IV h). Am 20. Juni wurde die tauſendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zu Deutſchland gefeiert; die Anſprache hielt Studienrat Dr. Kron. Wegen ſtarker Hitze mußte bald nach Pfingſten mehrfach der Vormittagsunterricht gekürzt und der Nachmittag ganz freigegeben werden. Der letzte Schultag vor den Sommerferien war der Vorfeier des Verfaſſungstages gewidmet; die An⸗ ſprache hielt Studienrat Jäger. Alle Schulfeiern wurden durch Gedichtvorträge, Lieder des Gemiſchten Chors, des Männerchors, Einzellieder und Muſikſtücke verſchönt.

Gegen Ende der Sommerferien, am 14. Auguſt 1925 ſtarb nach längerem Leiden Stu⸗ dienrat i. R. Profeſſor Dr. Anton Marx, der 37 Jahre lang, vom Herbſt 1883 bis Oſtern 1921, an unſerm Gymnaſinm gewirkt und ſich durch gediegenes Wiſſen, Pflichteifer und Gerechtig⸗ keitsſinn allgemeines Anſehen bei Schülern wie Erwachſenen erworben hatte. Am erſten Schul⸗ tag nach den Ferien gab die ganze Schule ihm das letzte Geleit. Am 31. Auguſt und 1. Sep⸗