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dann von Seiner Majeſtät dem Hochſeligen Kaiſer Wilhelm I. der Name„Kaiſer Wilhelms Gymnaſium“ durch Allerhöchſte Ordre vom 11. Oktober 1871 huldvollſt verliehen worden. Dieſer Name, ſo fuhr Redner fort, mahne an die Pflicht den patriotiſchen Geiſt in der Schule zu pflegen, damit ſich die Anſtalt ihres hohen Paten ſtets würdig zeige. Mit der vaterländiſchen Geſinnung ſolle ſich wahre Religioſität verbinden, die heute mehr denn je notwendig ſei, um den Geiſt des Umſturzes zu bannen und dem Staate wie der Kirche treue Diener zu erziehen. Es ſei aber jene Religion zu pflegen, die das Herz erfülle und bei allem Feſthalten an dem eigenen Glauben jede Unduldſamkeit fernhalte und nie vergeſſe, daß die Bekenner der getrennten chriſtlichen Konfeſſionen nicht nur in den religiöſen Grundfragen einig, ſondern auch Kinder eines Vaterlandes ſeien. In ſolchem Geiſte die Anſtalt zu leiten ſei die Pflicht des neuen Direktors, dem ein ſchweres und verantwortungsvolles Amt zufalle. Es gelte für ihn nicht nur in der Wiſſenſchaft raſtlos vorwärts zu arbeiten und in allen pädagogiſchen und didaktiſchen Fragen auf dem Laufenden zu ſein, ſondern ſeine Sorge müſſe ſich auch darauf richten, daß innerhalb des Kollegiums der Geiſt friſchen Strebens und einheitlicher gemeinſamer Thätigkeit herrſche. Die Staatsregierung hege zu dem neuen Direktor das Vertrauen, daß er ſeiner Aufgabe ſich in vollem Maße gewachſen zeigen werde. Dann wandte ſich Redner an das Lehrerkollegium, indem er die Bedingungen darlegte, unter denen allein ein geſegnetes Wirken aller ſeiner Mitglieder möglich ſei. Nachdem er darauf ſeiner Freude darüber Ausdruck gegeben hatte, daß das Kuratorium den neuen Direktor einſtimmig gewählt habe, empfahl er dem Kuratorium auch ferner das Blühen und Gedeihen der Anſtalt im Auge zu halten und die Königliche Staatsbehörde zu dem Zwecke ver⸗ trauensvoll zu unterſtützen. Zum Schluß überreichte er dem Direktor die Allerhöchſten Ortes be⸗ ſtätigte Beſtallungs⸗Urkunde. Darauf nahm der Unterzeichnete das Wort. Er opferte zunächſt dem Allmächtigen innigen Dank für die Gnade, daß ihm die Leitung einer ſo wichtigen und blühenden Anſtalt übergeben ſei, dankte ſodann dem Herrn Provinzial⸗Schulrat für ſeine Anweſenheit und ſeinen beherzigenswerten Zuſpruch ſowie auch den Mitgliedern des Kuratoriums, die ihm einmütig ſein neues Amt anvertraut hätten. Nachdem er dann der Verdienſte ſeines Vorgängers um die Anſtalt in ehrender Weiſe gedacht, legte er in kurzen Zügen die Grundſätze dar, nach denen er ſein Amt zu verwalten gedenke, bat ſeine Kollegen das gemeinſame hohe Ziel niemals aus den Augen zu verlieren, forderte von den Schülern Fleiß und Thätigkeit, Pünktlichkeit und Gehorſam, Zucht und Gottesfurcht und er⸗ ſuchte das Elternhaus und die Bewohner der Stadt um Vertrauen und Unterſtützung der Schule. Sodann bewillkommte Herr Dekan Laux im Namen des Kuratoriums und Herr Profeſſor Schmitz im Namen des Lehrerkollegiums den neuen Direktor. Ein Geſang ſchloß die Feier. Nach hergebrachter Sitte macht der Unterzeichnete über ſein Leben folgende Angaben: Franz Joſeph Wahle, geboren am 27. Juli 1844 zu Winterberg in Weſtfalen, be⸗ ſuchte von Herbſt 1858 bis Herbſt 1863 das Gymnaſium zu Brilon und ſtudirte dann 3 Jahre an der Akademie zu Münſter klaſſiſche Philologie und Geſchichte, promovierte dort am 2. März 1867 zum Doctor phil. und legte am 11. November desſelben Jahres die Staatsprüfung ab. Vom 1. Januar 1868 bis 1. Januar 1869 hielt er ſein Probejahr am Gymnaſium zu Paderborn ab und fand daſelbſt auch weitere kommiſſariſche Beſchäftigung, bis er im Herbſt 1869 eine wiſſeenſchaftliche Hilfslehrerſtelle an dem neu gegründeten Progymnaſium zu Montabaur erhielt. Oſtern 1870 wurde er zum ordent⸗ lichen Lehrer und Herbſt 1874 an der mittlerweile zum Gymnaſium erhobenen Anſtalt zum Oberlehrer ernannt. Von Herbſt 1879 bis Oſtern 1880 nahm er an einem Kurſus in der Turnlehrerbildungs⸗ anſtalt zu Berlin teil. Im Frühjahr 1893 erhielt er den Charakter als Profeſſor und den Rang der Räte 4. Klaſſe. Seine Promotionsſchrift handelt:„De imperatore Alexandro Severo.“ Außer⸗


