Jahrgang 
1885
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Caſſel, 22. Nov. Mitteilung einer Miniſterial⸗Verfügung vom 10. November, wonach die Er⸗ holungspauſen zwiſchen den Lehrſtunden nicht unter 40 Minuten uud nicht über 45 Minuten an vollen Schultagen dauern ſollen. Die häuslichen Arbeiten der Schüler ſollen in der Klaſſe gehörig vorbereitet, nicht ſchroff, ſondern mit wohlwollender Anerkennung beurteilt und ſo bemeſſen werden, daß im allgemeinen für Schüler mittlerer Begabung in VI 1 St., in V 1 ½ St., in IV und III2 2 St., in IIIi und II2 2 ½ St., in IIi und I 3 Stunden zur Bewältigung der Aufgaben ausreichen. Die häusliche Beſchäftigung der Schüler darf in keinem Falle als Erſatz deſſen benutzt werden, was die Lehrſtunden bieten können und ſollen, ſondern als Fortſetzung und ergänzender Abſchluß des Erfolges der Lehrſtunden. Das Maximum der Zeitdauer der Lektionen und häuslichen Beſchäftigung zuſammen iſt für die untern Klaſſen 6 Stunden, für die obern 8 Stunden.

Caſſel, 8. December. Mitteilung einer Miniſterial-Verfügung vom 29. Nov., durch welche die Benutzung der Lehrerſeminarturnhalle von Seiten des Gymnaſiums im Winter gegen eine Vergütung von 150. für das Winterſemeſter geſtattet wird.

Caſſel, 28. Jan. 1885. Mitteilung einer Miniſterial-Verfügung vom 17. Jan., gemäß welcher alljährlich ſämtliche Bücher der Lehrerbibliothek zurückgeliefert und eine eingehende Reviſion vorgenommen werden ſoll. Auf die Anſchaffung geeigneter Leſebücher für die Schülerbibliothek ſoll ein beſonderes Augenmerk gerichtet werden.

Caſſel, 30. Jan. Die Lehrſtunden der Kandidaten und nicht angeſtellten Hülfslehrer ſollen ſtets von den Lehrern, denen die betreffenden Stunden zugewieſen ſind, beaufſichtigt werden.

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III. Chronik der Schule.

Das neue Schuljahr begann Donnerstag 24. April mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler, von denen 56 Aufnahme fanden. Sodann wurden vor ſümtlichen Schülern vom Direktor die Schulgeſetze verleſen und erläutert und die neu aufgenommenen Schüler durch Hand⸗ ſchlag zur Beobachtung derſelben verpflichtet.

Der Herr Miniſter verlieh dem Herrn Prorektor Oberlehrer Breuer den TitelProfeſſor, was dem Unterzeichneten durch Verfügung vom 6. April mitgeteilt wurde.

Am 21. Mai wurde der Schulunterricht ausgeſetzt, weil die größere Hälfte der Lehrer an der Verſammlung der Lehrer der höhern Unterrichtsanſtalten in Heſſen⸗Naſſau, welche in dem nah ge⸗ legenen Diez abgehalten wurdo, ſich beteiligte.

Die Pfingſtferien dauerten vom 31. Mai bis zum 8. Juni.

Am 9. Juli wurde unter dem Vorſitze des Herrn Pov.⸗Schulrats Dr. Lahmeier die Abi⸗ turienten⸗Prüfung abgehalten. Sämtliche 6 Examinanden erhielten das Zeugnis der Reife.

Am 16. Juli machten die Schüler in verſchiedenen Abteilungen die herkömmliche Turnfahrt bei ſchönſtem Wetter. Die 3 untern Klaſſen fuhren mit der Bahn nach Sayn und beſichtigten das dortige Schloß und die Mühlenhofer Eiſenwerke. Die Tertia machte einen Ausflug nach dem Sieben⸗ gebirge, insbeſondere dem Drachenfels. Die Sekunda fuhr zum Niederwald und beſichtigte das prächtige Nationaldenkmal. Die Prima endlich verbrachte den Tag im Oberweſterwalde: von Selters an der Wied gings zu Fuß nach Herſchbach, dann mit Leiterwagen zur herrlichen Abtei Marienſtatt