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an der Niſter, wo ſich gegenwärtig eine Erziehungsanſtalt für verwahrloſte Knaben befindet. Da der Direktor der Anſtalt bis vor kurzem noch Subregens des hieſigen Konvikts war und mehrere der fungierenden geiſtlichen Herren Zöglinge unſeres Gymnaſiums ſind, ſo wurden die Klaſſen hier auf das freundlichſte empfangen und mit Muſik(es ſpielte eine Bergmannskapelle) und Geſang der Marienſtätter Zöglinge erfreut. An dem Mittageſſen, während deſſen die Kapelle die ſchönſten Weiſen ſpielte, beteiligten ſich nicht bloß die an der Anſtalt wirkenden Geiſtlichen und Lehrer, ſondern auch noch mehrere geiſtliche Herren aus der Nachbarſchaft, und ſo fehlte es denn nicht an heiteren und ernſten Toaſten, deren erſter natürlich dem Namenspatron unſeres Gymnaſiums, Sr. Majeſtät dem Kaiſer Wilhelm, galt. Ein am Nachmittage plötzlich ausbrechendes Gewitter mit nachfolgendem Regen verzögerte die Rückfahrt um 2 Stunden, und ſo erreichten die Klaſſen erſt ſpät in der Nacht, jedoch wohlbehalten die Stadt Montabaur wieder. Dieſer ſchöne Tag wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben.
Am Schluß des Sommerſemeſter verließ Herr H. Becker, der nach Beendigung ſeines Probe⸗ jahrs noch ½ Jahr am Gymnaſium Aushülfe geleiſtet hatte, die hieſige Anſtalt, um in Metz eine Stelle an einer höheren Privatſchule zu übernehmen.
Die Herbſtferien begannen Freitag 15. Auguſt und endeten mit dem 18. September.
Das Winterſemeſter begann mit einem Beſtande von 248 Schülern, von denen 24 neu auf⸗ genommen waren.
Am 18. October wurde von Seiten des Gymnaſiums in den Sälen des Caſino eine Nach⸗ feier des Tages von Sedan mit Geſang und Deklamationen veranſtaltet. Die Feſtrede hielt der Direktor. Den Nachmittag benutzten die beiden Primen zu Ausflügen nach Limburg und Sayn.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December bis zum 7. Januar.
Seine Majeſtät der Kaiſer geruhten bei dem allgemeinen Ordensfeſte am 18. Januar dem unterzeichneten Direktor den Roten Adlerorden vierter Klaſſe zu verleihen.
Am 17. Februar(Faſtnacht) machten nachmittags ſämtliche Klaſſen mit ihren Ordinarien weitere Spaziergänge und kehrten ſchließlich in den Dörfern der Umgegend ein, wo ſie mit Geſängen und Spielen in heiterer Weiſe ſich bis gegen Abend unterhielten. 3
Am 12. und 13. März wurde das diesjährige Abiturienten⸗Examen abgehalten. Da der Herr Prov.⸗Schulrat zu erſcheinen verhindert war, ſo führte der Direktor den Vorſitz; ſämtliche 20 Abi⸗ turienten beſtanden die Prüfung, 8 wurden von der mündlichen Prüfung dispenſiert. Ueber die Ver⸗ hältniſſe der Abiturienten gibt die nachfolgende Tabelle nähere Auskunft.
Gemäß höherer Verfügung wurde in dieſem Jahre die Feier des Geburtstags Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs am 21. März abgehalten und in herkömmlicher Weiſe auf dem großen Rathausſaale mit Geſängen, Deklamationen und muſikaliſchem Vortrag begangen. Die Feſtrede hielt Herr Gymnaſiallehrer Lückenbach.
Der Geſundheitszuſtand war, abgeſehen von einigen länger dauernden Krankheiten einzelner Schüler, die zum Teil in dem neu erbauten Krankenhauſe der barmherzigen Brüder ſorgſame Pflege fanden, ſowohl bei den Lehrern wie bei den Schülern ein befriedigender. Herr Hülfslehrer Wurm mußte im Dezember drei Tage vertreten werden, da der Tod ſeiner Mutter ihn nach ſeiner Heimat rief. Im Sommer erhielt Herr Marx, im Winter Herr Knoegel einige Tage Urlaub, erſterer, um in Leipzig, letzterer, um in Münſter die Würde eines Dr. philos. zu erwerben.
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