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Gymnaſium zu Mainz von October 1885 bis Mai 1886, ferner an der höheren Bürgerſchule zu Heppenheim von Mai 1886 bis October desſelben Jahres, endlich von October 1886 bis April 1887 wieder am Gymnaſium zu Mainz. In ſeinen hieſigen Dienſt wurde er am 2. Juni 1887 eingewieſen.
Donnerſtag den 16. Juni machten wir unſeren gemeinſchaftlichen Schulausflug nach Ernſt⸗ thal und Waldleiningen. Um auch den Schülern der Unterklaſſen und der Vorſchule dieſen Aus⸗ flug zu ermöglichen, benutzten wir mit dieſen unter Führung von vier Lehrern, denen ſich der Unter⸗ zeichnete anſchloß, die Eiſenbahn bis Kailbach, während die beiden Oberklaſſen und einige Schüler der dritten Klaſſe unter Begleitung der Ordinarien und des Herrn Stadtpfarrer Marguth das Reiſeziel zu Fuß über das Gebirge antraten. Die letzteren brachen ſchon um 6 Uhr morgens auf und er⸗ reichten nach rüſtigem Marſche über Erbuch die Höhe, die ſie dann bis zum Abſtieg in das Wald⸗ leininger Thal verfolgten, während die andern erſt um 8 Uhr abfuhren, in Kailbach 8 ¾ anlangten und von da die ſchöne Parkſtraße mitten durch die herrlichſteu Buchenwaldungen bis Waldleiningen verfolgten, wo ſie bereits die Schüler der Oberklaſſen antrafen. Nachdem nunmehr das Innere des herrlichen Jagdſchloſſes durch die in vier Abteilungen gebrachten Schüler beſichtigt worden war, marſchierten wir zuſammen nach Ernſtthal, wo wir in dem ſchattigen Garten des Gaſthofes uns von unſeren Anſtrengungen erholten und durch Speiſe und Trank erfriſchten. Nachdem der Unterzeich⸗ nete dann die gütige Erlaubnis des Herrn Forſtrat v. Plönnies in Amorbach, den Rückweg durch den Park zu machen, zur Kenntnis des Lehrercollegs und der Schüler gebracht und den ge⸗ bührenden Dank ausgeſprochen hatte, knüpfte derſelbe an die Worte eines Schülers, der im Namen ſeiner Mitſchüler dem Lehrercolleg für ſeine Mühewaltung bei dem heutigen Ausfluge gedankt hatte, an und führte aus, welche wichtigen Zwecke die Schule durch die gemeinſchaftlichen Ausflüge er⸗ reichen wollte. Er kam hierbei zunächſt auf ſeine Worte bei den Ausflügen im Jahr 1883 nach Eberbach und im Jahr 1885 nach Heidelberg zurück, durch die er die Bedeutung der Schulausflüge zur Erreichung der Zwecke der Schule auseinandergeſetzt hatte. Sollen dieſe Ausflüge einen bleibenden Wert haben, ſo dürfen ſie ſich nicht auf die gemeinſchaftliche Wanderung, auf die Einkehr und die Befriedigung der leiblichen Bedürfniſſe beſchränken, ſondern die Schüler müſſen in anderer Weiſe hierbei lernen. Allerdings ſollen dieſe Ausflüge die leiblichen Kräfte der Jugend üben, dieſe an Er⸗ tragung von Hunger und Durſt, an Hitze und Unbill der Witterung gewöhnen, ſie gewöhnen an Pünktlichkeit und Ordnung, an Zucht und Folgſamkeit, an Einhaltung aller der Anordnungen, die bei ſolchen Ausflügen nötig ſind; ganz beſonders aber ſollen die Schüler lernen, mit geiſtigen Augen anzuſchauen. In der Schule ergeht ſich zwar der Geiſt nach den mannigfaltigſten Richtungen, allein es bleibt ihm manches unklar, weil ihm die Anſchauung fehlt. Namentlich können auf ſolchen Aus⸗ flügen ſehr wertvolle Auſchauungen in geographiſcher und topographiſcher, in naturkundlicher und beſonders in hiſtoriſcher Richtung gewonuen werden, die durch nichts anderes zu erſetzen ſind. Der Unterzeichnete wies nunmehr in kurzen Zügen nach, welche geiſtige Anſchauungen in geographiſch⸗ hiſtoriſcher Beziehung der heutige Ausflug biete. Er führte aus, daß der Ausflug ſo recht deutlich den Charakter des ſüdöſtlichen Teiles des Odenwaldes darlege: lang geſtreckte, waſſerreiche Thäler zwiſchen ſchön bewaldeten Höhenzügen, die nach Norden ſich erſtreckenden Thäler der Mümling und der Zuflüſſe der Mudau, und das nach Süden hinziehende Thal der Itter. Er verweilte dann bei der hiſtoriſchen Seite des Ausflugs, indem er der Kaſtelle zu Schloſſau und Heſſelbach gedachte, die nach den neueſten Unterſuchungen von Schäfer und Dieffenbach allerdings nur Signaltürme auf einer Operationsbaſis hinter der großen Befeſtigungslinie der Römer, dem Pfahlgraben, der von Lorch an der Rems faſt in gerader Linie bis Groß⸗Krotzenburg am Main und von da durch die Wetterau über den Taunus bis nach Andernach am Rhein zieht, geweſen ſeien; er erwähnte der in dieſen Gegenden vorgefallenen Kämpfe der Römer und Alemannen in der Völkerwanderung, der entſtehenden Gauverfaſſung im angehenden Mittelalter, wo Gau⸗ und Centgrafen die eigentliche Verwaltung bildeten, und der Gau Wingarteiba das Gebiet unſerer Wanderung umfaßte; er erinnerte an die Gründung der geiſtlichen Stifte, die Stiftung des Pirminius und des heiligen Amor zu Amorbach, an deren merkwürdige Geſchichte, an die Zerſtörung derſelben durch die Ungarn 910, an ihre Verwüſtung im Bauernkrieg durch den hellen Haufen unter Götz v. Berlichingen, an die Bedrängung derſelben im 30 jährigen Krieg und an die endliche Aufhebung derſelben durch den Reichsdeputationshauptſchluß 1803, wodurch dieſes merkwürdige geiſtliche Stift endlich an Leiningen kam. Er gedachte dann der ruhm⸗


