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reichen Geſchichte des leiningen'ſchen Dynaſtengeſchlechts, das ſeine früheren Beſitzungen zwiſchen den Bistümern Worms und Speyer und bei Trier gehabt hatte, aber bei Abtretung der links⸗ rheiniſchen deutſchen Gebiete an die Franzoſen, diesſeits des Rheins durch einige Amter von Mainz, Miltenberg und Amorbach, ferner von Würzburg(Hardheim und Ripperg), ferner von der Pfalz (Mosbach und Borberg) entſchädigt wurde, aber mit ſeinen Gebieten bei der Mediatiſirung 1806 unter die Herrſchaft von Bayern, Baden und Heſſen kam. Fürſt Emich iſt der Erbauer des in tiefer Waldeinſamkeit liegenden Schloſſes Waldleiningen, einer Miniaturnachbildung des Schloſſes von Windſor. Das Innere iſt reich und geſchmackvoll eingerichtet und enthält von der Hand bedeuten⸗ der Künſtler die Portraits verſchiedener fürſtlicher Perſonen. Im Veſtibul ſtehen die Statuen von Ulrich v. Hutten und Franz v. Sickingen, auf dem Corridor im II. Stock diejenigen von Kaiſer Maximilian II., Götz v. Berlichingen, Wallenſtein, Guſtav Adolf und einem Fürſten von Leiningen. Beſonders merkwürdig iſt noch das Jagdzimmer, an deſſen Wände die mannigfachſten Jagdgeräte in der täuſchendſten Weiſe gemalt ſind, ſo daß es äußerſt ſchwer hält, den einzigen Nagel, der in die Wand geſchlagen iſt, zu entdecken. In der herrlichen, reich geſchmückten Kapelle ſteht ein prächtiger Altar, die zwölf Apoſtel auf Conſolen; in der Gruft ruht der Erbauer des Schloſſes. Auf Emich folgte 1814 Fürſt Karl unter Vormundſchaft ſeiner Mutter, einer geb. Prinzeſſin von Coburg, nachmal. Herzogin von Kent, Mutter der Königin Victoria von England. Der jetzige Fürſt Ernſt regiert ſeit 1856 und iſt Admiral in der Königl Großbritaniſchen Marine, vermählt mit Marie, Tochter des Großherzogs Leopold von Baden.
„Alle dieſe Anſchauungen, ſo ſchloß der Unterzeichnete, werden für die Schüler beſonders nutzbar, wenn ſie dann durch den nachfolgenden Unterricht erweitert und vertieft werden, wozu der Unterricht in der Geographie, Naturkunde und Geſchichte, beſonders aber der deutſche Aufſatz dienen kann, da dieſer alle Eindrücke wieder in ein Ganzes vereinigt.“ So wird dann auch vermieden, daß die Schüler an Stoffloſigkeit oder fadem Stoff bei der Anfertigung des deutſchen Aufſatzes leiden. Möchte auch unſer heutiger Ausflug in dieſer Beziehung einen reichen Segen bringen, damit die freundliche Erinnerung an die gemeinſchaftliche Wanderung und die ge⸗ wonnenen Eindrücke einen bleibenden Wert für die geiſtige Entwicklung der unſerer Leitung anver⸗ trauten Jugend habe.— Kurz nach vier Uhr traten wir gemeinſam den Rückweg durch den Park an, konnten jedoch nur wenig Wild beobachten und trafen in Kailbach ein kurz vor Abgang des Zuges, der uns ſchon bald nach 8 Uhr wieder nach Michelſtadt zurückführte.—
Am 12. September, vormittags 9 Uhr, feierten wir im Beiſein von Eltern und Ange⸗ hörigen unſerer Schüler und des hieſigen Mädcheninſtituts den Geburtstag unſeres Großherzogs Ludwig IV. von Heſſen und bei Rhein nach folgendem Programm:
1. Geſang: Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren.
2. Rede: Sophie von Brabant, vorgetragen von Herrn Reallehrer Dr. Reutzel. 3. Geſang: Heil unſerm Fürſten Heil.
4. Geſang: Das Kaiſerlied von Sering.
Durch Allerhöchſtes Decret vom 29. October 1887 wurde Reallehrer Kleinen an der hie⸗ ſigen Realſchule definitiv angeſtellt.
Im Laufe des Schuljahres erhielten wir folgende Geſchenke, für welche wir unſeren wärmſten Dank hiermit ausſprechen:
1. Von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schul⸗ angelegenheiten: Die Jahresberichte der Realgymnaſien zu München, Augsburg, Nürnberg und Würzburg. 2. Von Großherzoglicher Centralſtelle für die Landesſtatiſtik: Mittheilungen der Großherzoglich Heſſiſchen Centralſtelle für die Landesſtatiſtik. Jahrgang 1887.


