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Heinrich ließ durch einen Baumeiſter, Colins aus Mecheln, den nach ihm benannten Bau 1556—1559 in vollendetem italieniſchen Renaiſſanceſtil errichten. Auf die ältere baieriſche Linie folgte 1559— 1685 die bairiſch⸗ſimmer'ſche Linie mit gleichfalls vorzüglichen Regenten. Friedrich V. iſt der Erbauer des nördlichen Teiles des Schloſſes und des dicken Turmes. Leider ließ ſich derſelbe verleiten, 1619 die böhmiſche Koͤnigskrone anzunehmen. Nach der Schlacht am weißen Berg 1620 verlor er Böhmen und die Pfalz und irrte als Flüchtling umher. Die Pfalz und die Kurwürde erhielt Maximilian von Baiern. Schrecklich litt das Land unter den Drangſalen des 30jährigen Krieges. Erſt nach dem weſt⸗ phäliſchen Frieden erhielt der Sohn des geächteten Winterkönigs die Pfalz und die 8. Kurwürde. Er hatte in der Schule der Leiden gelernt und ſuchte dem armen Lande wieder aufzuhelfen. In der wohl⸗ meinenden Abſicht, der Pfalz den mächtigen Schutz Frankreichs zuzuwenden, verheiratete er ſeine Tochter, Eliſabethe Charlotte, an den Herzog von Orleans, den Bruder Ludwig XIV. Ludwig XIV. aber be⸗ nutzte ſpäter dieſe verwandtſchaftlichen Beziehungen, um nach dem Tode des Herzogs von Orleans An⸗ ſprüche auf die Pfalz zu erheben. Unter den nun folgenden bairiſchen Linien Neuburg und Sulzbach verfiel die Pfalz mehr und mehr. Der Mordbrennerkrieg Ludwig XIV. verheerte die blühenden Gegenden; Melac zerſtörte das herrliche Schloß zu Heidelberg; Verſchwendung und Üppigkeit, glänzende Hoffeſte und Jagdaufzüge, koſtſpielige Bauten verſchleuderten die Einkünfte, und nur ſcheinbar war der äußerliche Glanz, der eine Zeit lang am Hofe Karl Theodors herrſchte und die wunderlichſten Schöpfungen, z. B. den Garten zu Schwetzingen, hervorrief; der innere Verfall war unaufhaltſam, und ruhmlos erlag endlich ein mächtiges und blühendes Staatsweſen, das Jahrhunderte lang am Rhein gewaltet hatte, den Stürmen der franzöſiſchen Revolution. Heute erheben ſich die Städte der ehemaligen Pfalz zu mächtigem Auf⸗ ſchwung, den Handel und Induſtrie, Künſte und Wiſſenſchaften unter dem ſchützenden Panier des deutſchen Reiches genommen haben und künden dadurch die alte Wahrheit, daß nur durch eine mächtige Central⸗ gewalt, die jeder Einmiſchung fremden Einfluſſes, jedem partikulariſtiſchen Beſtreben im Innern ſteuert, des Volkes wahre Wohlfahrt gedeihen kann. Das Symbol dieſer Macht iſt uns des Kaiſers heilige Macht im Hohenzollernſtamme, unſer ritterlicher Heldenkaiſer, weshalb wir auf ihn den Schutz und Schirm des Höchſten, Kräftigung und Geneſung dem eben im Bade weilenden erflehen. Kräftig ſtimmte hierauf unſere Jugend in das Hoch, das wir unſerem Kaiſer Wilhelm darbrachten, ein.
Durch Vermittlung des Herrn Roller in Marburg, gegenwärtig Lehrer am Inſtitute des Herrn Diekmann in Potsdam, erhielt die hieſige Realſchule aus dem botaniſchen Garten der Univerſität Marburg eine Collektion von Samen, Repräſentanten aus allen Familien. Dieſelben wurden dem Gärtner Lang übergeben, der für dieſes Jahr circa 40 Exemplare in Miſtbeeten erzog und ſie alsdann Ende Juni in den Schulhof der Realſchule verpflanzte. Wir hoffen auf dieſe Weiſe nach und nach eine kleine botaniſche Anlage zu erzielen und hierdurch dem Unterrichte eine ſehr weſentliche Unterſtützung zu gewähren.
Freitag, den 21. Auguſt, beehrten die Herren Geh. Staatsrat Knorr und Geh. Oberſchulrat Becker die Anſtalt mit einem Beſuche und wohnten ſowohl vor⸗ als nachmittags verſchiedenen Unterrichts⸗ ſtunden in der Real⸗ und Vorſchule bei.—
Mittwoch, den 2. September, feierten wir den Sedantag auf herkömmliche Weiſe. Die Ordinarien erklärten nämlich, dem Alter und der Faſſungskraft der Schüler entſprechend, die Wichtigkeit und Bedeutung dieſes Tages.
Da die diesjährigen Manöver der heſſiſchen Diviſion ſich bis in die Nähe Michelſtadts heranzogen, ſo gaben wir Donnerstag, den 3. September, die Schule frei, damit die Schüler dieſes höchſt intereſ⸗ ſante militäriſche Schauſpiel, das an dieſen Tagen durch das Wetter außerordentlich begünſtigt wurde, genau verfolgen konnten. Wir hatten, hierauf ſchon im voraus Rückſicht nehmend, den Auguſtſpaziergang aus⸗ fallen laſſen, da voraus zu ſehen war, daß an den Manövertagen Störungen des Unterrichts eintreten würden.
Samstag, den 12. September, vormittags 10 Uhr, feierten wir öffentlich das Feſt des Geburts⸗ tages unſeres Großherzogs Ludwig IV. Das Programm der Feier war folgendes:
1. Geſang: Gebet für den Landesfürſten.
2. Feſtrede des Directors:„Die wichtigſten Momente in der Geſchichte der ehemaligen Landgraf⸗ ſchaft Heſſen⸗Darmſtadt und des daraus hervorgehenden Großherzogtums Heſſen.“ Einleitung.
3. Der Tod Diethers IV., des Grafen von Katzenellenbogen, auf dem Turnier zu Baſel 1315, vorgetragen von Wilhelm Eiſenhauer aus Höchſt.
4. Geſang: Waffentanz von Kreutzer.


